TechNews Testbericht: Painkiller Hell and Damnation: Dante Alighieri hat ein Meth-Problem

TechNews Testbericht: Painkiller Hell and Damnation: Dante Alighieri hat ein Meth-Problem

Wir bei TechNews wissen, dass dieser Hype um das „Internet“ bald abklingen wird und in 20 Jahren nur noch vereinzelte „Smartphones“ auf Flohmärkten von Hipstern ergattert werden. Deshalb wollen wir uns stärker mit den wichtigen Dingen im Leben beschäftigen: Games. Den Anstoß für unsere neue Gaming-Testreihe soll ein Spiel aus dem Hause Nordic Games und Farm 51 liefern: Painkiller Hell & Damnation. Getestet wurde das gute Stück auf der Playstation 3 und kostet in dieser Version am 14.08.2013 bei amazon exakt 28,99 € ( PC-Spieler zahlen für die gleiche Version lediglich 8,50 € ).

Man was war 2004 für ein Jahr. Auf RTL II lief Dragonball, der Sommer war heiß, Alkopops waren noch erschwinglich und eine Schachtel Zigaretten hat 2€ gekostet. Außerdem gab es damals einen entscheidenden Unterschied zu heute: Ego-Shooter waren in der Regel gut und boten Spaß für die gesamte Familie. In dieser Zeit erschien, vom damals unbekannten polnischen Entwickler People Can Fly ( heute mit für Teile der Gears-of-War-Reihe verantwortlich ), der Actionkracher Painkiller. Persönlich habe ich mich damals nicht allzu stark mit dem Titel auseinandergesetzt, da der Zeitplan eines 14-Jährigen Counter-Strike-Spielers mit professionellen Ambitionen einfach nicht viel Platz für ablenkende Dinge bietet. Die dennoch gute Erinnerung an den Titel und die gähnende Monotonie in der aktuellen Shooter-Landschaft liesen die Endorphine durch meinen Körper sprühen, als ich die Verpackung in der Videothek meines Vertrauens sah. Painkiller HD ( Hell & Damnation ) ausgeliehen und auf geht es in die Untiefen der Hölle.

Painkiller1

Story:  Trash ohne Kultfaktor

Persönlich halte ich nicht viel vom aktuellen Trend die Story über das Gameplay zu setzen ( Call of Duty ) und kann somit gerne auf eine packende und spannende Geschichte hinter meinem Ego-Shooter verzichten. Außerdem sind Ego-Shooter männlich und Männer erzählen keine Geschichten. Männer schießen aus der Hüfte, stinken und bekommen nur feuchte Augen wenn sie irgendwo einen V8 Motor aufheulen hören. Persönlich erfreue ich mich an der Abwesenheit einer Story oder an einer richtig guten Story. Doch Painkiller HD bietet leider keine der beiden Varianten. Die Story ist weder packend noch ist sie nicht vorhanden. Sie ist schlicht und ergreifend nicht durchdacht. Verschiedene aus den Vorgängern bekannte und völlig zusammenhangslose Areale gepaart mit verwirrenden Zwischensequenzen und einer fortgesetzten Storyt. Es ist also weder Remake noch richtige Fortsetzung. Mitten im Spiel taucht plötzlich eine Nebenfigur auf, die der Protagonist kennt, der Spieler bisher jedoch noch nicht ( Außer er hat die vorherigen Teile gespielt ). Am besten zur Grundgeschichte: Ein Dude ( Daniel Garner ) fährt seine Frau Catherine zu einem Restaurant wo beide Catherines Geburtstag feiern wollen. Hierbei crasht das Auto und beide verunglücken tödlich. Fiese Sache, aber noch fieser ist, dass Catherine in den Himmel kommt und Daniel im Fegefeuer abkacken muss. Und im Fegefeuer gibt es kein W-Lan, also ist das schlecht. So beginnt die Geschichte des ursprünglichen Spieles und Painkiller HD knüpft nahtlos ans Ende der Ausgangsstory an. Ich möchte für Menschen welche den ursprünglichen Titel nicht gespielt haben nicht zuviel vorwegnehmen, aber Daniel wurde betrogen und wird nun von niemand anderem als dem Tod höchstpersönlich beauftragt 7000 Seelen zu besorgen um seine geliebte Frau wieder zu sehen. Hier beginnt auch schon der erste Knackpunkt. In Zwischensequenzen werden diese Seelen immer mal erwähnt, aber so richtig eingebunden wurden diese nicht in das Spiel. Weiterhin gibt es völlig zusammenhangslose Sprünge zwischen den einzelnen Maps. Das Ende wirkt ein bisschen wie der Aufhänger einer normalen GZSZ-Folge oder den Enden der SAW-Reihe. Hauptsache die Möglichkeit einer Fortsetzung. Ich hätte mich ehrlich gesagt mehr über das komplette Fehlen einer Story gefreut als über dieses halbe Remake mit völlig furchtbarer Story. Was Painkiller zu Gute kommt ist das interessante Setting. Der Aufbau erinnert ein wenig an „Die göttliche Komödie“ bei der Dante in die Hölle hinabsteigt um seine Geliebte zu befreien. Weiterhin bieten die unterschiedlichen Maps ordentlich Abwechslung, wobei der Vergnügungspark und das Waisenhaus mit Abstand die besten Maps sind. Leider ist der ganze Spaß schon nach ca. 6 Stunden Spielzeit vorbei. Hierzu sage ich noch etwas im Fazit, doch zunächst will ich euch ein bisschen was über das Gameplay erzählen.

