Motorola Moto X im Test: Smartphone-Wundertüte mit innovativem Inhalt

Motorola Moto X im Test: Smartphone-Wundertüte mit innovativem Inhalt

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Die erste Brut aus der Liebschaft zwischen Google und Motorola heißt Moto X. Bislang war es nur den Amerikanern vorbehalten, das eigene Moto X im Moto Maker herzustellen. Seit nun einem Monat haben wir in Europa immerhin die Auswahl zwischen zwei Modellen des Moto X: Schwarz und Weiß. Glücklicherweise soll der Moto Maker noch in diesem Jahr nach Europa kommen. Dann kann bald jeder ein eigenes, buntes Moto X zusammenstellen. Allerdings wäre es von Vorteil, wenn man vorher weiß, ob das Teil überhaupt was taugt. Aus diesem Grund haben wir für euch alle Hebel in Gang gesetzt und ein Moto X in Weiß besorgt. Ob das 349 Euro teure Gerät was taugt, erfahrt ihr ein paar Scrolls weiter unten.

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Technische Daten des Motorola Moto X:

  • Maße: 129,4 x 65,3 x 5,7-10,4 mm und 130 Gramm schwer
  • Display: 4,7 Zoll AMOLED mit 1.280 x 720 Pixel (316 ppi)
  • CPU: Motorola X8 Mobile Computing System (Snapdragon S4 Dualcore + Quadcore Adreno 320 GPU + zwei Singlecore-CPUs (Für kontextuelles Computing und natürliche Sprache)
  • Akku: 2.200 mAh Kapazität
  • Betriebssystem: Android 4.4.2
  • Arbeitsspeicher: 2 GB RAM
  • Interner Speicher: 16 oder 32 GB (NICHT erweiterbar)
  • Kameras: 10,5 Megapixel Clearpixel (RGBC) mit LED-Blitz und 2,1-MP-FullHD-Frontkamera
  • Konnektivität: WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0+E EDR, A-GPS, HSPA+, LTE (800/1800/2600), nanoSIM
  • Sonstiges: 50 GB kostenloser Google-Drive-Speicher für 2 Jahre

Handling: Wellness für die Hände

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Von außen betrachtet könnte man meinen, das Moto G liege vor einem. Die beiden Geräte sehen nicht nur gleich aus, sondern haben, bis auf einige Millimeter, die gleichen Maße. Das Moto X lässt sich lediglich durch das Muster auf der Rückseite unterscheiden. Bei näherem Betrachten fällt zudem das 0,2 Zoll größere Display auf (bei der schwarzen Variante nicht so sehr, da kaum Kontrast zwischen Display und Rahmen vorhanden ist). Wie schon bei dem Moto G festzustellen war, ist die Verarbeitung top und das Gerät liegt sehr, sehr, sehr, sehr gut in der Hand. Die kleine Einkerbung auf der Rückseite passt perfekt auf die Spitze meines Zeigefingers, weshalb ich stets das Gefühl habe, dass mir das Moto X nicht aus der Hand rutschen könnte.

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Die Rückseite des Moto X lässt sich nicht abnehmen und seitlich ist Platz für einen nanoSIM-Slot, der sich mit Hilfe des mitgelieferten SIM-Slot-Stechers einfach rausnehmen lässt. Ganz unten sitzt der microUSB-Port und auf der Oberseite kommt ein 3,5mm-Klinken-Stecker rein. Auf der rechten Seiten haben wir Laut-/Leiser-/ und Power-Tasten in handlicher Höhe.

Insgesamt misst das Display des Moto X 4,7 Zoll in der Diagonalen und behält dennoch die Außenmaße des Moto G bei. Man hat im Endeffekt mehr Display pro Zentimeter. Zudem gibt es keine abstehenden Ränder an der Seite, so dass Display und Gehäuse miteinander verschmelzen. Das Display bietet trotz der HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixelraster) satte 316 Pixel per Inch. Damit liegt es sehr nahe bei den Werten des iPhone 5S, das 326 ppi aufweist. Meiner Meinung nach reicht die Auflösung vollkommen. Was mich jedoch an dem Display stört: Die dargestellten Farben wirken leicht verfälscht. Der Rot-Ton ballert richtig rein und die anderen Farben wirken im Vergleich doch leicht blass.

