Motorola RAZR i im Test: Edles Design, gute Ausdauer – aber auch einige Macken

Motorola RAZR i im Test: Edles Design, gute Ausdauer – aber auch einige Macken

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Smartphones, die mit einem Intel-Prozessor bestückt sind, kann man an zwei Händen abzählen. Eines dieser seltenen Exemplare aus der mysteriösen Intel-Welt, heißt Motorola RAZR i. Es hatte das Vergnügen für mehrere Wochen in meiner Hosentasche zu wohnen. Welche Überraschungen bei der genaueren Betrachtung und Handhabung des RAZR i herauskamen, verrate ich euch in den folgenden 1200 Wörtern.

Technische Details – Motorola RAZR i:

  • 60,9 x 122,5 x 8,3 mm groß und 126 Gramm schwer
  • 4,3-Zoll-Super-AMOLED-Advanced-Display mit 540 x 960 Pixel (qHD)
  • 2 GHz Single-Core-CPU Intel Atom Z2480 Medfield
  • 1 GB RAM Arbeitsspeicher
  • 8 GB interner Speicher (effektiv 4,9 GB) – erweiterbar mit MicroSD-Karte
  • 3,5-mm-Audioanschluss, Bluetooth 2.1, Wi-Fi: 802.11 a,b,g,n, A-GPS, USB 2.0
  • 8-Megapixel-Kamera (Rückseite) und 0,3-Megapixel-Frontkamera
  • Akku: 2.000 mAh (nicht austauschbar)
  • Android 4.1 (Als Update verfügbar)
  • Kevlar und Gorilla Glass

Erster Eindruck: Schickes Handy versteckt sich zwischen Plastik-Müll

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Die Verpackung des RAZR i wirkt auf den ersten Blick etwas unkreativ und langweilig. Normale Pappe und ein paar Standard-Grafiken erwecken in mir das Gefühl, dass sich hier jemand keine Mühe gegeben hat. Aber nichtsdestotrotz überwinde ich mich dazu zum Inneren vorzudringen. Ich öffne also die Box der Pandora und bin leicht überrascht, als mir ein kleines, hübsches, schwarzes Gerät entgegen blickt. Ich hole es heraus und alles was noch so drin steckt. Motorola spendiert dem RAZR i leider kein üppiges Zubehör für den harten Alltag.

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So befinden sich lediglich billig wirkende Kopfhörer, ein SIM-Slot-Schlüssel und ein Ladekabel mit passendem Adapter im Lieferumfang. Das hat ein so schickes Smartphones nicht verdient. Ein besseres Headset und irgendwelche coolen Merchandise-Artikel hätte ich mir gewünscht. Sogar Apple ist so spendabel und steckt kleine Aufkleber in die Verpackung seiner iGeräte. Warum machen das die anderen Herstellern nicht?! Es sind schließlich die kleinen Dinge, die das Leben bereichern.

Handling: Klein, schmal und mit Doppelkinn

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Für den ersten Feldversuch nehme ich das RAZR i in meine ungeschickten Hände und stelle fest, dass es sich wirklich sehr angenehm in die Handfläche schmiegt. Mein Daumen kommt ohne Probleme in jede Ecke des 4,3 Zoll großen Displays (Ist in meinen Augen die perfekte Größe für ein Smartphone!). Das gefällt nicht nur dem Finger, sondern auch den Augen, denn das Display nimmt nahezu die gesamte Oberfläche des Gerätes ein. Motorola nennt es Edge-to-Edge-Display, was nicht ganz stimmt, da noch ein Rand vorhanden ist. Aber im Vergleich mit anderen Smartphones ist es der dünnste Rand, den ich kenne.

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Optisch stört mich etwas am Design und zwar der leere Klotz unterhalb am Display. Da steckt zwar das Mikrofon drin, aber es sieht aus, als hätte es ein Doppelkinn. Und niemand mag Doppelkinns – weder bei sich selbst, noch bei anderen Menschen. Abgesehen davon hat man dennoch das Gefühl, ein sehr wertiges Smartphone vor sich zu haben. Dafür sorgt nicht nur das verbaute Kevlar auf der Rückseite, sondern die allgemein sehr gute Verarbeitung. Die Knöpfe an der Seite haben einen guten Druckpunkt und fühlen sich so an, als hätte Motorola wirklich Geld dafür ausgegeben. Sehr edel ist auch der extra Kamera-Knopf, der die Kamera (Aufgepasst!) in nur einer Sekunde (1s!) startet. Dazu aber später mehr.

Ausdauer: Mehr Standhaftigkeit als Ron Jeremy

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Zwar bricht das RAZR i keine Rekorde, was die Akku-Laufzeit betrifft, aber dennoch wusste es mich erneut zu überraschen. Nach ganzen 10 Stunden Dauersurfen war der Akku erst leer. Niemand surft so lange im Internet! Aus diesem Grund ist es viel interessanter, wie lange die 2.000 mAh den Alltag überstehen. Da ich zudem gerne teste, was die Hersteller an Software mitliefern, habe ich den intelligenten Energiesparmodus dauerhaft aktiviert. Und tatsächlich, es scheint zu funktionieren. Nach knapp zwei Tagen ist der Akku leer, trotz dauerhafter Internet-Nutzung, Whatsapp, Facebook, Mails checken. Lediglich das tägliche Zocken musste ich mir verkneifen. Kurz gesagt: Ron Jeremy hat viel Ausdauer in seiner Hose und ich habe das RAZR i. Das hat deutlich mehr Ausdauer als jeder Pron-Darsteller! In your face!

