Samsung Gear VR im Test: Eine teure aber tolle Erfahrung

Samsung Gear VR im Test: Eine teure aber tolle Erfahrung

Neues Gerät, neue Verspätung. Ich habe die Gear VR seit nun gut zwei Wochen bei mir rumliegen und konnte mich zwischenzeitlich tatsächlich nicht so viel damit befassen da ich als Mensch nicht immer Zeit oder Lust darauf hatte. Wenn ich aber mal dazu kam war es super geil, heute muss die Brille aber schon zurück.

Einleitend möchte ich die Brille kurz erklären: Samsung hat kurz vor der IFA 2014 das Galaxy Note 4 vorgestellt, neben dem Galaxy Note Edge gab es dann auch die Gear VR zu sehen. Wie die Abkürzung „VR“ schon vermuten lässt, hat diese Brille von Samsung eher nichts mit dem Glass Projekt von Google zu tun. Die Gear VR ergänzt nämlich nicht das reale Bild um ein paar Informationen, sondern versetzt den Träger in ein komplett anderes Szenario – frei nach Wahl.

Was steckt drin?

In der Gear VR selbst steckt nur sehr wenig drin. Auf der Innenseite, also auf euer Gesicht gerichtet, ist ein Näherungssensor der den Bildschirm des eingesteckten Note 4 ausschaltet sobald ihr die Brille absetzt. Als nächstes gibt es einen Bewegungssensor der den im Note 4 unterstützt. Der ein oder andere wird das Phänomen von der Google Cardboard kennen: Man spielt bzw. benutzt sie eine Minute und schon stimmt das nun dargestellte Sichtfeld nicht mehr mit dem eigentlich überein – es hat sich also alles ein wenig verschoben. Bei der Gear VR passiert sowas nur minimal und selbst das auch nur wenn man schon eine halbe Stunde am Stück gespielt hat.

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Ansonsten gibt es rechts noch drei Steuereinheiten: Ein Touchpad um sich durch das Menü, die Spiele oder sonstiges zu bewegen. Der „Zurück“ Knopf der euch – ach wer hätte es gedacht – auf den vorherigen Bildschirm zurückbringt (solange das jeweilige Spiel den Knopf nicht anders nutzt) und bei langen Drücken euch in eine Art „Einstellungen“ Menü der Gear VR bringt. Zu guter Letzt dann noch eine lauter/leiser Wippe.

Einrichten

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Die Einrichtung geht ganz einfach: Galaxy Note 4 an den USB-Anschluss der Gear VR anschließen, kurz arbeiten lassen, Gerät wieder abnehmen und den Instruktionen auf dem Bildschirm folgen. Sobald ihr das alles erledigt habt könnt ihr das Note 4 wieder einlegen und das erste Tutorial durchlaufen.

Der Gear VR Innovator Edition liegt noch eine 16 GB MicroSD-Karte bei, damit sollte vorerst genug Platz geboten sein um genug Unterhaltung darauf zu parken. Die Größe der einzelnen Applikationen pendelt zwischen 30 und mehreren hundert MB. Content kann man entweder über die Gear VR selbst, oder über die parallel installierte App auf dem Note 4 runterladen und installieren.

Content

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Damn, hier ist noch ein riesiges Problem. Auf den ersten Blick, den ich euch auch in dem Video oben zeige, bietet Samsung zusammen mit Oculus und anderen Entwicklern zwar ein schönes Portfolio an spielen an, bedenkt man aber, dass die Investition gut 900 Euro für Gear VR + Note 4 + Gamepad kostet, ist es noch sehr mau. Ich hatte die Gear VR ursprünglich für zwei Wochen von Samsung geliehen bekommen, durch ein wenig Lernstress hatte ich aber zwischenzeitlich nicht so viel Zeit dafür und habe schon nach kürzester Zeit quasi vergessen, dass ich das Ding hier hatte. Und das obwohl ich zu Anfang sehr geflasht war von dem Ding.

Dazu muss man dann aber noch sagen, dass der Content den man geboten bekommt, wirklich top ist. Alle Apps und Spiele sind kostenfrei und bieten auch nicht so einen Schmu wie pay-to-win oder ähnliches. Das Problem: Manche Spiele sind als „Demo“ deklariert und hören nach einem relativ kurzem Spielespaß schon wieder auf. Natürlich denkt man jetzt, dass man sich einfach das Spiel für eine müde Mark kaufen könnte – aber wo? Kein „jetzt kaufen“ Banner, kein „kostenfreie Apps“ Filter den man ausschließen könnte. Nichts.

