Motorola Moto X (2014) im Test: Viel Sex für viel Geld

Motorola Moto X (2014) im Test: Viel Sex für viel Geld

Was ist wunderschön anzusehen, liegt unfassbar gut in der Hand und kostet übertrieben viel Geld? Richtig, das iPhone 6. Was weist die selben Eigenschaften auf, hat eine always-on-Sprachsteuerung, bietet mehr Features als man nutzen kann und kostet verhältnismäßig weniger? Richtig, das neue Moto X von Motorola. Und genau dieses Smartphone steckte für zwei Wochen in meiner Hosentasche, so dass ich euch nun sagen kann was es so alles auf dem Kasten hat.

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Allerdings muss ich noch dazu sagen, dass es sich um ein Vorseriengerät handelte – kann also sein dass bei den jetztigen Seriengeräten vorhandene Schwachstellen (ein paar kleine gibt es tatsächlich) gefixt wurden. Schauen wir uns noch kurz die technischen Daten an, damit wir wissen mit was wir es zu tun haben, bevor der eigentliche Testbericht folgt.

Technische Daten: Motorola Moto X (2014)

  • Maße: 140,8 x 72,4 x (3,8 bis 9,9) mm und 144 Gramm schwer
  • Display: 5,2 Zoll FullHD (1920x1080p = 423 dpi) mit Corning Gorilla Glass 3
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 801 Quadcore CPU (2,5 GHz) mit Adreno 330 GPU und zwei unabhängige Single-Cores für Spracherkennung und andere Low-Level-Aufgaben
  • Arbeitsspeicher: 2 GB
  • Interner Speicher: 16 oder 32 GB (nicht erweiterbar)
  • Kamera: 13 Megapixel Sensor, f/2.25-Blende, 4K-Videoaufnahme, zwei LED-Blitze und 2 MP vorne
  • Akku: 2.300 mAh
  • Betriebssystem: Android 4.4.4 ohne Schnickschnack
  • Konnektivität: NFC, Bluetooth 4.0 LE + EDR, LTE (800, 1800, 2600), Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, A-GPS, GLONASS,
  • Sonstiges: Infrarot-Sensoren, Always-on-Sprachsteuerung, Active-Display,
  • Preis: ab 499 Euro ohne Vertrag (im motomaker etwas teurer)
  • Farben: Unfassbar viele Farben und Möglichkeiten über den Moto Maker

Lieferumfang: Außer Konkurrenz

Die erste Enttäuschung überkam mich, als ich das Paket von Motorola mit Gewalt in Stücke riss. Da war NICHTS, außer das Gerät an sich in Ploppfolie gewickelt (siehe Video). Das liegt aber nicht daran, dass Motorola etwa geizig sein könnte, sondern daran dass es eben ein Vorseriengerät ist und es dafür noch keine Verpackung gab. Mittlerweile kann man das Moto X ja offiziell kaufen und bekommt direkt einen Adapter, ein USB-Kabel, ein Sim-Slot-Schlüssel und haufenweise Papier-Kram mitgeliefert. Der übliche Shit eben. Nur dass Motorola etwas mehr mitgedacht hat als andere und einen Adapter mit zwei Slots dazu gibt und außerdem ein USB-Kabel, das eine Riffelung besitzt, um oben und unten zu erkennen. Very nice to have!

Handling: Unfassbar schönes Ding

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Schon der Vorgänger des Moto X (2014), das Moto X (2013), lag sehr gut in der Hand. Auch bei dem Nachfolger zeigt Motorola Fingerfertigkeit, so dass ich das Gerät nur sehr ungerne aus der Hand lege. Die Geilheit fängt schon bei dem Display an. Dieses sieht unfassbar schön aus und geht beinahe bis an die Ränder des Gehäuses. Die Farben wirken natürlich und nicht zu überzogen grell wie bei Super AMOLEDS. Die Ränder des Displays sind zudem abgerundet, so dass es einen nahtlosen Übergang zu dem Metall-Rand gibt. Und da sind wir schon bei Geilheit Nummer 2. Der Rand fühlt sich sehr, sehr wertig an und man hat wirklich das Gefühl, dass man 500 Euro in der Hand hält. Je nachdem welches Material man zudem auf der Rückseite verbauen lässt, kann dieses Feeling noch verstärken – beispielsweise durch Leder (echtes Gold gibt es leider nicht zur Auswahl).

