TechNews Testbericht: Motorola RAZR HD: Scharfes Gerät mit Kameraschwäche

TechNews Testbericht: Motorola RAZR HD: Scharfes Gerät mit Kameraschwäche

teaser

Das erste Motorola RAZR kam 2003 auf den Markt und hatte weder Android noch Touchscreen. Man konnte es dafür aufklappen, den Menschen die Kleider vom Leib schneiden und in die Wand eines Zugs werfen, wo es dann auch stecken bleibt. (Beweisstück A) Doch was ist aus der heutigen Generation RAZR geworden? Um dieser Frage auf den Zahn zu fühlen, nehmen wir das RAZR HD in diesem Test etwas genauer unter die Lupe.

Die RAZRs der heutigen Zeit sind noch immer flach, zudem mit einer Kevlar-Rückseite verkleidet und das europäische Flaggschiff RAZR HD besitzt ein Display mit HD-Auflösung (Daher auch der Name). Zugegeben das ist ein kleiner, technischer Fortschritt, im Vergleich zu anderen Herstellern, die mit FullHD-Displays oder 41-Megapixel-Kamera protzen, dafür hat Motorola, meiner Meinung nach, die schönere Fernsehwerbung in Deutschland – nämlich gar keine. Das RAZR HD scheint eher zufällig nach Deutschland geflutscht zu sein, um zu testen, wie die Menschen darauf reagieren. So hat sich der Hersteller, vermutlich Dank der mageren Verkaufszahlen, dazu entschieden überhaupt keine gescheiten Motorola-Handys mehr für Europa zu produzieren, siehe die neuen Generationen (siehe Moto X), die ausschließlich in den USA verkauft werden. Einzig das RAZR HD und RAZR i stehen aktuell zur Auswahl.

Ohja, ihr habt richtig gelesen, das RAZR HD besteht aus Kevlar – zumindest die Rückseite. Wer jetzt denkt, dass das Kevlar-Handy in der Brusttasche vor Kugeln schützt, der sollte lieber vorsichtig sein. Dieses Youtube-Video beweist das Gegenteil.

Technische Fakten: 

  • 67,9 x 131,9 x 8,4 Millimeter groß und 146 Gramm schwer
  • 1,5-GHz-Dualcore-CPU (Snapdragon S4 Plus MSM8960) und Adreno 225 GPU
  • 8 Megapixel-Rück- und 1,3 Megapixel Front-Kamera, LED-Blitz, HD-Videos
  • Akku mit 2.530 mAh  (Ladedauer ca. 3h)
  • 4,7-Zoll Super-AMOLED-Display, 720×1280 Pixel (233ppi), TFT-LCD
  • 1 GB RAM, 16GB interner Speicher (effektiv 12 GB), microSD-Slot
  • Bluetooth 4.0, Micro-USB, Micro-HDMI, WLAN 802.11 b/g/n/a, A-GPS, LTE (800,1800,2600 MHz), 3,5mm Klinkenbuchse
  • Android 4.1.2 mit EmotionUI 1.0

Handling: Balsam für die Hände

Genug von Kevlar geschwafelt, schauen wir uns das RAZR HD einmal genauer an, wenn es schon bei so simplen Aufgaben, wie der Rettung von Leben, versagt. Was kann es denn überhaupt? Sehr viel sogar! Motorola hat bei der Weiterentwicklung des Vorgängermodells sehr ansehnliche Arbeit geleistet und an den richtigen Ecken angesetzt. Das Smartphone liegt beinahe so gut in der Hand, wie die Brust einer jungen, attraktiven Frau. Das Kevlar fühlt sich ehrlich gesagt sehr edel an. Die Tasten an der Seite haben guten Grip und einen gut spürbaren Druckpunkt. Das Display ist, trotz einer Größe von 4,7 Zoll, sehr gut mit dem Daumen einer Hand zu bedienen und bei Dunkelheit fast heller als ein Halogenscheinwerfer. Laut Hersteller wiegt das RAZR HD satte 146 Gramm, diese fühlen sich nicht zu schwer an und steigern das Gefühl, dass ich ein wertiges Gerät in den Fingern halte, noch mehr. Auch in die Hosentasche passt das RAZR HD ohne Probleme, wobei meine schon etwas ausgedehnt ist, da mein Galaxy Note 2 dort wohnt. Frauen sollten es lieber in die Handtasche verfrachten.

Bei der Oberfläche setzt Motorola seit 4.1.2, was auch die aktuellste Version ist, nicht mehr auf MotoBlur, sondern auf das ressourcensparende Stock-Android und installiert lediglich ein paar Motorola-Apps. Das schont nicht nur den Akku, sondern auch die Augen. Denn in meinen Augen ist MotoBlur der größte Software-Müll, der je entwickelt wurde. Ich habe es schon damals auf meinem Defy gehasst und sofort versucht es zu entfernen. Dieses Problem führte mich in die Ecke der CustomRoms – Danke Motorola, dass ihr es endlich entfernt habt.

