Motorola Moto G im Test: Außen Schönheit – Innen Biest

Motorola Moto G im Test: Außen Schönheit – Innen Biest

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In Europa war es lange still um den Mobilfunkpionier Motorola – fast schon zu lange. Nie fanden Topgeräte wie das Moto X oder Motorola RAZR Maxx (HD) den Weg in europäische Haushalte. Nun hat Motorola die Eier in die Hand genommen und ein richtig geiles Gerät in die Händlerregale geballert: Das Motorola Moto G. Nicht nur auf technischer Seite bietet es alles was ein gutes Smartphone heutzutage leisten muss, es sticht zudem mit einem sehr günstigen Preis die Konkurrenz, ohne mit der Wimper zu zucken, aus. Doch hält das Moto G was es auf dem Papier verspricht? Wird es den harten Arbeitsalltag eines Studenten überleben? Das alles und noch viel mehr findet ihr weiter unten.

Verpackung

Technische Details des Moto G:

  • 129,9 x 65,9 x 11,6 mm und 143 Gramm schwer
  • 4,5 Zoll Display mit 1.280 x 720 Pixel (329 dpi)
  • Qualcomm MSM8x26 Snapdragon 400 Quadcore-CPU (jeder Kern auf 1,2 GHz getaktet) mit Adreno 305 GPU (450 MHz)
  • Akku mit 2.070 mAh Kapazität
  • Android 4.3 (Upgrade auf 4.4 versprochen)
  • 1 GB LPDDR2 RAM Arbeitsspeicher
  • 8 oder 16 GB interner Speicher (NICHT erweiterbar)
  • 5-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz und 1,3-MP-Frontkamera
  • WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0, GPS, microSIM, HSPA+
  • 50 GB kostenloser Google-Drive-Speicher für 2 Jahre

Handling: Gerngesehener Gast in meiner Hosentasche

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Beginnen wir mit der Rückseite des Moto G. Sie fühlt sich matt an und liegt schon bei der ersten Berührung sehr gut in der Hand. Sie besteht ebenfalls aus Polycarbonat, fühlt sich jedoch sehr viel wertiger an als die des Galaxy Note 2. In der Mitte des Backcovers ist eine kleine Delle eingelassen, in der das Motorola-Logo zu sehen ist. Eine wirklich sehr coole Idee und es fühlt sich interessanter und besser an als eine aalglatte Glasoberfläche. Noch mehr schmeicheln mir aber die Rundungen des Gehäuses und meine Hand hat immer den Eindruck, das Moto G sei sehr wertig, obwohl das es nur 169 Euro kostet. Sogar die drei Tasten an der Seite (Power, Lauter, Leiser), sitzen  sehr handlich an der Seite und wirken ebenfalls nicht billig.

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Möchte ich meine Micro-SIM einführen, muss ich das Gehäuse öffnen. Doch das ist leider nicht so einfach, wie man vielleicht denken mag. Es erfordert die Kraft und Energie eines Hulks. Hat man endlich die Grünheit des Hulks erreicht oder sein Smartphone-Werkzeug zur Hilfe geholt, kann man den Deckel mit einem lauten KNARKS öffnen. Darunter findet man nichts, außer den Micro-SIM-Slot. Die Rückseite des Akkus ist zu sehen, aber man kann ihn nicht herausnehmen oder austauschen. Schade.

Nahezu perfekt empfinde ich die Größe des Moto G. Das Display misst 4,5 Zoll in der Diagonale und das Gehäuse ist nur unwesentlich größer als das des iPhone 5S. Die HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixel) ergibt auf die Displaygröße gerechnet eine effektive Pixeldichte von 329 dpi – da freut sich das Auge. Nicht nur weil keine Pixel sichtbar sind, sondern weil es auch sehr hell ist und einen starken Kontrast besitzt. Der Pixeldichte des Moto G liegt sogar noch über der allseits geliebten Retina-Auflösung.

Moto-Android

Mit Android 4.3 an Board startet Motorola keine neuen Experimente. Wer sich noch an MotoBlur erinnern kann, weiß wovon ich rede. Damals war alles sehr eingeengt und nervig. Damit ist nun Schluss und so installiert Motorola lediglich ein paar kleine Apps, die zudem recht hilfreich sind. Kurz gesagt: Man also Stock-Android mit kleinen Erweiterungen. Gefällt mir sehr gut.