Gameplay: Schnell, fies und voll in die Fresse

Kommen wir zum Glanzstück von Painkiller HD. Das Gameplay. Für alle an denen Spiele wie Quake oder Unreal Tournament vorbeigegangen sind und die denken, dass alle Shooter schon immer wie CoD waren ( weil heute auch alle Shooter wie CoD sind ), wird das Gameplay sehr befremdlich vorkommen. Gegnerhorden wie aus Serious Sam, Bunny-Hopping, keine Regeneration, keinen Waffenrückstoß, gefühlte 48 Waffen mit Primär- und Sekundärfeuer und Gefechte die tatsächlich einen gewissen Anspruch an das spielerische Können stellen. Was früher völliger Standard war ist wird heute mit großen „Ahhs“ und „Ohhs“ bestaunt und behandelt wie ein Relikt aus einer völlig vergessenen Zeit. Bei Painkiller bedeutet hinter einer Deckung zu lauern den sicheren Tod und um sich konkurrenzfähig bewegen zu können sind die Sprünge über das gesamte Areal zwingend notwendig. Hierbei entsteht ein hohes Tempo, was dem Spieler ein gewisses Geschick abfordert, aber auch unheimlichen Spaß bietet. Munition ist quer verstreut und getötete Gegner hinterlassen Seelen, welche die eigene Gesundheit auffrischen. Sind alle Gegner gestorben geht es ins nächste Areal der Map, wobei die Gesundheit wieder auf 100 gesetzt wird. Nach 4 Maps ist ein Akt zu Ende und dort wartet dann ein überdimensionaler Bossgegner, die in der Regel ziemlich schlecht drauf sind und eine ungesunde Einstellung zum Thema Gewalt haben. Einfaches Prinzip, macht aber durchaus Spaß. Immer wieder wird man vom einen Ende der Map ans andere geschickt und hat hierbei die Möglichkeit Geheimnise, versteckte Waffen oder sonstige interessante Verstecke mit Munition zu finden. Jede Map bietet weiterhin die Möglichkeit eine sogenannte Tarotkarte freizuspielen. Für diese müssen bestimmte Aufgaben erledigt werden ( z.B. „Benutze nur deine Schrotflinte“ ). Die Tarotkarten können dann im Laufe des Spiels als Power Up im Kampf eingesetzt werden und verhelfen so zu einer verlangsamten Zeit oder zu einer stärkeren Abwehr. Weiterhin transformiert sich Daniel nach dem Sammeln von 66 Seelen zu einem Over-the-Top-Dämonen der für kurze Zeit alles kurz und klein schlägt was in seiner Heat-Vision auftaucht. Diesen Modus kann man nicht aufladen und nach belieben starten, sondern mit dem einsammeln der 66. Seele geht die Luzi ab. Selbstverständlich ist es mir beim zocken immer passiert, dass der Dämonen-Modus genau dann kam, wenn ich ihn am wenigsten gebraucht habe. Doch ehrlich gesagt finde ich das sehr gut. Das sind eben fiese Eigenheiten , welche das Spiel anspruchsvoller gestalten und bei denen ich merke, dass den Entwicklern egal ist, ob ich stetige Erfolgserlebnisse habe. Man sowas will doch keiner. Ich will ein Spiel was sich nicht um mich kümmert und eine gesunde Survival-of-the-fittest-Mentalität an den Tag legt. Das tut Painkiller auch, wobei erwähnt werden muss, dass es auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nicht unbedingt das anspruchvollste Spiel ist. Das liegt einfach an der echt erbärmlichen KI, welche aber durch die Masse der Gegner gut ausgeglichen wird. Noch ein kurzes Wort zu den Waffen und dann soll es schon zum Punkt Technik gehen. Waffen sind zahlreich und liebevoll gestaltet, sind jedoch die typische Schrotflinte, das typische MG, der Raketenwerfer usw. Jedoch gibt es auch sehr eigene Waffen wie den Painkiller ( Melee-Waffe ) oder den Soulcatcher.

