Thecus N2310 im Test: NAS für Einsteiger mit zu vielen Festplatten

Thecus N2310 im Test: NAS für Einsteiger mit zu vielen Festplatten

Die Welt der Netzwerkspeicher-Systeme im Consumerbereich ist glücklicherweise recht überschaubar, zumindest was die Anzahl der Hersteller angeht. Da gibt es Western Digital, Synology oder QNAP und eben die taiwanesische Firma Thecus Technology Corporation. Diese waren so nett und haben mir eines ihrer Einsteigermodelle, das N2310 um genau zu sein, überlassen. Dieses war nun so knapp zwei Monate bei mir im Dauereinsatz, woraufhin ich jetzt erstes Resümee geben möchte, ob das Teil was taugt oder direkt auf den Müll kann.

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Um etwas Verwirrung vorwegzunehmen, kläre ich euch noch kurz über den Begriff NAS auf. NAS heißt ausgeschrieben „Network Attached Server“, bedeutet im Klartext, dass es sich um einen Speicher handelt, der in ein Netzwerk eingespeist werden kann, damit mehrere Leute darauf zugreifen können. Da ich faul bin und Buchstaben sparen möchte, schreibe ich im Folgenden immer NAS statt Netzwerkspeicher. Aber kommen wir nun zum eigentlichen Test und fangen zuerst mit den technischen Daten an.

Technische Daten: Thecus N2310

  • Maße: 13,5 x 9,7 x 20,7 cm und 792 Gramm schwer
  • CPU: AMCC APM 86491; 800 MHz
  • RAM: 512 MB DDR3
  • Speicherplätze: Zwei Steckplätze für entweder 2,5″ oder 3,5″ SATA-HDD (6 GBit/s bzw. 3 GBit/s)
  • Anschlüsse: Einen USB 2.0, einen USB 3.0 und einen Gigabit Ethernet RJ45
  • LAN: RJ-45×1: 10/100/1000 BASE-TX Auto MDI/MDI-X
  • TCP/IP: IPV6 & IPV4
  • Watt: 40 Watt Stromadapter
  • Preis: ca. 125 Euro – 140 Euro

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Lieferumfang: Normal halt

Wat soll ich sagen. Ich packe das N2310 vorsichtig aus und finde alles vor was ich brauche, um den NAS problemlos nutzen zu können: Ladekabel, Installations-CD und eben der Kasten an sich. Festplatten waren leider nicht dabei, weshalb ich auf meine eigene Festplattensammlung zurückgreifen musste. Stellt aber kein Problem dar, da alle gängigen SATA-Modelle eingebaut werden können. Man sollte sich nur im Klaren sein, dass die Software zuerst die Festplatte komplett leer räumt, bevor man das Ding überhaupt nutzen kann. Aber der schlaue Internet-Nutzer weiß sowieso schon, dass man alle Daten immer doppelt sichern sollte.

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Optik & Haptik: Schönes Plastik

Der/Die/Das Thecus N2310 sieht sehr schick und schlicht aus und wird nur in Schwarz verkauft. Die Hülle besteht leider nicht aus Alu oder etwas vergleichbar Wertigem, sondern aus Plastik. Ist im Grunde aber schnurz, da man das Ding nur einmal in die Finger nimmt, beim ersten Einrichten. Von der Größe her ist es sehr schmal und klein, dafür dass zwei Festplatten darin Platz finden. Auf der Vorderseite (wobei ich mir nie sicher war wo nun vorne und hinten ist!?) sitzen noch ein paar coole LED-Leuchten, die allerdings unfassbar nerven, wenn man den NAS in seinem Schlafzimmer bunkert. Daher empfiehlt es sich das Gerät in ein Zimmer zu verbannen, wo es niemanden stört. Insbesondere auch wegen des Lärms, worauf ich später noch zu sprechen komme.

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Weiter gibt es auf der Vorderseite zwei Knöpfe. Zum einen den Start-Knopf, der den NAS startet – jedoch das Gerät nicht herunterfahren kann. Das ist ungefähr so sinnvoll wie ein Auto zu bauen, das sich starten lässt und nicht mehr aus geht, sondern für so lange den Motor laufen lässt, bis er explodiert. Lediglich über die Webconsole kann man den N2310 herunterfahren (siehe links unten).

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Der zweite Knopf ist mit „USB Copy“ beschriftet und besitzt die Funktion automatisch festgelegte Daten per Knopfdruck zu überspielen. Man legt fest welche Daten kopiert werden sollen, wenn man eben diesen einen Knopf drückt. So lassen sich etwa Daten aus dem DCIM-Ordner der Kamera einach übertragen. Man schließt die Kamera via USB an, drückt den Knopf und Boom sind die Daten auf dem NAS. Easy as fuck.

Einrichtung: Könnte sogar Oma

Der Aufbau der N2310 ist easy. Einfach die gewünschte(n)Festplatte(n) in einen leeren Schacht stecken, festschrauben und rein schieben. Ich habe für den NAS meine Western Digital Elements 640 GB (WDE1U6400E) auseinandergeschraubt, weil die sowieso nur nutzlos rumlag. Generell passen sowohl 2,5″ und 3,5″ große Platten in die Halterungen.