Spielspaß

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Auch ohne Apps kann man schon seinen Spaß haben.

Fuck yeah, hier geht’s ab! Beim ersten Aufsetzen hat man alleine im Tutorial schon ein „Wow“-Gefühl. Die Schaltflächen haben eine gefühlte räumliche Nähe zu dem eigenen Standort und man könnte glatt glauben, dass man da einfach hinlaufen könnte. Besonders atmosphärisch wird es dann bei Horrorspielen. Ihr lauft durch dunkle Gänge und über eure Kopfhörer hört ihr in der Ferne Geräusche von unbekannter Herkunft. Ein Monster? Eine quietschende Tür? Das muss man selbst herausfinden.

Irgendwann setzt dann eine Art Verfolgungswahn ein und ihr schaut auch mal nach hinten – da das mit der Kopfbewegung verbunden ist hat man hier ein unglaublich realistisches Gefühl. Bei RPGs steht „man“ (als quasi die unabhängige „Person“ dessen Blickfeld man hat) dann auf einem entfernten Podest und kann von dort aus mit dem Gamepad den Helden steuern der sich durch die Level kämpft. Das komplette Erlebnis ist wirklich unglaublich genial.

Aber…

Wie ihr seht fehlt oben in der „Spaß“ Ecke ein wichtiger Punkt: Videos. Samsung bringt durch ein paar Apps Videotouren von riesigen Landschaften auf die Brille. Eines von vielen Szenarien ist das unglaublich geile und naturbelassene Neuseeland welches für viele ein Reiseziel darstellen sollte. Mit einem Helikopter fliegt ihr über Berge, Täler, Flüsse und je nach Videodatei auch über Wüsten und vorbei an Tieren.

Das Problem an all den Szenarien: Die Auflösung. Faktisch wird der QHD (2.560 x 1.440 Pixel) Bildschirm des Galaxy Note 4 in zwei teile aufgeteilt, jeweils 1.280 x 720 Pixel. Diese beiden einzelnen Bilder werden durch die Aufteilung des eigenen Blickfeldes durch zwei Linsen so aufgenommen, dass das Gehirn aus diesen Informationen ein einziges, dreidimensionales Bild/Video schafft. Und eigentlich reichen 720p pro Auge auch, leider kommt der Content in einer geringeren Auflösung.

Gefühlt bewegt man sich hier leider im 360p Bereich. Natürlich ist es für Samsung unglaublich schwer ein wirklich ausreichendes Bild aufzunehmen, schließlich brauch man mehrere Kameras die laufend eine dreidimensionale 360 Grad Aufnahme in 720p mit 30 fps aufnimmt – das würde im Endeffekt wahrscheinlich mit mehreren GB pro 10 Sekunden auf das Speichermedium schlagen. Ich möchte es aber noch mal betonen: Das „Problem“ liegt an dem Content, nicht an der Brille oder am Smartphone. Apps haben in der Regel eine gute Auflösung.

Fazit

Grundsätzlich kann ich bei einem Einkaufspreis von gut 900 Euro von der Kombination aus Galaxy Note 4, Gear VR und Gamepad abraten. Es gibt bisher einfach nicht genügend Content welcher dem Besitzer eine Langzeitmotivation bieten kann. Mal am Abend 1-2 Stunden spielen macht 1-2 Wochen Spaß, danach hat man das meiste dann durch und MANN muss wieder warten bis es eine neue App gibt.

Wer aber schon ein Galaxy Note 4 besitzt, und zufällig auch ein Fan von Spielen und Virtual Reality ist, sollte sich den Kauf wagen. Für 200 Euro bekommt man hier ein Stück Zukunft und ganz viele Stunden Spielspaß. Man sollte bei dem Gerät aber noch die Gunst haben um den ein oder anderen Fehler zu übersehen. Die Gear VR ist zwar gut, aber noch ein wenig von einem wirklich fertigem Produkt entfernt.

Die Gear VR könnt ihr hier kaufen.

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Dustin

Star-Blogger, Multimillionär, Samsung Fanboy und beliebt - zumindest am Gegenteiltag. An den normalen Tagen lasse ich mich dann auf die Jungs von TechNews und AllAboutSamsung ein - ein Wandel zwischen Himmel und Hölle.