Motorola schmückt das Moto X, genau wie das Moto G, mit der neuesten Android-Version 4.4.2 (a.k.a. KitKat) aus. Das Betriebssystem läuft sehr flüssig und weist keine Ruckler auf, obwohl „nur“ ein Dualcore-Prozessor verbaut ist. Da sieht man einmal mehr, dass nicht die Anzahl der Kerne ausschlaggebend ist, wie viele vielleicht glauben. Motorola packt kaum Bloatware drauf und so hat man im Grunde Vanilla Android, mit ein paar netten Zusatz-Apps. Dazu später mehr.

Ausdauer: Versprechen eingehalten

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Motorola verspricht dem Kunden, das Moto X werde unter Normalauslastung locker über den Tag kommen. Darunter kann man nun verstehen was man will. Seien es 24 Stunden Dauerzocken oder eben morgens ausstecken und abends keine Angst haben, dass man dringend an die Buchse hüpfen muss. Unter normal versteht sowieso jeder Mensch etwas anderes. Dennoch muss ich zugeben, dass mich das Moto X nicht enttäuschte und abends immer um die 30 % in Reserve hatte.  Es sei denn ein paar Zockerstündchen und Sprach-Vorführungen standen auf der Tagesordnung. Vergleiche ich die Ausdauer mit der des Moto G, so stinkt das Moto X leicht ab. Wenn das Moto X einen Tag übersteht, kann ich mit dem Moto G locker zwei Tage rausholen.

Damit dem Moto X nicht zu früh der Saft ausgeht, gibt es noch einige Zusatz-Apps von Motorola mit in die Tasche gelegt. Das ist zum einen die Assist-App, die wie ein Profile-Manager funktioniert und je nachdem was man wo macht, WLAN oder Sonstiges deaktiviert. Zum anderen gibt es die Akku-Schonfunktion, die unter der Rubrik „Akku“ zu finden ist. Des Weiteren lässt sich der Battery Guru für Snapdragon-CPUs installieren, der ebenfalls hilft die Funktionen des Moto X sinnvoller zu nutzen. Wem das nicht reicht, der kann noch sein Benachrichtigungs-Feature abschalten. Denn das Moto X besitzt keine LED, die bei Nachrichten blinkt, sondern das Display leuchtet dezent auf und gibt Meldung.

Multimedia: Talk dirty to me, bitch Google Now

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Als einziger Kritikpunkt des Moto G erwies sich die Kamera. Und so war meine Befürchtung groß, das Moto X könnte ebenfalls mit einer Kamera ausgestattet sein, die nur ausreichende Bilder knipst. Dankenswerterweise steckten die Motorolaner ein anderes Kamera-Modul in die Rückseite – um genau zu sein einen 10,5 Megapixel-Sensor mit ClearPixel-Technologie. Wenn euch interessiert, was das genau ist, könnt ihr dies bei androidauthority.com nachlesen – sonst würde der Artikel hier zu lange werden. Kurz gesagt: Die Kamera nimmt auch bei schlechterer Belichtung Bilder heller auf als normale Sensoren mit RGBG-Filtern. Das klappt in der Praxis ganz gut, leider auf Kosten der Bildqualität. Je dunkler das Bild, desto mehr Bildrauschen taucht auf. Immerhin erkennt man etwas, wo andere Kameras vermutlich versagen würden – ohne Blitz.