Ausdauer: Reicht gerade so fürs Vorspiel

akku

Mit einem solchen Handschmeichler macht das Spielen natürlich umso mehr Spaß, so dachte ich zumindest. Allerdings wird das Vergnügen schnell getrübt. Nach nur schwachen 4:19 Stunden Dauerzocken, mit voller Helligkeit, machte der Akku schlapp und musste für knapp drei Stunden an die Steckdose. Da hatte ich mir mehr erwartet. Insbesondere, da Motorola mit einer unfassbaren, unerschütterbaren, unerreichbaren, unglaublichen Akkulaufzeit wirbt. Bei so einer schwachen Leistung kann sogar ein Huawei Ascend Y300 locker mithalten, das zum Vergleich nur drei Minuten weniger aushielt im Zock-Test.

Der Akku des RAZR HD ist leider nicht auswechselbar, was ich persönlich sehr störend finde. Falls es sich aufgehängt oder ins Wasser fällt und man es schnell trocknen möchte, ist ein Wechselcover sehr nützlich. Die wahre Stärke des 2.530 mAh dicken Akkus zeigt sich dafür im Alltag. Wer nur SMS schreiben will, ab und zu jemanden anruft oder in Whatsapp die neuesten Nacktbilder von seiner Freundin versendet, der schafft mit dem RAZR HD locker vom Hocker zwei Tage. Das ist teilweise auch den stromsparenden Smartactions zu verdanken, die Motorola vorinstalliert. Smartactions, so heißt die App, über die ich mehrere Regeln festlege, wie etwa, dass es anhand meines verbundenen WLANs merkt wo ich bin und dementsprechend das Handy lautlos oder in den Flugmodus versetzt. Im Prinzip sind es stinknormale Profile, aber sie helfen den Akku zu schonen.

Multimedia: Scharfe, aber hässliche Bilder

Nunja, die Kamera ist ein leidiges Thema bei Smartphones. So kann auch das RAZR HD trotz 8-MP-Kamera, in dieser Disziplin nicht wirklich überzeugen. Die Bilder sind zwar scharf, aber haben durchweg einen Rotstich. Der lässt sich zwar digital rausfiltern, aber eine solche zusätzliche Arbeit nervt so sehr wie warmes Bier im Sommer! Wie kann ein Hersteller so etwas nicht merken und so einen abartigen Kamera-Müll verbauen. Bei dunkler Umgebung bringt einen der Blitz noch mehr zum Verzweifeln. Er löst durchweg zu früh oder die Kamera zu spät aus. In jedem Falle ist das Motiv viel zu dunkel. Bei Kunstlicht-Aufnahmen in meinem Kühlschrank zeigten sich alle Probleme auf einen Streich. Ohne Blitz fotografiert, da die App dachte, dass es hell genug sei, ist das Bild nun viel zu dunkel und so rot, wie der äußere Rand eines Furunkels am Allerwertesten.. Nicht schön! Makro-Aufnahmen sind hingegen sehr schön und haben einen ansehnlichen Schärfebereich.

Auch bei der Frontkamera gibt es nicht viel zu meckern. Für ihre Zwecke reicht sie vollkommen aus und macht gute Bilder mit einer Auflösung von 1,3 Megapixel.

Leistung: CHOO, CHOO, MTHRFCKR!

Das RAZR HD gibt es in nur einer Größe und nur einer Farbe in Deutschland zu kaufen, in schwarz und mit 16 GB internem Speicher. Effektiv bleiben davon aber nur 12 übrig, welche mit einer microSD-Karte um bis zu 32 GB erweiterbar sind. Für Power sorgt der Snapdragon S4 Plus von Qualcomm mit zwei Kernen, die auf je 1,5 GHz getaktet sind. Hinzu kommen 1 GB RAM Arbeitsspeicher, die wirklich nur selten ausgelastet waren. Spiele laufen flüssig, surfen geht ohne Ruckler von der Hand, was auch an Android 4.1.2 liegen kann, das dank Project Butter wie geschmiert läuft.

Fazit: Geiles Teil, mal abgesehen von der Kamera.

Zwar hat Motorola bereits die neue RAZR-Familie für die USA vorgestellt, in Deutschland bleibt das RAZR HD vorerst noch das Flaggschiff des Herstellers. Und das auch aus gutem Grund. Die tolle Verarbeitung, die zeitgerechte Technik, das schöne Display und die recht guten Akku-Laufzeit, sind es wert, sich das Gerät genauer anzuschauen. Ich hätte es mir damals, als es neu vorgestellt wurde, beinahe als Nachfolger für mein Defy gekauft. Jedoch hätte ich dann gerne die Maxx-Version gekauft. Leider erschien diese dickere Variante des RAZR HD, mit gigantischem 3.300-mAh-Akku, nicht in Deutschland, weshalb ich mir kein neues Motorola-Handy gekauft habe. Selbst Schuld, Motorola!

Insgesamt ist das RAZR HD aber ein sehr schönes Smartphone. Lediglich die Kamera und der magere Lieferumfang lassen den Würgereiz in mir aufsteigen. USB-Kabel, Ladeadapter, billig wirkende Kopfhörer und ein micro-SIM-Karten-Slot-Schlüssel sind in dem kleinen Karton zu finden. Für einen Preis rund um 400 Euro etwas zu wenig, wie ich finde. Aber das Problem besteht bei anderen Herstellern auch.

Wer weniger als 400 Tacken ausgeben und nicht auf den Samsung-Zug aufspringen will, wo die halbe Welt schon drin sitzt, der sollte in jedem Fall mit dem RAZR HD liebäugeln.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.