Sony DSC-QX10 Testbericht: Die Schöne und das Biest

Sony DSC-QX10 Testbericht: Die Schöne und das Biest

SONY DSC

Nach unserem Kurzausflug auf die IFA hatten wir überraschenderweise ein kleines Präsent vom Sony im Gepäck, welches ich etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Die Rede ist vom externen Kameramodul Sony Cyber-Shot DSC-QX10. Kostenpunkt für den kleinen Rabauken liegt bei stolzen 200€ und kann aktuell bei Amazon vorbestellt werden. Dinge die man an sein Handy steckt waren bisher noch nie so mein Fall, aber ob mich die QX10 dennoch überzeugen konnte?

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Sony Cyber-Shot DSC-QX10

  • 18,2 Megapixel
  • Weitwinkel und Exmor R CMOS Sensor
  • NFC, Wi-Fi
  • HD Videoaufnahmen
  • 10x optischer Zoom
  • Aufladbarer Akku
  • Durch microSD erweiterbar

Der „I’m CEO, Bitch“ von Sony hat auf der IFA voller Stolz das Kameramodul angekündigt und versprochen, dass nun kein Smartphone-Nutzer mehr zweitklassige Bilder machen muss. Ein Wort und eine attraktive junge Frau trägt ein Silbertablett mit einer DSC-QX10 auf die Bühne und der sympathische Geschäftsführer präsentiert es den Horden von Journalisten. Ähnlich cool wie Steve Jobs nur ohne diesen Sektencharakter. Dennoch wirkte die  Reaktion des Publikums extrem verhalten, was die Japaner so wohl nicht erwartet hätten. Ein schwedischer Journalist zu meiner Rechten stieß nur einen gelangweilten Seufzer hervor, während er was in sein MacBook tippte, und ich versuchte die Zeit zu nutzen, um einen Blick auf die junge Tablettträgerin zu erhaschen. Der erste Gedanke war: “ Meine Fresse, sieht das kompliziert aus.“

Handling: Ihr Smartphone hat einen gutartigen Tumor im Endstadium

Das Modul sieht extrem schön aus. Hochwertig verarbeitet, angenehme Farbwahl ( schwarz ) und allgemein spürt man die hohen Qualitätsstandards, welche Sony an sich selbst stellt. Das Gewicht fällt mit 138 Gramm auch nicht weiter negativ auf. Besonders gut gefällt mir das Design. Es wirkt ein bisschen wie der Repulsor von Iron Man, oder wie ein Holoprojektor aus Star Wars. Diese Tatsache hat mir eine erfreuliche halbe Stunde bereitet, in welcher ich Tony Stark gespielt habe der die bösen Buben ( gespielt von meinen Katzen ) mit seinem Repulsor in die Luft gejagt hat.

Doch irgendwann ruft die Pflicht und ich habe die QX10 mit Ansteckvorrichtung an mein Smartphone ( LG Optimus G ) angebracht um es ausführlich zu testen. Innerhalb von einer Minute war die App „Play Memories Mobile“ ( stellt die Verbindung zwischen Linse und Smartphone her ) heruntergeladen, die Vorrichtung eingeklickt, das Modul aufgesteckt und mit dem Handy verbunden. Für mich ging das alles überraschend einfach und extrem unkompliziert, was mich wirklich erstaunt hat. Doch von meinem „Huch, das war ja einfacher als das aktuelle Call of Duty in schwer“ verfiel ich schnell in einen berserkerartigen Zustand.

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Grund war, dass ich ein Foto aufgenommen hatte und in die Galerie wechsel wollte um es anzuschauen. Hierbei musste ich die App verlassen, wobei natürlich die Wi-Fi-Verbindung zur Linse unterbrochen wurde. Beim Neustart dann das böse Erwachen. Nichts ging mehr. Verbindung konnte nicht hergestellt werden, Fluxkompensator defekt und Warpgenerator kurz vorm explodieren. Nach 20 Minuten habe ich das Optimus G vollkommen genervt neugestartet und danach ging es dann. Ich habe keine Ahnung was das Probem war, aber der Chef von Sony hat ausdrücklich versichert, dass die QX10 ohne Probleme mit jedem Android und iOS-Gerät genutzt werden kann. Als es dann endlich ging wurde es nur noch schlimmer. Die ganze App ruckelt teilweise was das Zeug hält und bis ein Foto aufgenommen und gespeichert wurde – falls es nicht wieder abgestürzt ist – können gut und gerne 15 Sekunden vergehen. Das ist alles andere als nutzerfreundlich und spaßig. Einziger Hoffnungsschimmer ist, dass die meisten Probleme dieser Art ihre Ursache in der Software haben und somit mit der Zeit vermutlich behoben werden. Was mir auch aufgefallen ist, dass es extrem nervig ist ständig die W-Lan-Kennung ( 8 stelliger Code welcher auf der Rückseite der Bedienungsanleitung steht ) einzugeben und diese nicht geändert werden kann. Zumindest beim Optimus gab es Probleme. Mit dem Nexus 4 von Philipp ging es auf Anhieb und das Gerät merkte sich auch die Verbindung. Der musste das Passwort nicht ständig eingeben. Ärgerlich.