Multimedia: Blitzstart und zehn Bilder pro Sekunde knipsen

Dank des x86-Chips lässt sich die Kamera-App in Windeseile starten. Zwar dauert es ein bisschen, bis der Auslöser dann auch wirklich ein Bild knipst, aber schneller als die Konkurrenz ist es allemal. Und nicht nur ein Bild macht die Kamera, sondern bis zu 10 Bilder sind pro Sekunde möglich. Einfach auf dem Auslöser bleiben und das RAZR i ballert los wie ein schießwütiger Cowboy. Manchmal verleitet mich diese Funktion auch dazu einfach nur so Bilder zu machen, weil das Geräusch so toll ist – scheiß auf die Bilder. Aber so schlecht sind die Bilder der 8-Megapixel-Kamera dann auch wieder nicht. Zwar versagt der Blitz in seinem Aufgabengebiet (Bei Dunkelheit Fotos machen), dafür macht sie bei guten Lichtverhältnissen ganz gute Bilder. Schärfe ist vorhanden, aber Bildrauschen ist ein leidiges Problem des RAZR i. Die Frontkamera ist kompletter Schrott. Alles ist unscharf und die Pixel sind so groß, dass man damit Minecraft spielen könnte. Schaut euch am besten die Fotos an und macht euch euer eigenes Bild.

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Die Android-Version (4.1), die auf dem RAZR i läuft, wurde speziell auf das Handy angepasst. Darauf finden sich auch ein paar Motorola-Features wie etwa Smart Actions. Das ist eine Art Assistent, der tut, was man ihm befiehlt, wie etwa den Ton abschalten, wenn ein Meeting im Kalender steht. Praktisch, aber ich habe mein Handy sowieso immer auf lautlos. Des Weiteren stehen sogenannte Schnelleinstellungen zur Verfügung, die sich bei den Home-Screens versteckt halten. Ein Swipe nach Links und schon ist man drin. Darüber lassen sich ganz flott WLAN, Mobilfunkdaten, GPS oder Flugmodus an- und ausschalten.

Leistung: Flüssige Bedienung aber Probleme mit einigen Apps

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Der Intel-Prozessor arbeitet im Gegensatz zu allen gängigen Smartphone-Prozessoren nicht mit der ARM-Architektur (Advanced RISC (Reduced Instruction Set Computer) Machines), sondern mit X86. Der große Unterschied zwischen beiden Technologien besteht (reduziert gesagt) darin, dass X86-Prozessoren Befehle schneller ausführen können, dafür aber wesentlich mehr Energie brauchen als Prozessoren, die auf die ARM-Technologie setzen. Aus diesem Grund reicht dem RAZR i wohl auch ein Single-Core-Prozessor, um alle Aufgaben zu erledigen. Zwei Kerne würden mit Sicherheit ein mit Uran betriebenes Atomkraftwerk benötigen.

Bei der Benutzung fielen mir insgesamt kaum Ruckler auf. Mit dem Update auf 4.1 wurde zudem die Performance etwas verbessert, so dass es beim Wischen zwischen den Homescreens keine Lags mehr gibt. Lediglich mit 3D-Games hat das RAZR i zu kämpfen. Oder Apps funktionieren überhaupt nicht, wie etwa Candy Crush. Es lässt sich im App-Store herunterladen, sollte also funktionieren, aber beim Starten beendet sich diese sofort wieder. Für viele von euch dürfte das jetzt kein Weltuntergang sein, wenn eine Game-App mit Suchtcharakter nicht funktioniert, aber mich stört es. Was soll ich sonst zocken, wenn ich aufm Pott sitze? Frechheit! Wenn ich mir ein Android-Handy kaufe, möchte ich auch jede Android-App benutzen können. Flash ist ebenfalls inkompatibel mit dem kleinen Intel-Handy.

Fazit: Hübsch anzusehen und kann telefonieren

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das RAZR i ein wirklich hübsches Handy ist. Ich hätte mir gewünscht, dass es, wie das RAZR M in Amerika, mit einem anderen Prozessor ausgeliefert wird. Die Angst, dass jede coole App nicht auf dem RAZR i laufen könnte, packte mich nach ein paar Tagen. Dann hielt ich es nicht mehr aus und musste zu meinem alten Handy wechseln, wo ich sicher war, dass alles so läuft, wie ich es gerne habe.

Wer jedoch ein Handy sucht, das edel wirkt, handlich ist und telefonieren kann, der ist mit dem RAZR i sicherlich gut bedient. Die Akku-Laufzeit des Kraftzwerges ist super. Bei der Kamera müsst ihr leichte Abstriche machen und der Prozessor und die abgeänderte Android-Oberfläche, unterstützen nicht jede App, was kein großes Ding ist, aber es nervt.

Aktuell liegt der Preis bei über 280 Euro auf Amazon. Wer Glück hat, der kann bei Sparhandy einen Bock schießen. Die hauen das RAZR i gerne und oft für 89 Euro raus – inklusive Schubladenvertrag. Für das Geld lohnt sich das RAZR i in jedem Fall. Zum derzeitigen Preis halte ich es für etwas überteuert. Wer ein paar Euros weniger ausgeben möchte und auf bessere Technik steht, der sollte das Nexus 4 (16 GB) in Googles Play Store anschauen. Das kostet nur 249 Euro. (Solange der Vorrat reicht)

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.