Ubuntu auf einem Chromebook installieren (inkl. Video)

Ubuntu auf einem Chromebook installieren (inkl. Video)

Toshiba hat uns freundlicher Weise ein kleines 13″ Chromebook für ein paar Wochen zum testen überlassen. Was das Gerät an sich angeht, gibt es demnächst noch etwas mehr zu lesen, jetzt soll es erst mal um eine sehr starke Erweiterungsmöglichkeit gehen.

Tipp für Anfänger: Erst alles durchlesen, gucken ob ihr das in etwas versteht und dann noch mal gaaaaanz oben anfangen und Schritt für Schritt durcharbeiten. Es ist zwar keine hohe Kunst, aber wenn ihr was falsch macht, kann das schon mal gut und gerne viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich übernehme natürlich keine Garantie dafür, dass die beschriebene Methode immer klappt. Sollte euer Gerät im Endeffekt kaputt gehen oder plötzlich brennen, dann ist es nicht meine Schuld – nur damit keiner auf die Idee kommt mich deswegen anzumeckern.

Chrome OS

Vorab etwas zu dem System an sich. Die Basis des „Laptops“ ist kein Windows oder ähnliches, nämlich Chrome OS. Das ist im Grunde ein Desktop der aus einer relativ leeren unteren Leiste besteht, ansonsten gibt es nur den Chrome Browser. Der erste Gedanke ist vollkommen verständlich: Was soll ich damit anfangen wenn da nur ein Browser drauf installiert ist? Aber da irrt man, der Google Kosmos ist nämlich unglaublich riesig.

Neben dem simplen surfen gibt es nämlich auch die Möglichkeit, mit Google Docs, Sheets, Slides und vielen mehr alles nötige erledigen zu können. Also quasi das Microsoft Office Universum in kleine, ressourcensparend und halt komplett in der Cloud. Dafür aber halt umsonst. Diese einzelnen „Programme“ sind als Erweiterung in den vorinstallierten Chrome Browser eingebracht und sind ohne Einschränkungen nutzbar. Das einzige was ihr braucht, ist ein Google Accout – den wird heutzutage aber wohl jeder haben.

Warum dann Ubuntu?

Da stellt sich natürlich die Frage, warum man sich denn die Mühe machen soll um ein anderes Betriebssystem auf die Kiste zu bekommen. Die Antwort ist simpel: Ein „echtes“ Betriebssystem ist besser als keines. Mit Ubuntu könnt ihr simple Programme, die man teilweise auch von Windows kennt, installieren. Ein anderer, riesiger Vorteil ist halt die Offline-Funktionalität. Mit Chrome OS könnt ihr nur offline arbeiten, wenn ihr die entsprechenden Dokumente vorher für den offline Betrieb bereitgestellt habt. Kackt euer Internet also mal spontan ab, könnt ihr die Kiste eigentlich direkt ausschalten und warten, bis die Verbindung wieder da ist.

Mit Ubuntu, in diesem Falle Gnome, könnt ihr aber auch so einfach offline LibreOffice, die von mir als Alternative gewählte Software, starten und rumtippeln wie ihr wollt. Noch dazu funktionieren auch kleine Spiele wie etwa „Teeworlds“ – und das obwohl das hier genutzte Chromebook nur einen schwachen Dual-Core Prozessor und 2 GB RAM hat.

Theoretisch wäre es auch möglich etwa die Linux Version von Steam zu installieren und anschließend Spiele wie Counter Strike oder ähnliches zu installieren – diese werden aber nicht laufen weil 1. die Leistung und 2. der Speicher fehlt. Aber die Theorie lässt es definitiv zu!

Tutorial

Kommen wir zu den wichtigen Sachen: Wie installiere ich das jetzt und was brauche ich dafür? Im Grunde nur einen 4 GB USB-Stick, eine aktive Internetverbindung und etwa zwei Stunden Zeit. Wenn ihr euch mit Computern auskennt kann man die Dauer auch gut und gerne auf eine Stunde reduzieren. Eine zeitliche Investition die sich lohnt!

Schritt 1: Chromebook Recovery Tool runterladen und in Chrome als Erweiterung laden (passiert automatisch). Dann den besagten USB-Stick in einen Port schieben und das soeben geladene Tool starten und den Anweisungen folgen. Anschließend den USB-Stick entfernen.

