Xiaomi Mi Band im Test: Schritte zählender Schlaftracker für 14 Euro

Xiaomi Mi Band im Test: Schritte zählender Schlaftracker für 14 Euro

Schon seit es Xiaomi gibt, finde ich deren Preispolitik und Produkte pornös. Nun wurde im letzten Jahr ein neues Fitnessarmband vorgestellt: Das Xiaomi Mi Band, das in China weniger als 10 Euro kostet und zwei praktische Fitness-Features vereint: Schrittzähler und Schlaftracker. Zudem soll der Akku länger als einen Monat überdauern.

Gründe genug mir das Teil auf eigene Rechnung aus China importieren zu lassen, da es in Europa nicht wirklich zu diesem günstigen Preis zu haben ist. Als dann im Dezember 2014 bei MyDealz ein Deal brannte, bei dem das Mi Band umgerechnet für nur 13,22 Euro in einem China-Shop (tinydeal oder so) zu holen war, schlug ich direkt zu. Verschickt wurde die Bestellung direkt 3 Tage nach meiner Bezahlung und war exakt einen Monat lang unterwegs (26.12. – 26.01.). Wobei ich da eigentlich noch einige Feiertage abziehen müsste.

Nun trage ich das Mi Band schon ganze 10 Tage an meinem rechten Arm und will euch verraten wie das Teil funktioniert und ob sich ein Kauf überhaupt lohnt.

Technische Daten: Xiaomi Mi Band

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  • Abmessungen des Kerns: 14mm x 9mm x 36mm
  • Technik im Kern: military grade accelerometer (Beschleunigungssensor) von ADI, Bluetooth 4.0-Chip von Dialog und ein Akku mit 41 mAh (Input: 25mA und 5.0VT), drei LEDs
  • Sonstiges: Nach IP67 zertifiziert, ergo gegen Wasser und Staub resistent.
  • Durchmesser des Armbandes: 157mm bis 205mm
  • Material des Armbandes: Dow Corning TPSiV
  • Farben: Schwarz, Blau, Türkis, Orange, Pink, Gelb

Lieferumfang: Alles vorhanden

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Da ich das Mi Band nicht direkt bei Xiaomi kaufte, sondern bei einem Händler, war ein gewisses Risiko vorhanden, dass ich ein gefälschtes Gerät bekommen könnte. Da ich mir einige Unboxing-Videos und Berichte zuvor angeschaut hatte, war ich schlussendlich etwas verwundert, da mein Mi Band nur in einem Mini-Karton geliefert wurde und nicht in der originalen Verpackung. Schwitzend packte ich alles aus und war dann doch erleichtert. Das originale Mi Band (Kern und Armband) und der Ladestecker für einen USB-Port waren drin und noch ein Beiheftchen auf Chinesisch. Vermutlich wurde die Kartonage etwas verkleinert, um Versandkosten einzusparen. Nicht weiter schlimm, da alles drin ist was ich brauche und alles funktioniert.

Handling: Bequem und leicht

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Das Mi Band besteht aus zwei Komponenten: Das Armband und der Kern. Das Band besteht aus eher starrem Silikon (genaue Bezeichnung: Dow Corning TPSiV), ist sehr angenehm zu tragen und soll hypoallergen sein. Bei mir juckte bisher nichts und es gab selbst bei starkem Schweißfluss keine Hautrötungen – also stimmt das wohl. Der Verschluss besteht aus einem Alu-Knopf der durch eine Lasche geschoben wird und anschließend in eines von acht Löchern gesteckt wird. Der Verschluss sitzt sehr fest und hat sich bei mir noch nie gelöst. Allerdings ist mir einmal im Schlaf der Kern aus dem Band geflutscht (und glücklicherweise nicht in meiner Po-Ritze verschwunden).

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Der Kern besteht an der Unterseite aus Polycarbonat und ist auf der Oberseite mit einem silbernen Material beschichtet, das ich nicht genau identifizieren konnte. Es fühlt sich an wie Metall und wird recht kühl. Laut Xiaomi ist es eine Magnesium-Aluminium-Legierung. Es ist sogar relativ gut gegen Kratzer geschützt, wie ich bereits festgestellt habe. Laut Xiaomi hält das gesamte Konstrukt Temperaturen von -20 bis +70 Grad stand und ist eben auch nach IP67-Zertifizierung gegen Wasser und Staub gewappnet. Tauchen soll man damit bis 1 Meter Tiefe können und bis zu maximal 30 Minuten. Hab ich allerdings nie getestet und hätte sowieso Angst, dass mir der Kern aus dem Armband rutscht.

