Phicomm Energy M+ im Test: Standhaftes China-Phone mit Macken

Phicomm Energy M+ im Test: Standhaftes China-Phone mit Macken

Aus China kommt bekanntlich viel Plastik-Scheiß: Billig-Drohnen, die nach dem erste Flug auseinander fallen, Smartphone-Hüllen bei denen man die krebserregenden Inhaltsstoffe bereits nach dem Auspacken riechen kann oder Smartphones, die aussehen wie ein iPhone 6 und unter der Haube einen MediaTek-Prozessor und Android versteckt sind. Aber es gibt auch Ausnahmen, speziell bei den Smartphones. Hier sind dies Hersteller wie Huawei, ZTE, Oppo und OnePlus, die mit ihren Produkten zu überzeugen wissen – und das nicht nur auf dem Chinesischen Markt.

In diese Liste der vertrauenswürdigen China-Smartphone-Hersteller will nun auch Phicomm aufgenommen werden, die sich mit langsamen Schritten dem europäischen Markt nähern. Mit dem Energy M brachten sie schon im letzten Jahr ein Einsteiger-Smartphone für knapp 100 Euro auf den Markt. Dessen Nachfolger, das Phicomm Energy M+, liegt nun seit ein paar Wochen in meiner Hosentasche rum. Daher werde ich mal ein erstes Fazit ziehen, ob Phicomm ein paar dicke Eier in der Hose stecken hat.

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 Technische Daten: Phicomm Energy M+ (E551)

  • Maße: 133 x 66 x 8,8 mm und 124,3 Gramm schwer
  • Display: 4,5 Zoll qHD (960×540 Pixel) mit Corning Gorilla Glass 3
  • Prozessor: Qualcomm MSM8915 Snapdragon 410 Quadcore CPU (1,2 GHz)
  • Arbeitsspeicher: 900 MB RAM
  • Interner Speicher: 8 GB ROM (erweiterbar mit microSD)
  • Kameras: Rückseite: 5 Megapixel Sensor mit AF Front: 2 Megapixel Sensor
  • Akku: 1.750 mAh
  • Betriebssystem: Android 4.4.4 KitKat
  • Konnektivität: Bluetooth 4.0, 3G, LTE (800/1600/2600), Wi-Fi 802.11 b/g/n, A-GPS, GLONASS, Dual-microSIM, MicroUSB 2.0, 3,5mm Klinkenanschluss,
  • Preis: ab 129 Euro ohne Vertrag im freien Handel (UVP 189)
  • Farben: Schwarz

Lieferumfang: Was man eben erwartet

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Phicomm liefert eine kleinen Karton, der wenig spektakulär ist. Auf der Rückseite stehen nebulös ein paar Schlagworte und innen finden sich die üblichen Verdächtigen: Ladekabel, USB-Adapter und ein Headset. Letzteres haut mich jetzt nicht vom Hocker, aber sie sind auch nicht komplett für die Tonne. Der Sound kommt klar, aber Bass ist keiner am Start – zum Telefonieren reicht es also.

Handling: Fettfingerfänger

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Bei der ersten Befingerung flutschte mir das Phicomm Energy M+ beinahe wieder aus der Hand. Die Rückseite ist wirklich kein Highlight, da sie nicht nur sehr glatt ist, sondern auch matschige Fingerabdrücke sammelt. Das Ding sieht hinten einfach total vermatscht aus, eine Hülle würde da gut Abhilfe schaffen. Nur leider ist das Angebot ein wenig überschaubar, da es im Grunde nirgends Zubehör dafür gibt. Auf Amazon findet sich zwar das eine und andere Etui, doch eine richtige Schale zum Schutz gibt es nicht.

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Gut ist aber, dass die Rückseite abnehmbar ist, um darunter einerseits den Akku auszutauschen und um beide microSIM-Karten einzuschieben. An der Oberseite des Gerätes sitzen zudem Klinkenbuchse und Ladebuchse, sodass die gesamte linke und untere Seite leer und glatt sind. Lediglich auf der rechten Seite befinden sich noch Lautstärke-Tasten und der Powerbutton. Leider liegen die drei Taste sehr nahe bei einander, sodass mein Finger sich gerne mal bei der Taste irrt. Das liegt hauptsächlich an der flachen Bauweise, da die Tasten nicht wirklich aus dem Gehäuse hervorstechen. Drücke ich dann zufällig mal den Powerbutton, gibt es leider eine geringe Verzögerung bis das Display anspringt. Das ist ein wenig nervig.

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Grundsätzlich liegt das Phicomm Energy M+ gut in der Hand und hat eigentlich die perfekte Größe für ein Smartphone. Auch die relativ geringe Auflösung mit 960×540 Pixel (qHD) fällt nicht negativ auf, da das Display eben nur 4,5 Zoll in der Diagonalen misst. Alles wirkt gut scharf, die Helligkeit ist ebenfalls gut und bei mehr ppi würden wohl nur Retina-Fetischisten einen Ständer kriegen. Für normale Menschen mit normalen Augen reicht die Auflösung locker.