Bei Tageslicht macht die Kamera sehr schöne und scharfe Bilder. Der Sensor passt sich sackschnell an die Belichtung an und der Auto-Fokus ist recht fix, trotz dessen, dass er nur umständlich mit dem Finger manuell bedienbar ist. Leider macht Filmen mit der Kamera überhaupt keinen Spaß, da Rolling Shutter sehr stark zu sehen ist. Das Problem haben zwar fast alle CMOS-Sensoren, allerdings empfinde ich den Rolling Shutter des Moto X als unzumutbar. Cool wiederum finde ich die Schüttel-das-Moto-X-und-die-Kamera-startet-sofort-Option. Wenn ihr euer Moto X mit dem Handgelenk zweimal hin und her schüttelt, startet sich die Kamera-App. In der Praxis hatte ich das Feature aber nie benutzt, dennoch funktioniert es!

Die wohl spannendste App, die Motorola vorinstalliert, ist die Spotlight-Stories-App. Dahinter versteckt sich ein innovatives Film-Erlebnis aus der Feder von Dudes mit Oscar in der Vitrine. Ihr bewegt euch mit dem Moto X im virtuellen Raum und könnt durch Bewegung den kompletten Raum wahrnehmen. Während ihr euch die Gegend anschaut, läuft parallel allerdings eine Geschichte ab, der ihr folgen sollt. So bewegen sich die Charaktere durch den gesamten Raum, man selbst sieht jedoch nur den kleinen Ausschnitt des eigenen Displays. Anfangs kommt man sich leicht blöd vor, wenn man sich verwirrt durch den Raum dreht, doch ab einem gewissen Punkt macht es einfach nur noch Spaß.

Ein weiteres Feature ist die neue Benachrichtigungsfunktion, die ich bereits aufzählte. Noch cooler ist, dass die Uhrzeit angezeigt wird, sobald das Gyroskop des Moto X beansprucht wird. Klopfe ich also hart auf den Tisch, dann springt die Uhrzeit auf das Display und bleibt für 2 Sekunden sichtbar.Sehr praktisch, wenn man nicht immer den Power-Knopf suchen möchte.

Noch weniger Berührung benötigt die Sprachsteuerung, die dauerhaft aktiviert ist und über einen alleine stehenden Singlecore-Prozessor abgewickelt wird. Anfangs muss man die Steuerung kurz einrichten, damit sie sich auf die Stimme des Herrchens einstellen kann. Leider funktioniert die Spracherkennung zu Beginn nicht so ganz, so dass sie auch auf die Stimme meines Bruders reagierte –ärgerlich. Nichtsdestotrotz funktioniert die Sprachsteuerung sehr gut, wie ihr in unserem Video sehen könnt.

Das Moto X führt sehr viele Befehle aus und mit dem neuen Update kann es zudem Benachrichtigungen vorlesen. Sogar auf eine Entfernung von 4 Metern versteht das Moto X die Aktivierungsworte „OK Google Now“ und folgt widerstandslos. Es ist ein tolles Feature, obwohl etwas creepy ist, da man immer im Hinterkopf hat, dass das Moto X dauerhaft zuhört. Wer weiß, ob nicht bei anderen Stichworten eine Aufzeichnung gestartet und an Motorola gesendet wird. Außerdem ist die Sprachsteuerung ein paar Mal abgestürzt, war aber zu verschmerzen. Ebenfalls störend ist, dass Google Now nicht so intelligent kontern kann wie Siri. Aber da wird Motorola sicher noch etwas nachliefern.

Nicht nur in der Hand fühlt sich das Moto X geschmeidig an, nein, auch am Ohr macht es eine gute Figur und fühlt sich gut an. Durch die Hörmuschel kommt die Stimme gut hörbar rüber und der Freisprecher übermittelt ebenfalls verständlichen Sound. Da kann man nicht meckern. Einzig stört mich, dass eine nanoSIM benötigt wird und man erstmal seine microSIM zuschneiden muss, damit man telefonieren kann.

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Wer ein Smartphone mit einem niedrigen SAR-Wert sucht, der ist mit dem Moto X gut bedient. Die Messwerte liegen bei 0,59 W/kg und vermutlich reicht das noch nicht, damit ein drittes Ohr am Hinterkopf wächst. Insgesamt liegt der Wert in einem „relativ“ niedrigen Bereich und wem das doch zu viel ist, der kann ja Alufolie außen herumwickeln.