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Um den Tracker alle paar Monate mal zu laden, muss der Kern in die mitgelieferte Halterung gesteckt werden, was ein wenig Kraft in Anspruch nimmt, damit es richtig einrastet. Erst dann kann man den USB-Stecker in das Notebook oder sonstwo einstecken und warten bis die drei LEDs des Armbands leuchten. Wie lange der Prozess dauert, kann ich aktuell noch nicht sagen, da das Armband noch nie auf 0% war.

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Bisher ist mein größter Kritikpunkt an dem Mi Bands die Größe des Armbandes. Ich, mit meinen lauchigen Unterarmen, nutze schon das zweitletzte Loch und Menschen mit etwas größeren Armen dürften da schon erste Probleme haben. Also lieber vorher den Umfang des Unterarmes messen, ansonsten einfach der Freundin schenken oder ein Ersatzarmband dazu kaufen. Es gibt wohl sogar welche aus Leder und anderen Materialien.

Features: Kann was

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Bevor das Mi Band an den Arm gesteckt wird, sollte es einmal aufgeladen werden und danach mit der App auf dem Smartphone gekoppelt werden. Hierfür unterstützt Xiaomi iOS 7.0 aufwärts und Android ab 4.4, allerdings nur auf Chinesisch und Englisch. Eine Deutsche App gibt es dennoch für Android-Nutzer (Link) bei Decuro zu downloaden. Ich nutze lieber die originale Version auf meinem Android-Smartphone und bediene mich meiner vorhandenen Englischkenntnisse. Es sei noch erwähnt, dass die App unfassbar viele Berechtigungen erfordert, die meisten ergeben aber Sinn. Aber GPS-Koordinaten kann die App etwa nicht angeben, obwohl sie diese Berechtigung haben möchte.

Mi Fit
Mi Fit
Mi Fit
Mi Fit

Die Einrichtung läuft schnell und problemlos ab, insofern man einen XiaoMi-Account besitzt. Andernfalls muss man noch schnell einen Account erstellen, was bei mir etwas dauerte, da die BestätigungsSMS ewig auf sich warten ließ (der Account wird mit der Handynummer verknüpft). Ist diese Hürde überschritten, geht alles easy von der Hand.

Da das Mi Band via Bluetooth kommuniziert, muss es mit dem Smartphone gepaired werden, was innerhalb der App passiert. Sind Gerät und Mi Band gekoppelt, sollten zuerst ein paar grundlegenden Dinge eingestellt werden: Körpergröße, Schritte-Tagesziel und der Arm an dem das Band getragen wird. Mehr ist für den Anfang eigentlich nicht wichtig. Wer noch das Gewicht angibt, bekommt noch Angaben zu seinen verbrannten Kalorien. Ob die Angaben stimmen, kann ich nicht sagen.

Wer ganz lustig drauf ist, kann die Farben der drei LEDs wechseln: Rot, Orange, Grün und Blau stehen zur Auswahl. Braucht man im Alltag eher weniger, da die LEDs fast nie zu sehen sind und sich ein Blick auf das Band nicht wirklich lohnt, da keine Uhr darauf abgebildet ist. Allerdings können die LEDs anzeigen wie nahe man an seinem Kilometer-Tagesziel ist. Leuchtet eine LED, hat man 1/3 geschafft und bei allen drei ist das Tagesziel erreicht. Wer es braucht..

Des Weiteren hat man die Möglichkeit das Armband vibrieren zu lassen, falls ein Anruf ankommt oder wenn man sonstige Benachrichtigungen wie SMS oder WhatsApp bekommt. Dafür muss dauerhaft Bluetooth auf dem Smartphone aktiviert sein, weshalb ich diese Funktionen getestet aber nie wirklich aktiv genutzt habe. Ich schalte mein Bluetooth nur einmal am Tag an und ziehe mir die Fitness-Daten rüber. Bei Anrufen vibrierte das Mi Band tatsächlich nach ein paar Sekunden (kann man einstellen wie hoch die Latenz sein soll), nur bei Benachrichtigungen scheint es wirklich nur bei SMS zu funktionieren.