Multimedia: Kamerafail

Phicomm verpasst dem Energy M+ Stock-Android in der Version 4.4.4. Ob es ein Update auf Lollipop 5.0 geben wird, ist allerdings nicht klar, wäre aber sicherlich ein überragendes Kaufargument. Um Updates auszurollen bietet Phicomm eine eigene Update-App, über die bisher schon zwei Updates einrollten, die diverse Kleinigkeiten ausbesserten. Mal waren es Bugfixes und ein anderes Mal ein paar Kameraverbesserungen.

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Allerdings haben auch die nicht viel an der 5 MP Kamera auf Rückseite verbessern können. Die Bilder sehen einfach viel zu matschig aus und sind fast immer sehr unscharf. Für WhatsApp würde das wohl noch reichen, da dort die Bilder sowieso stark komprimiert werden, aber für findige Foto-Fetischisten ist das einfach zu wenig.

Die Frontkamera ist zwar auch kein leuchtendes Beispiel für ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Sensor und Software, doch für Selfies und Videotelefonie reicht diese gut aus. Die Bilder sehen sogar fast annehmbarer aus als die der Rückkamera – zumindest was Bildrauschen angeht.

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Ansonsten hat das Phicomm Energy M+ nicht viele Features mit dabei, bis auf LTE und die zwei SIM-Steckplätze. Diese konnte ich allerdings nicht testen, da mir eine zweite SIM fehlt und ich kein LTE in meinem Tarif habe, doch mit nur einer SIM und mit UMTS funktioniert das Smartphone ebenfalls wunderbar. Der Empfang ist recht brauchbar, teilweise sogar besser als bei meinem OnePlus One, was man auch am SAR-Wert ablesen kann, der bei 0,714 W/kg liegt und sich damit nur knapp vor dem Moto G platziert.

Anfangs dachte ich noch, dass Phicomm mich verarschen will, weil keine Benachrichtigungs-LED verbaut ist. Doch dann merkte ich wie der Homebutton zart blinkt, wenn eine Nachricht reinkommt. Ist mal was anderes und man sieht es sogar besser als eine bunte LED.

Leistung: Endlich mal kein MediaTek

Phicomm setzt bei dem Energy M+ nicht auf einen MediaTek-Prozessor, was bei chinesische Herstellern sonst gerne mal an der Tagesordnung steht. So arbeitet ein Snapdragon 410 Quadcore der mit 1,2 GHz taktet unter der Plastikhaube und sorgt für ein überraschend flüssiges Bedienvergnügen. Allerdings nur so lange bis ein paar grafiklastigere Anwendungen gestartet werden, da kommt selbst ein Snapdragon an seine Grenzen. Und leider ist die Kamera-App auch nicht gerade die Schnellste. Sie startet zwar ganz normal, doch Fokussierung und Auslösezeit sind hart grenzwertig. Dennoch sorgt die CPU im Alltag nur für sehr wenig Herzschmerz und schont den Akku maximal.

Ausdauer: Besorgts dir lange

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Liegt das Energy M+ nur in der Gegend herum, so verbraucht es sehr wenig Strom. Im Test gingen etwa 10% verloren, als das Ding für 2 Tage nur rumlag. Rechnet man die Zahl hoch, hat es eine Stand-By-Ausdauer von locker 20 Tagen – in der Theorie zumindest. Und auch bei normaler Nutzung zeigt sich das Phicomm Energy M+ sehr sparsam und zehrt nur gering an dem 1750 mAh großen Akku. Ein Tag ist in jedem Falle immer drin, es sei dann man will damit 10 Stunden am Stück Candy Crush zocken.

Heißt es dann irgendwann „Ab an die Steckdose“, muss man jedoch etwas Zeit mitbringen, denn der Adapter gibt nicht gerade viel raus (1 A). So im Durchschnitt 2-3 Stunden muss man warten, mit einem anderen Adapter ging das auch schon unter 2 Stunden.

Fazit: Auf dem richtigen Weg

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Für mich liegt das Phicomm Energy M+ irgendwo zwischen Motorola Moto G und Motorola Moto E. Nicht so cool wie das G, dafür etwas cooler als das E. Wäre die Rückseite des Energy M+ nicht so fürchterbar flutschig und wäre die Kamera nicht so komplett beschissen, wäre es ein verdammt cooles Gerät. Aber auch Motorola machte bei dem ersten Moto G den Fehler die Kamera zu vernachlässigen. Würde nun Phicomm dieses Malheur in der nächsten Version ausmerzen, müssten sich die anderen Hersteller wohl eine zusätzliche Decke über die Schultern werfen.

Offiziell verkauft Phicomm das Energy M+ über die beiden Händler EP und MediMax. Dennoch vertickt Phicomm das Energy M+ auf Amazon selbst und das sogar noch 20 Euro günstiger als bei den anderen Händlern. Mysteriös.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.