Schritt 2: Das Chromebook in den Entwickler-Modus bringen. Dafür haltet ihr Escape und Reload gedrückt. Während ihr diese Knöpfe (oberste Leiste) gedrückt haltet, drückt ihr einmal kurz den Aus-Knopf. Das Chromebook schaltet in einen weißen Screen und erzählt was davon, dass das Betriebssystem fehlt. Ignorieren und einfach Strg und D gleichzeitig drücken. Bei dem nächsten Hinweis dann Enter drücken und dann einfach warten bis alles durchgelaufen ist. Es werden alle (!) Daten gelöscht, danach startet das Gerät neu.

Schritt 3: Glückwunsch, das Gerät befindet sich jetzt in Entwickler-Modus. Jetzt braucht ihr noch Crouton und dann geht’s an die Sachen, die euch aussehen lassen wie einen Hacker.

Schritt 4: Öffnet durch die Tastenkombination Strg + Alt + T die Console. Hier gebt ihr jetzt „shell“ ein. Vor dem nächsten Schritt müsst ihr euch für eine Oberfläche entscheiden: Unity, Gnome, Xfce oder sonstige – könnt ihr ja mal nach googeln. Ich habe in diesem Fall Gnome gewählt. Nehmen wir mal an ihr wollt auch Gnome, dann schreibt ihr nun „sudo sh -e ~/Downloads/crouton -t gnome“ in die Console wo ihr gerade den anderen Befehl eingegeben habt. Jetzt wartet bis ihr nach einem Namen für ein Konto gefragt werdet (dauert gut 15 Minuten). Nehmt was ihr wollt und sucht euch anschließend noch ein Passwort dafür raus.

Schritt 5: So, ihr seid quasi fertig. Wollt ihr jetzt in das System starten, müsst ihr noch „sudo startgnome“ eingeben und schon wechselt ihr das Betriebssystem. Ihr habt jetzt Ubuntu auf eurem Chromebook und könnt offiziell damit angeben!

Programme installieren

Aber Ubuntu alleine ist etwas langweilig, der Spaß kommt erst mit anderen Programmen. Nehmen wir mal das bekannt „Gimp“ als Beispiel. Zuerst öffnet ihr mit „Strg + Alt + T“ wieder eine Console. Da schreibt ihr jetzt „apt-cache search gimp“ ein. Aus der resultierenden Auflistung sucht ihr jetzt das Programm raus das ihr wollt, in diesem Fall heißt es einfach „gimp“. Mit dieser Information geht das schreiben weiter, und zwar mit „sudo apt-get install gimp„. Die Konsole fragt euch kurz nach eurem Passwort, wenn ihr das eingebt erledigt das System den Rest.

Und so funktioniert das mit fast jedem Programm. Wollt ihr etwa ein Spiel laden, zum Beispiel Teeworlds, dann gebt ihr zuerst „apt-cache search teeworlds“ ein, anschließend sucht ihr das passende Programm aus der Liste und schreibt „sudo apt-get install X“ – X ersetzt ihr dann mit dem jeweiligen Namen. Und buff, fertig seid ihr.

Programme deinstallieren

Geht auch ganz einfach. Merkt euch den Namen der App und geht wieder in die Konsole. Dieses Mal tippt ihr „sudo apt-get remove –purge X“ ein. X wird wieder durch den Namen des Programms ersetzt, bei Beispiel Gimp also dann „sudo apt-get remove –purge gimp„. Meistens werdet ihr dann noch mal kurz nach einer Bestätigung gefragt, die gebt ihr indem ihr einfach „y“ in die Konsole eingebt. Mit „n“ könntet ihr diesen Vorgang aber auch einfach abbrechen.

Wechsel zwischen den Systemen

Ihr wollt kurz zu Chrome OS rüber wechseln? Drückt einfach kurz „Strg + Alt + Shift + Zurück“ gleichzeitig. „Zurück“ ist der Pfeil oben links in der obersten Reihe eurer Tastatur. Um wieder zu Ubuntu zu wechseln, drückt einfach „Strg + Alt + Shift + Vorwärts“ – „Vorwärts“ ist der Knopf rechts neben „Zurück“.

Ubuntu löschen / ChromeOS wiederherstellen

Hierfür braucht ihr dann euren 4 GB großen Stick den ihr oben in Schritt 1 mit dem Recovery Tool bearbeitet habt. Schließt diesen einfach an das Chromebook an und haltet die Knöpfe „Escape + Reload“ gedrückt, dazu dann noch mal kurz den „An/Aus“ Knopf drücken und das Chromebook einfach machen lassen. Eure Daten werden aber alle (!) gelöscht.

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Dustin

Star-Blogger, Multimillionär, Samsung Fanboy und beliebt - zumindest am Gegenteiltag. An den normalen Tagen lasse ich mich dann auf die Jungs von TechNews und AllAboutSamsung ein - ein Wandel zwischen Himmel und Hölle.