Motorola Moto E im Test: Das günstige Zweithandy der Herzen

Motorola Moto E im Test: Das günstige Zweithandy der Herzen

verpackung

Über Motorola kann man denken was man möchte, aber sie sind in meinen Augen einer der wenigen Hersteller, die es geschafft haben einen richtigen Imagewandel zu vollziehen – ähnlich wie Audi (damals Oma-Karre und heute Lifestyle-Shizzle). Zu Beginn der Smartphone-Dynastie versuchte Motorola irgendwie dem iPhone Konkurrenz zu machen und scheiterte. Ende 2010 brachten sie mit dem Motorola Defy zwar noch ein richtig geiles Gerät auf den Markt, doch dann folgte eine lange Flaute – zumindest in Europa. In Amerika verkaufte sich die RAZR-Reihe wohl ganz gut. Spätestens nachdem Google im Jahr 2013 Kohle auf den Tisch legte und nun mitmischte, war Motorola wieder fit für den globalen Markt. Sie zeigten mit dem Moto G und dem Moto X, dass sie doch noch was auf dem Kasten haben. Nun schicken sie einen weiteren Preisbrecher in den Kampf um die lilafarbene Smartphone-Krone: Das Motorola Moto E.

Wir haben uns das Moto E einmal genauer angeschaut und sagen euch, ob man für die 119 Euro überhaupt ein brauchbares Gerät in die Finger bekommt. Beginnen wir mit dem Datenblatt, um einen ersten Überblick über die Fertigkeiten des Moto E zu erhalten.

Technische Daten des Moto E:

  • Maße: 124,8 x 64,8 x 6,2-12,3mm und 142 Gramm schwer
  • Display: 4,3 Zoll Display mit 960 x 540 Pixel (qHD), Gorilla Glass 3
  • CPU: 1,2 GHz Dualcore Snapdragon von Qualcomm (Adreno 302)
  • Arbeitsspeicher: 1 GB RAM
  • Interner Speicher: 4 GB interner Speicher (erweiterbar)
  • Kamera: 5-Megapixel-Sensor OHNE LED-Blitz und keine Front-Cam
  • Akku: 1.980 mAh Kapazität
  • Betriebssystem: Android 4.4.2
  • Konnektivität: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0 LE, GPS, GLONASS, BeiDou, microSIM
  • Farben: Schwarz und Weiß
  • Sonstiges: Lautsprecher nach vorne

lieferumfang

Lieferumfang: Ladekabel

Bei einem Preis von 119 Euro kann man, zugegeben, nicht viel erwarten. Und so erhält man beim Kauf des Moto E immerhin ein Ladekabel zum üblichen Papierkram dazu. Für einen Adapter hat es leider nicht gereicht – vermutlich hat jeder von euch sowieso schon zwei davon zu Hause rumliegen.

PS: Es handelt sich um ein sehr schönes und wertiges Ladekabel/USB-Kabel.

back-hand

Handling: Handflächenorgasmus

Bereits das Moto G zeigte mit seiner charmanten Rückseite, dass sich Plastik nicht wie Plastik anfühlen muss. Ein Hauch von Mattheit und schon fühlt sich alles etwas wertiger an. Und so offenbart auch das Moto E eine elegante und matte Rückseite. Die Vorderseite ist ein Paradies für meine Wurstfinger, doch leider sind Fettflecken an der Tagesordnung – sollte aber mit einer Displayfolie in den Griff zu kriegen sein.

Die Lautsprecher des Moto E befinden sich überraschenderweise auf der Vorderseite, direkt unterhalb von dem Display. Er sieht aus wie ein silberner Streifen und man könnte auf den ersten Blick meinen, dass es Stereo-Lautsprecher (oben und unten) sind. Doch das täuscht, oben ist nur die Hörmuschel verbaut. Krach macht der kleine Lautsprecher dafür nicht zu knapp – dazu aber später mehr. Der Streifen wirkt echt schick und die Rückseite hat nun keine Löcher mehr, wo Wasser eindringen könnte  – sehr gut gelöst!

Alles in allem ist das Moto E sehr wertig gebaut, keine Lücken, keine störenden Elemente und keine knarzenden Geräusche. Allerdings gibt es einen störenden Faktor der mir aufgefallen ist: Der Power-Button. Wenn ich den Anschalter drücke fühlt es sich einfach nur falsch an, weil fast kein Druckpunkt zu spüren ist. Es ist wie, wenn man mit dem Daumen in ein Mettbrötchen drückt.

cam

Multimedia: Kamera-Super-GAU

Motorola wäre besser bedient gewesen, das Moto E ohne Kamera zu verkaufen – dann wäre es das perfekte Diensthandy. Denn die verbaute Kamera ist einfach nur Müll. Kein Autofokus, fehlender Blitz, matschige Bilder und eine Selfi-Cam gibt es auch nicht. Man kann das Moto E nicht einmal als Taschenlampe nutzen – was mich persönlich sehr stört. Mehr gibt es darüber nicht zu sagen, schaut euch einfach die pampigen Bilder an.