Technik: Alt, älter, Painkiller

Ok die Worte waren vielleicht etwas harsch. Painkiller HD sieht nicht wirklich grottig aus, aber eben auch nicht wirklich gut. Als Kompromiss lässt sich sagen, dass die hässliche Grafik nicht negativ auffällt. Die Synchro jedoch ist voll für den Arsch, dafür kann der Soundtrack mit derbem Heavy Metal Gedresche punkten. Schade ist die starke Kürzung für den deutschen Markt ( lila Blut, verschwindende Leichen, keine abtrennbaren Körperteile und Zombiekinder wurden durch Puppen ersetzt, welche übrigens viel gruseliger aussehen als die eigentlichen Zombiekinder ). Die Steuerung ist etwas klobig und das Bunny-Hoping geht schwer vom Controller. Doch hierbei denke ich, dass das Problem eher an der Konsole als am Spiel liegt, womit ich das nicht negativ werten möchte. Nach einer Eingewöhnungszeit läuft es aber relativ flüssig. Ehrlich gesagt interessiere ich mich bei Games weniger für den technischen Aspekt wesewegen ich diesen Abschnitt auch nicht künstlich strecken möchte und als nächstes abschließende Worte finden will

Fazit: Ein mulmiges Gefühl im Magen auch ohne das scharfe indische Essen von gestern

Painkiller bietet alles was einen großartigen Shooter ausmachen könnte. Hohes Tempo, ein großes Arsenal an Wummen, geiler Soundtrack, spannendes Setting und die Grundlage für eine solide Story. Doch leider macht Painkiller viel falsch. Hätte man einfach das Original 1:1 hochskaliert und auf die Playstation portiert so wäre es das wesentlich bessere Spiel geworden. Leider wurden irgendwelche Maps übernommen und eine total eigenartige Story zusammengeleimt. Positiv bleibt nur das Gameplay. Doch das ist quasi auch nur von früher kopiert und reicht aufgrund der geringen Spielzeit nur dazu aus um Shooterneulinge anzufixen oder alte Hasen in Melancholie schwelgen zu lassen. Und jetzt kommt etwas was mich richtig anpisst: Die Spielzeit. Klar bezahlt man „nur“ 29 Latten und einen Oldschool-Shooter in der heutigen Zeit zu releasen ist marketingtechnisch gesehen echt ein heikler Move, aber 6 Stunden Spielzeit? Gütigerweise existieren 7 (!) (in Worten: SIEBEN) DLC, welche das Spiel erweitern und natürlich alle Geld kosten. Ich verstehe wieso Entwickler heutzutage solche Marketingstragien fahren und wie schon mal erwähnt hasse ich niemanden dafür, dass er Geld verdienen will. Und trotzdem frage ich mich wie solche Leute, die davon leben, dass sie irgendeine halbfertige Scheiße auf dem Markt hauen und dabei den Kids das Taschengeld abziehen, noch in den Spiegel schauen können. Mein Tipp: Besorgt euch das originale Painkiller auf dem PC oder leiht euch das Teil aus, doch kaufen würde ich jedem abraten.

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Marcel

Der Reißverschluss, das Internet und Ketchup waren meine Ideen. Bist du cool, dann folgst du mir bei Twitter.