Gemessene Daten: Relativ genau

Bei den aufgezeichneten Daten handelt es sich zum einen um die getätigten Schritte und zum anderen kann das Mi Band den Schlaf aufzeichnen. Die Bewegungen werden von einem Beschleunigungssensor (tightes Militärzeugs) aufgezeichnet. Das Gute ist hier, dass er normale Handbewegungen beim Arbeiten am PC nicht als Schritte erfasst, sondern wirklich erkennt wenn man sich in aufrechter Position bewegt. Auch schnelle Handbewegungen wie Luftboxen gegen einen imaginären Muhammad Ali werden bei mir nicht als Schritte angerechnet.

Alle aufgezeichneten Schritte werden optisch ganz hübsch dargestellt und lassen sich mit den Werten der Tage zuvor vergleichen. Zudem sehe ich genau in welchem Zeitraum ich gerannt und wann ich träge durch die Gegend geschlendert bin.

Spannender wird es bei der Auswertung des Schlaftrackings. Das Mi Band erkennt durch den Lagesensor – oder sonstigen Sensoren – ob man nun gerade im Bett liegt und Heia machen will. Überraschenderweise funktioniert das exzellent. Das MiBand erkannte bisher immer wann genau ich eingeschlafen bin und registriert auch wann ich aufgewacht bin. Vermutlich zuckt der Mensch da etwas mehr als sonst. Interessant sind auch die verschiedenen Schlafphasen, die die App in Tiefschlaf, Leichten Schlaf und Wachphase unterteilt. Diese werden ebenfalls grafisch dargestellt und verraten zu welchen Zeiten man sehr schlecht gedöst hat.

Wer noch eine Schippe drauf legen will, der kann sich sogar von dem Mi Band durch Vibrationen wecken lassen. Und ich kann sagen es funktioniert sehr gut. Ihr stellt in der App einfach eine Uhrzeit ein und schon vibriert das Band zu der angegebenen Uhrzeit. Die Vibrationen sind nicht irgendwie aufdringlich sondern lassen mich sanft aus dem Schlaf erwecken. Um den Wecker zu beenden reicht es die Oberfläche des Trackers zu berühren. Vollkommen würde ich mich jedoch nicht auf die Weckfunktion verlassen. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich das Mi Band etwa 2 Minuten vor dem eigentlichen Wecker vibrieren lasse.

Ein weiteres cooles Feature, das aber nur Besitzern eines Xiaomi-Smartphones vorbehalten ist, gibt es noch. Es ist möglich mit dem Mi Band das Xiaomi-Smartphone zu entsperren, so lange man sich in Reichweite der Bluetooth-Verbindung befindet.

Ausdauer: Nach 10 Tagen noch 76%

Das Mi Band ist ausdauernder als ein Nokia X1-01, bei dem der Hersteller eine Stand-By-Zeit von 43 Tagen angibt. Mein Mi Band läuft nun seit 10 Tagen und besitzt noch immer 76%, wobei am ersten Tag direkt 5% durch die Einrichtung eingebüßt wurden. Bei dem aktuellen Energieverbrauch würde das Mi Band locker 43 Tage überstehen. Wie viel es am Ende wirklich ist, werde ich hier natürlich ergänzen. Ob der Akku seine Ausdauer nach ein paar Mal Laden optimieren kann, weiß ich allerdings nicht.

Fazit: Nichts Vergleichbares zu dem Preis

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Wer einen verlässlichen Begleiter für den Alltag braucht, der einem aufzeigt wie viel man sich am Tage und in der Nacht bewegt hat, der sollte sich sofort das Mi Band zulegen. Es gibt in meinen Augen kein vergleichbares Produkt mit diesen Funktionen unter 14 Euro – gesetzt dem Fall, dass man es sich von einem China-Shop zuschicken lässt. Wer es direkt nach ein paar Tagen haben möchte, der kann es bei Amazon über irgendwelche Händler bestellen und den doppelten Preis zahlen.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.