In der Rückseite steckt unterhalb der Kamera noch das Logo, das ebenfalls aus Metall besteht. Es fühlt sich edel an, stört leider beim in der Hand halten etwas, da ich dauernd mit dem Zeigefinger an dem harten Rand hängen bleib. Das ist bei dem alten Moto G, dem neuen Moto G und dem alten Moto X wesentlich schöner und angenehmer gelöst.

Multimedia: Fast schon zu viele Features

Die folgenden Absätze werde ich versuchen etwas knapper zu halten, weil es einfach nur unfassbar viele Features in dem neuen Moto X zu bestaunen gibt. Es sind nicht nur neue Feature, sondern teils welche die schon im alten Moto X verbaut sind.

Sprachsteuerung:

Wie schon beim alten Moto X, gibt es eine always-on-Sprachsteuerung die 24/7 darauf wartet, dass der Besitzer die magischen Worte „Okay Google Now“ spricht. Neu ist, dass man den Satz nun selbst auswählen kann. Heißt: Ich kann selbst entscheiden welche Worte ich rufen möchte, damit das neue Moto X auf mich hört. Im kurzen Videotest folgt die Spracherkennung beispielsweise den Worten „okay, i’m batman“. Das Ganze funktioniert soweit ganz gut, kann aber im Deutschen einfach zu wenige Befehle ausführen und muss diese immer nach einem bestimmten Schema ausgeführt werden. Ich kann sagen „SMS an XXX“ aber nicht „Schreibe eine SMS an XXX“.

Sensoren:

Das Amazon Fire Phone ist ein Pionier in Sachen Infrarot-Bewegungserkennung in Smartphones. Gleich vier Sensoren sind dort verbaut, die tracken wo sich der Kopf des Nutzers befindet. Etwas abgespeckter kommt das neue Moto X daher, wo nur drei (wenn ich mich nicht verzählt habe) Sensoren verbaut sind, die erkennen ob sich etwas über das Display bewegt. Das ist dahingehend nützlich, dass man einfach die Hand über das Gerät halten kann, woraufhin das Display kurz an geht und die wichtigsten neuen Nachrichten anzeigt.

Diese Funktion und das Active-Display ersetzen die Benachrichtgungs-LED. Das Active-Display bringt das Display kurz zum leuchten, falls eine Nachricht eingeht und über die Infrarot-Sensoren kann man diese Infos nochmals aktiv abrufen, ohne das Display berühren zu müssen. Das ist ganz cool, allerdings ging bei mir das Display sehr oft, weil ich einfach mit meinem Kopf in die Nähe des Displays kam. Auch wenn ich das Moto X einfach nur von A nach B gelegt habe, ging das Ding an und es nervte mit der Zeit nur noch.

Zusätzlich erkennt das Moto X wenn man die Augen geschlossen hat und dunkelt in dem Fall automatisch das Display ab. Das Feature kommt mir irgendwie von Samsung bekannt vor.

Apps:

Motorola spendiert dem Moto X wieder einmal reines Android – in der Version 4.4.4. Auch eine schnelle Versorgung mit Android L wird versprochen, so dass man bezüglich dessen keine Bedenken haben muss. Dazu gibt es noch ein paar zusätzliche Apps, die sich an einer Hand abzählen lassen:

  • Migrieren (Easy alle Daten vom alten Smartphone übertragen)
  • Assist (Nutzungsprofile einstellen)
  • Moto (Übersicht über alle Funktionen des Moto X)
  • Alert (Notfall-App)

Kamera:

Verglichen mit dem Vorgänger-Moto-X, legt Motorola auch bei der Kamera nochmals einen Zahn zu. Satte 13 Megapixel finden auf dem rückseitigen Sensor Platz. Mit f/2.25-Blende und DualLED-Blitz wird das Kamera-Paket abgerundet. Die Bilder sehen ganz brauchbar aus, wenn genügend Licht vorhanden ist. Andernfalls wird es leicht verrauscht und weiß wird zu krass dargestellt, so dass manche Stellen im Bild total ausgefressen sind. Der Blitz hilft hier natürlich und liefert keine übertriebene Helligkeit. Insgesamt würde ich sagen, dass das hintere Kameramodul ganz brauchbar ist, aber noch weit entfernt von einer iPhone oder Sony-Smartphone-Kamera.