Ausdauer: Locker zwei Tage überlebt

Motorola macht bei dem verbauten Akku alles richtig. Bereits mit dem RAZR Maxx und RAZR Maxx HD zeigten die Amis, dass man dicke Akkus in kleine Smartphones verbauen kann. Und so spendiert der Hersteller dem Moto G einen dicken Akku mit 2.070 mAh Kapazität. Im Alltag reicht der Saft lässig über den Tag und im Idealfall sind sogar zwei Tage (51h) drin. Wer täglich nur (Whatsapp-/Hangout-/SMS-) Nachrichten schreibt, telefoniert und ab und zu in Facebook oder auf Google etwas sucht, der wird mit der Akkulaufzeit mehr als zufrieden sein. Motorola hat sich nicht lumpen lassen und liefert Tools mit, um die Akkulaufzeit noch stärker zu optimieren.

Zum einen gibt es die App „Assist„, die das Moto G automatisch auf Stumm umstellt oder eine vorgefertigte SMS versendet, wenn ein Meeting ansteht oder man einfach nur Schlafen geht. Dabei unterscheidet Assist anhand verschiedener Kriterien: Festgelegte Ruhezeit, wenn man Pennen möchte. Termine, die im Kalender stehen oder anhand von GPS erkennt es, ob man sich bewegt und schält dann aus, damit sich der Fahrer auf die Autofahrt konzentriert. Einfach auswählen, wie weit Assist in die Privatsphäre reinschauen darf und schon erleichtert die App den Akku und das Leben. Ich habe die App jedoch nie benutzt, weil ich selbst entscheiden möchte, wann das Gerät in meiner Hose vibrieren darf.

Und zum anderen bietet Motorola, wie fast jeder Hersteller, eine „Akku-Schonfunktion“, die ab einem bestimmten Niedrigstand die Hintergrunddaten beendet, um den Akku im Notfall noch ausdauernder zu machen.

Multimedia: Souveränität in allen Disziplinen

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Auf dem Moto G läuft jede App und jedes Game und einfach jedes Porno-Video ohne Ruckler und ohne Probleme. Es fasziniert mich, wie ein 169-Euro-Smartphone so rund und schnell laufen kann – sogar bei 3D lastigen Games wie Eternity Warrior 2 gab sich das Moto G keine Blöße.

Kamera Moto G

Voller Zoom macht leicht unscharf im Viewer

Fotos knipst das Moto G in einer maximalen Auflösung von 5 Megapixel im 4:3-Format und 3,8 Megapixel im 16:9 Format. Das hört sich beides sehr wenig an und eigentlich ist es auch sehr wenig, wenn man bedenkt, dass manche Smartphone-Kamerasensoren über 39 Megapixel aufnehmen können. Aber wir reden hier von einem Smartphone, das 169 Euro kostet – irgendwo muss der Hersteller schließlich Abstriche machen.

Kleine Abschweifung von mir… Bei Smartphone-Kameras verhält es sich wie bei einem Schwanzvergleich. Nokia prahlt immer, dass sie den längsten hätten, vergessen aber, dass es zugleich der dünnste im Ring ist. Aber welche Frau steckt sich gerne einen langen, dürren Stock in der Hüfte? Samsung und Apple hingegen, prahlen immer mit ihren normal großen, dafür recht breiten Schwengeln, wenn sie auf den Tisch klopfen, um eine neue Runde Bierpong einzuläuten. Und für die breite Masse der Nutzer reicht eben eine normale Kamera, mit der man schnell und hart ein Bild knipsen kann, das man per Whatsapp verschickt. Falls es jemand nicht weiß: Whatsapp komprimiert alle Bilder beim Versenden, weshalb es scheißegal ist, ob man mit 39 Megapixel oder 5 Megapixel aufnimmt.

Und so hat die niedrige Megapixel-Zahl des Moto G wenig Bedeutung für mich -die Bildqualität, die am Ende herauskommt, zählt. So komme ich zu dem Fazit: Die Bilder des Moto G sind weder überragend gut, noch grausam schlecht – sie sind akzeptabel und sollten dem Otto-Normalnutzer in jedem Falle ausreichen. Überzeugt euch am Besten selbst von der Qualität. Wer seine Bilderverkaufen oder damit auf dem National-Geographics-Kalender erscheinen will, sollte sich sowieso für eine professionelle Fotokamera entscheiden. Schnappschussqualität legt das Moto G in jedem Fall an den Tag, insbesondere bei gutem Licht.