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Kurz die Platte auf die Schiene geschraubt, reingeschoben, Stromkabel angeschlossen und per Netzwerkkabel mit dem Router verbunden. Darauf folgt die Installation mit Hilfe der beigelegten CD über den Computer. Hier kann im Grunde nichts schief gehen, alles ist fein säuberlich erklärt, so dass wenige Minuten später die Kiste läuft. Während der Installation wird man allerdings gefragt, nach welcher RAID die Festplatten verknüpft werden sollen. Grundsätzlich unterstützt die N2310 folgende drei Verbund-Arten:

RAID 1: Spiegeln. Der Inhalt wird nur auf eine Platte gespeichert. Das NAS macht aber zusätzlich noch eine Kopie davon auf die zweite Platte. Dadurch sichert man sehr einfach seine Daten automatisch auf zwei Festplatten.

RAID 0: Verbund. Heißt so viel, dass beide Platten zu einer verschmelzen und nach Reissverschluss-System die einzelnen Datenblöcke auf den Platten gespeichert werden.

JBOD:Just a Bunch Of Disks. Die Platten werden eigenständig verwaltet. Jede Platte bekommt einen eigenen Laufwerknamen und kann einzeln abgerufen werden.

Multimedia: Streaming und so

Nun, wozu braucht man so einen NAS als Privatperson. Ich für meinen Teil lagere dort ein paar Daten aus und muss nicht immer meine zweite Externe von Fernseher zu Laptop umstöpseln. Zudem kann ich mit allen Geräten im Netzwerk und auch von außerhalb auf die Daten zugreifen. Wenn ich also eine MP4-Datei abspielen will, dann greife ich mit meinem Fernseher auf den NAS zu und streame die Datei einfach. Wenn ich nun gekaufte MP3-Dateien abspielen wöllte, dann kann man die, ebenfalls wie die MP4-Dateien, auch abspielen. Aber es gibt wohl eine iTunes App, die auf der Platte installiert werden kann, hab ich aber nicht getestet.

Konnektivität: Viele FVeatures vorhanden

Zwei ganze Apps bietet Thecus für Android- und iOS-Nutzer an. Diese sind nur auf das notwendigste reduziert und sehen aus als kämen sie direkt aus dem Jahre 2001. Vermutlich werden die Apps wohl auch nie ein optisches Update bekommen, aber man weiß ja nie. Mich stört es nicht direkt, da ich die Apps sowieso nie wirklich benutzt habe. Zum Testen kurz, aber optisch sind die wirklich nicht ansprechend – aber sie funktionieren.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁
T-OnTheGo
T-OnTheGo
Entwickler: Thecus Storage
Preis: Kostenlos
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁
T-OnTheGo
T-OnTheGo
Entwickler: Thecus Technology
Preis: Kostenlos

Wer über DDNS auf den Server zugreifen will, muss dies erst noch einrichten. Hierfür braucht man eine Thecus-Account (ID). Bei der Registrierung kann festgelegt werden, unter welcher Webadresse der Server erreichbar sein soll. Das sieht dann in etwa so aus: XXXXX.thecuslink.de.

Zudem kann man diverse USB-Geräte an den N2310 stecken, da je ein USB 2.0- und USB 3.0-Steckplatz vorhanden ist. Zusätzliche Festplatten, Kameras, Drucker oder weiß der Geier was noch alles.

Performance: Keine Rocket-Science, aber mit Düsenantrieb

Die Geschwindigkeit ist natürlich stark abhängig von der Festplatte die man in das NAS schiebt und davon an welchen Router man es anschließt. Startet man den N2310, so dauert es knappe 5 Minuten, bis die Kiste hochgefahren ist. Das ist vermutlich auch abhängig von den Datenmengen, die auf den Platten lagern. Während die Kiste hochfährt könnte man meinen, dass man im Düsenjet sitzt, weil der Lüfter unfassbar aufdreht. In Betrieb ist er relativ leise, doch jedes Mal wenn der Lüfter aufdreht, fühlt man sich wie kurz vor einem LKW, der auf einen zu rast. FFFFFTTTTTT.

Meine Daten waren jetzt nicht schneller auf der Platte, als wie wenn ich die direkt anschließen würde, aber auch nicht langsamer. Passt also auch.

Fazit: Läuft bei Thecus.

Der Thecus N2310 NAS funktioniert. Allerdings sollte man nur den Schritt wagen, wenn man schon ein paar Festplatten rumliegen hat und diese in einem System verknüpfen und in in das Netzwerk einpflegen möchte. Oder wenn man zwei Festplatten an einer Stelle aufbewahren will. Andernfalls müsste man zusätzliche Festplatten einkaufen und schon wäre das Ganze nicht mehr ganz so günstig.

Eine 2-TB-Platte kostet so im Schnitt 80 Euro und mit zwei von der Sorte wäre man bei 160 Euro – nur für die Platten. Zusammengerechnet läge der Preis bei knapp 300 Euro. In dem Preissegment gibt es schon NAS-Angebote mit eingebauten Festplatten, die etwas günstiger sind – wie etwa das „WD My Cloud Mirror“-NAS mit 4 TB.

Am Ende muss aber jeder für sich selbst entscheiden was für ihn in Frage kommt. Ich kann zu dem Thecus N2310 nur so viel sagen, dass es läuft. Zwar ab und an ein bisschen viel Düsenjet zu hören, aber es läuft.

Wer direkt im Profibereich starten will, der sollte sich die Protonet-Server genauer anschauen. Die bieten, meiner Meinung nach, das beste Angebot und kosten dafür nur ein dicken Haufen Geld.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.