Auf der Vorderseite gibt es einen Kamerasensor mit 2,1 Megapixel der ganz brauchbare Selfies knipst. Nichts besonderes, aber auch nicht perfekt. Videos kann die Frontcam sogar in 1080p filmen, aber wer zum Geier filmt mit der Frontkamera? Für Videotelefonie bietet sich das auch eher nicht an, weil meines Wissens nach Skype und Co. alle Daten komprimieren, damit nicht allzu viel davon durch die Leitung gequetscht werden muss.

Sound:

HTC machte es mit dem BoomSound vor, Motorola zieht nach und verbaut ebenfalls auf der Vorderseite die Lautsprecher. Dieser befindet sich unterhalb des Displays und sieht gleich aus wie die Hörmuschel oberhalb des Displays. Optisch sehr schick und auch der Sound klingt, sowohl aus den Boxen als auch aus der Hörmuschel, sehr gut. Keine Ahnung mit welchem Gerät ich das nun vergleichen soll, aber ich würde es auf eine Stufe mit dem HTC One M7 stellen, da ich den Sound des M8 noch nicht kenne. Also in jedem Fall kann das Moto X laut und klar auf die Ohren donnern.

Ausdauer: Auf iPhone-Niveau

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Von der Akku-Laufzeit des neuen Moto X war ich leicht enttäuscht. Ich hab mich gefühlt als hätte ich auf eine Spam-Mail geklickt in der stand, dass ich 6 Millionen Euro gewonnen hätte (obwohl ich gar kein Lotto spiele), um dann auf einer Seite gelandet zu sein wo ich mir einen dicken Trojaner einfange. Motorola gibt an, das Moto X halte bei normale Nutzung locker einen Tag. Das kann ich so leider nicht bestätigen, weil es mir schon passierte, dass das Moto X bereits nach 11h wieder an die Saftbar wollte.

Da uns aber, wie gesagt, ein Vorseriengerät vorlag, kann es gut sein, dass da noch einiges optimiert wird und wurde. Insbesondere das Display schluckte während der gesamten Testzeit den meisten Akku, woran vermutlich die Sensoren Schuld tragen, weil die das Display dauernd aufleuchten ließen. Würde mich freuen, wenn ihr bereits ein Moto X besitzt und mir kurz sagen könnt, ob euer Moto X ebenfalls bei der Akkulaufzeit so versagt.

Leistung: Erwartungsgemäß viel Power

Ein Problem des Moto X ist der relativ kleine Speicher. Es gibt das Moto X in der 16 GB und der 32 GB Version. Ich durfte die 16 GB-Variante testen und der Speicher ist echt etwas klein. 10 GB hat man effektiv über und da passt nicht viel Multimedia-Krams drauf (Musik, Film, etc.). Denn GPlay Music und Video-Streaming kostet leider einiges an Daten, weil das ja zwischengespeichert wird. Muss aber jeder selber wissen welche Speichergröße passend ist.

Dafür sind der Snapdragon 801 und 2 GB RAM mehr als ausreichen. Die CPU powert ohne Mucks und versorgt das Smartphone mit Speed ohne Ende. Ich weiß zwar nicht wie das mit dem Sprachasisstenten geregelt ist, da im alten Moto X noch ein einzelner Singlecore-Prozessor verbaut war, aber irgendwie scheint das nun der Snapdragon zu übernehmen. Zumindest habe ich nichts gefunden was dagegen spricht.

Fazit: n‘ Hunni weniger und ich würde sofort

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Motorola zeigt mit dem Moto X wo bei dem Frosch die Locken wachsen. Highend-Specs, einzigartige Features, ein richtig geiles Design und die Möglichkeit sich das Gerät nach eigenen Wünschen anzupassen. Im Grunde ist es das perfekte Smartphone, wäre da nicht der beunruhigende Akku. Auch der Preis ab 499 Euro ohne Vertrag ist nicht ganz ohne, wobei man sicherlich mehr Technik bekommt als bei anderen Herstellern. Würde das Moto X weniger kosten, wäre ich wohl schnell von meinem Opo weg und würde es mir kaufen. Mit Vertrag ist das Moto X sicherlich eine sehr gute Alternative zu Samsung, Sony und HTC. Ob man es mit Apple vergleichen kann, wage ich zweifeln, da vermutlich niemand ein iPhone wegen technischen Rafinessen kauft, sondern weil ein Apfel drauf zu sehen ist (und vielleicht auch wegen iOS). Aber bestimmt könnte man das Motorola-Logo auch durch einen Apfel ersetzen.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.