Kommen wir zum großen Nachteil der DSC-QX10. Dem analogen Handling, zu dem ich auch nicht zu viele Worte verlieren möchte. Das Teil ist einfach viel zu groß und das Smartphone wirkt mit aufgesteckter Linse wie Quasimdo. Angenommen man geht den Kompromiss ein und montiert die Linse nur, falls sie gebraucht wird ( was einfach zu lange dauert ), wo steckt man sie in der Zwischenzeit hin? Als Frau ist ein einfaches Verstauen in der Handtasche sicherlich möglich doch falls man ein Mann ist und sich seine Hosen selber kauft, dann besitzt man keine Seitentaschen in denen die QX10 ihren Platz finden könnte. Zur aller Größten Not wäre es natürlich möglich die Linse in der normalen Hosentasche zu verstauen, doch das sieht dann ein bisschen so aus, als ob man einen künstlichen Darmausgang hat.

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Und nun der große Vorteil der DSC-QX10. Die Kamera kann entkoppelt werden und ist durch die Wi-Fi Verbindung dennoch voll einsatzfähig. Das ist Geheimagent-Style. So kann man rein theoretisch das Smartphone in der Hosentasche haben und dann mit einer extrem kompakten Kamera Fotos schießen. So sind selbst schwierige Perspektiven möglich. Die Unterwäsche eures Dates abchecken, während sie euch am Tisch gegenüber sitzt? Mit der DSC-QX10 kein Problem! Einfach die Linse abmontieren und unauffällig unter dem Tisch fotografieren. Fertig ist der Creep-Shot. Eigentlich ein ziemlich cooles Feature und auch das einzige was meines Erachtens nach wirklich für die Linse spricht.

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Für mich fällt die DSC-QX10 im Handling voll durch. Zu instabil, zu lange, zu klobig, zu kompliziert im Aufbau. Bis man da ein Familienfoto geschossen hat, ist die Hälfte der geliebten Verwandtschaft gestorben.

Fotoqualität: Kann mehr als eine Handy-Kamera und weniger als eine richtige Kamera

Ein fehlenden Blitz kann ich durchaus verschmerzen, da integrierte Beleuchtungsblitze immer furchtbar aussehen und somit kann man darauf auch verzichten. Die Fotos wirken auch wirklich nett und man spürt beim Betrachten einfach, dass da wesentlich mehr Technik zum Einsatz kommt, als bei einer üblichen Handy-Cam. Mit dem 10 fachen optischen Zoom können auch ohne weitere Schwierigkeiten weit entfernte Objekte herangeholt werden und auch nähere Aufnahmen bereiten dem Gerät keine großen Probleme. Den größten Unterschied wird der Anwender dann feststelle, wenn die Lichtsituation schwierig ist. Denn genau dort besitzt die DSC-QX10 ihre „Stärken“ im direkten Vergleich. Wo die Fotos der Handy-Kamera eher schwammig und unschön wirken, sind die der QX10 annehmbar. Doch auch hier ist alles stark vom Umgebungslicht abhängig und so können die Bilder auch durchaus miserabel aussehen.

Fazit:

Ich denke, dass jeder der die Konstruktion nicht gesehen hat, schwer einschätzen kann wie furchtbar es wirklich aussieht. Deshalb ein kleiner Vergleich: Erinnert ihr euch an die Super Soaker CPS 3000? Und während alle Kinder im Freibad mit ihrer kleinen leichten Spritzpistole Spaß hatten, gab es immer einen mit einer Super Soaker CPS 3000. Der sah aus wie der letzte Idiot und konnte nicht wirklich am Spielgeschehen teilnehmen, aber wenn er nach ewigem Pumpen dann doch mal gefeuert hat, dann gab es blaue Flecken und Kinder flogen durch die Luft. Fraglich ist ob das nun so wirklich notwendig ist. Brauche ich eine externe Kamera an meinem Smartphone und nehme dabei in kauf, dass ich aussehe wie ein Idiot und gleichzeitig völlig den Spaß am fotografieren verliere?

Als Gegenargument kann man jetzt sagen, dass sich aber die Qualität der Fotos wesentlich erhöht. Selbstverständlich erhöht sich die Qualität, aber ob das wirklich wesentlich ist? Die DSC-QX10 macht schönere Fotos als die normale Handy-Kamera, aber dennoch keine wirklich schönen Fotos. Doch muss ich auch zugeben, dass ich die Aufregung und das Interesse an Smartphone-Kameras nie verstanden habe. Für den täglichen Gebrauch reicht die interne Kamera und jeder mit größeren Ambition im Foto-Bereich greift zu einer DSLR ( Welche ab ca. 300 € verfügbar sind ). Um hier gleich das Argument “ Aber dann schleppe ich ja zwei Geräte mit mir rum“ zu entkräften: Das Leben ist nun einmal nicht hybrid und wer gute Fotos will der muss eben zu einer eigenständigen Kamera greifen. Ende der Diskussion. Unfair? Mir doch egal! Das hier ist mein Beitrag und da mache ich was ich will.

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Marcel

Der Reißverschluss, das Internet und Ketchup waren meine Ideen. Bist du cool, dann folgst du mir bei Twitter.