Wer unterwegs gerne arbeitet oder seine Bilder immer doppelt sichern möchte, dem spendiert Motorola, beim Kauf des Moto G, zusätzliche 50 GB Cloudspeicher auf Google Drive. Dieser Zusatz-Speicher ist dringend notwendig, wenn man die 8-GB-Variante gekauft hat. Zieht man nämlich den Umrechnungsfaktor und die Größe des Betriebssystems ab, hat man am Ende noch etwa 5,5 GB zur freien Verfügung. Das ist nicht wirklich viel, wenn man gerne Filme, Musik, Bilder und sonstige Medien auf seinem Smartphone bunkert. Geht man jedoch schlau mit seinen Daten und lädt seine Musik kostenlos in Google Music hoch, leiht seine Filme aus, statt sie herunterzuladen und sichert seine Bilder direkt in der Cloud, dann reicht sogar ein kleiner Speicher aus. Ansonsten würde ich die größere Variante des Moto G empfehlen.

Eine der wichtigsten Grundeigenschaften, die ein Smartphone mitbringen sollte, ist die Fähigkeit Ton sauber von A nach B zu bringen. Kurz gesagt, ich rede von der Telefonie. Viele Hersteller legen mehr Wert auf die Entwicklung von irgendwelchem Firlefanz, wie etwa das Display mit einmal Draufpusten zu aktivieren oder mit Hilfe von Voice-Recognition zu erkennen ob man gerade auf dem Klo sitzt und ein Uboot versenkt, damit das Smartphone selbstständig alle Anrufe mit einer SMS ablehnt in der steht: „sorry, bin gerade beschäftigt“.

Doch viel wichtiger wäre es die Qualität bei der Telefonie zu verbessern, wie etwa durch ausgeklügelte Mikrofone mit Rauschunterdrückung oder bessere Hörmuscheln. Das Moto G spielt ganz klar in der Liga der „Ich-Kann-Nicht-Alles-Dafür-Sehr-Gut-Telefonieren“. Die Person am Ende der anderen Leitung ist sehr gut zu hören, wobei das immer davon abhängig ist, wie gut dessen Empfang, Mikrofon und Software zur Rauschunterdrückung ist. Die eingebauten Boxen (Freisprecher) und die Hörmuschel haben einen sehr schönen Klang. Und wer gerne seine Musik, die aus dem Moto G kommt, abmischen möchte, dem hat Motorola einen kleinen Audioeffekte-Abmischer spendiert. Es steht zwar nicht Beats-Audio drauf, funktioniert aber ähnlich gut.

Wer gerne verstrahlt durch die Gegend rennt, wird mit dem Moto G nicht glücklich. Der Strahlenwert (SAR) befindet sich so ziemlich im Mittelfeld aller Smartphones im SAR-Ranking. Das Moto G (0,79 W/kg) strahlt sogar noch weniger als das iPhone 5S (0,80 W/kg). Wer sich einen dritten Hoden durch Verstrahlung wünscht, muss sich ein anderes Gerät suchen.

Leistung: Ruckelfrei in allen Disziplinen

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Im Inneren sorgen der relativ neue Prozessor von Qualcomm, der Snapdragon 400 mit vier Kernen (je 1,2 GHz Taktung) und die Adreno-305-GPU für ein geschmeidiges Arbeitstempo, flüssiges Zocken, flinkes Bilder knipsen, gemütliches Filme schauen, problemloses Videos auf den Fernseher streamen oder ruckelfreies ständig-zwischen-den Homescreens-Switchen. Bisher ist mir wirklich noch kein einziger Ruckler aufgefallen und es macht schlicht und einfach Spaß mit dem Moto G herumzuspielen und zu arbeiten.

Fazit: Ja, ich will.

Moto G ausgepackt

Mit dem Moto G zeigt Motorola der Konkurrenz ganz klar den Mittelfinger. Für 169 Euro bekommt man aktuell kein anderes Smartphone, das auch nur annähernd so flüssig läuft, so ein schönes Display besitzt und zudem noch eine so gute Akkulaufzeit vorweisen kann. (außer vielleicht in China -xiaomi, etc.) Zudem wird bald Android 4.4 verfügbar sein, womit das Moto G das erste Einsteiger-Mittelklassemodell ist, welches sogar mit den neuesten Android-Versionen versorgt wird. Ich bin sogar selbst am Überlegen, ob ich mein Galaxy Note 2 verkaufe, mir die 16-GB-Variante des Moto Gs kaufe und mit dem gewonnen Geld in den Urlaub zu fliege. Aber die Möglichkeit den Speicher nicht erweitern zu können, hindert mich bisher an der Entscheidungsfindung.

PS: Das Display ist etwas empfindlich, wenn ein Schlüssel daneben liegt. Ich empfehle daher eine Schutzhülle und ein Case.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.