Als zusätzliche Apps gibt es noch Motorola Connect, womit man SMS auf den PC streamen kann und dort antworten kann. Des Weiteren ist eine Bezahl-Funktion an Board, worüber sich per NFC drahtlos bezahlen lässt. Die Bezahlung erfolgt über Google Wallet.

Ein größerer Kritikpunkt bei der Ausstattung stellt für mich der nicht erweiterbare Speicher dar. Zwar kann man das Moto X mit 16 oder 32 GB internem Speicher kaufen, dennoch fehlt die Möglichkeit diesen über eine microSD-Karte aufzustocken. Da ich dies von meinen bisherigen Geräten gewohnt bin, vermisse ich diese Option. Heutzutage lässt sich natürlich alles über die Cloud sichern, doch wenn man sich nun zehn High-Level-3D-Games herunterlädt, dann sind gleich schon 6 GB Speicher von den effektiv vorhandenen 12 GB weg.

Leistung: Läuft schneller als Forrest Gump

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Quelle: motorola.com

Erstmal ist es wichtig zu verstehen, wie die X8-CPU von Motorola funktioniert. Und das versuche ich kurz zu erklären. Insgesamt stecken acht Kerne unter der Haube. Diese setzen sich aus einem Snapdragon S4 Pro Dualcore-Prozessor, zwei Singlecore-CPUs und 4 Grafikprozessoren des Adreno 320 zusammen. Diese werden durch eine eigene Software-Architektur aus dem Hause Motorola so gesteuert, dass jeder Prozessor die eigenen Aufgabengebiete zugewiesen bekommt.

So ist der eine Singlecore-Prozessor nur dazu da, dass er euch zuhört und sofort antworten kann. Die zweite Singlecore-CPU ist für sogenannte kontextuelle Aufgaben zuständig. Er erkennt, wenn das Gyroskop reagiert, sich das Moto X also bewegt und kann dementsprechend eine Aktion ausführen. Zieht man zum Beispiel das Moto X aus der Hose und shaked es in der Hand, dann startet die Kamera-App – wenn man das aktiviert hat. Zudem misst die CPU bei Foto-Aufnahmen das Umgebungslicht, kann mit Hilfe des Beschleunigungsensors Bewegungen im Bild erkennen und hilft auch sonst aus, wenn Bedarf ist. Das Gute an den beiden Singlecores ist der geringe Stromverbrauch.

Im Gegensatz zu den beiden Singlecores besitzen die S4-Pro-Dualcore-CPU zusammen mit der Vier-Kern-GPU keine speziellen Aufgabengebiete. Sie laufen sobald das Display aktiviert wird und sorgen für eine angenehme Handhabung. Je nach Bedarf powert die CPU dann eben hoch, bei Spielen oder ähnlichen Belastungen. Es gibt keine Ruckler und bei Games merkt man keine Unterschiede zu einer Vier-Kern-CPU.

Fazit: Jeden Fuffi wert

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Für 349 Euro kann man sich viele Smartphones kaufen. Entweder das Nexus 5, Galaxy S3 und ab und an findet man sogar das LG G2 sehr günstig über mydealz zu dem Preis. Doch warum sollte man für ein Moto X sieben Fuffis in den Club werfen? Tja, das muss jeder selbst für sich entscheiden und abwägen welche Sorte von Smartphone man haben möchte. Steht man auf praktische Funktionen, solide Ausstattung und möchte zudem ein Smartphone haben, das immer auf einen hört?

Dann ist man mit dem Moto X sicher gut bedient. Die Sprachfunktion ist wirklich sehr geil, kann ich euch sagen. Man wird mit der Zeit immer fauler und möchte dem Moto X alle Befehle nur noch über die Stimme erteilen. Man hat sozusagen seinen eigenen, kleinen, weißen, technischen Diener, der immer zuhört und alles auf Kommando erledigt. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich die Preisstabilität des Moto X, die mit dem Nexus 5 vergleichbar ist. Unter 349 Euro wird man es ohne Vertrag selbst in ein paar Monaten nirgends finden.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.