Während das Moto E bei der Fotografie komplett versagt, punktet es dafür bei der Sound-Qualität. Die vorne verbauten Lautsprecher haben einen, relativ betrachtet, satten Sound und sind sehr laut. Auch bei der Telefonie gibt sich das Moto E keine Blöße, der Ton kommt klar rüber – vorausgesetzt die Person am anderen Ende hat guten Empfang und ein gutes Mikrofon verbaut.

lautsprecher

Wie bei dem Moto G und Moto X, spendiert Motorola auch seiner neuesten Brut ein paar spezielle Software-Features. So gibt es die Apps: Motorola Alert, Motorola Assist, Motorola Migrieren und noch ein paar Hintergrunddienste. Über Motorola Alert könnt ihr einen Notfalldienst festlegen, dem ihr mit ein paar Klicks vorgefertigte Nachrichten senden könnt oder ihr aktiviert einen lokalen Alarm des Handys. (Vermutlich ist der eingebaute Lautsprecher deshalb so laut!). Vielleicht ist diese App indirekt ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Zielgruppe, die über 60 ist und sich oft auf dem Weg nach Hause verläuft. Die App sendet im Notfall nicht nur eine Nachricht, sondern gleich noch die GPS-Koordinaten (wenn aktiviert) und kann auch direkt den Notruf alarmieren – muss man eben alles einstellen. Btw. gibt es Motorola Alert nur für das Moto E.

Mit Hilfe von Motorola Assist könnt ihr Sound- und Vibrationsprofile einstellen, dass, falls ihr auf der Arbeit seid, das Handy nicht laut YMCA rausbimmelt. Mit Motorola Migrieren übertragt ihr bestehende Daten von eurem alten Android-Handy oder iPhone auf das Moto E. Ansonsten sind nur Standard-Google-Apps installiert – pures Android eben.

Ausdauer: All Night Long

Man muss keine Eins in Mathe haben, um zu erkennen, dass ein 4,3 Zoll großes qHD-Display zusammen mit einem Dualcore Prozessor nicht so viel Leistung benötigt wie ein Quadcore mit FullHD-Display. Durch diesen günstigen Umstand erweist sich das Moto E als wahres Akkulaufzeiten-Monstrum. Ganze 1.980 mAh passen in den Klotz und das hält, nachdem man den Akku richtig eingefahren hat, richtig lange. Bei normaler Nutzung sind locker zwei Tage und mehr machbar. Bei gelegentlicher Nutzung als Zweithandy (Musik-Station oder Navi) macht es sogar eine noch bessere Figur und knackt locker eine Woche und ein paar Stunden. Das alles tröstet darüber hinweg, dass der Akku nicht wechselbar ist.

Leistung: Besser als mancher Quadcore

Das Moto E läuft bei alltäglichen Aufgaben fast immer flüssig und zickt nur bei zu hoher Arbeitsspeicher-Belastung rum. 3D-lastige Games würde ich jetzt nicht empfehlen, für Candy Crush reichen die Ressourcen aber vollkommen aus.

Kurz gesagt: Der interne Speicher ist viel zu klein. Zwar stehen 4 GB ROM auf der Verpackung, davon hat man am Ende jedoch nur 2,2 GB zur Verfügung. Glücklicherweise kann man diesen mit Hilfe einer microSD erweitern. Nach der Installation von ein paar dickeren Apps ist der interne Speicher zu schnell voll, für den Alltag sollten 2,2 GB jedoch reichen, alles Unnötige kann man schließlich auf die SD schieben.

Fazit: Nicht die erste Wahl

fazit

Wer sich ein Einsteiger-Smartphone kaufen möchte und gerne Fotos knipst, der sollte einen großen Bogen um das Moto E zu machen. Die Bilder sind, wie ihr oben seht, einfach nur matschig und in ein paar Jahren möglicherweise sogar als abstrakte Müllkunst zu verkaufen. Wer das Smartphone allerdings nur für alltägliche Dinge oder als Zweithandy benötigt, der sollte das Moto E unbedingt live anprobieren. Es läuft größtenteils sackschnell, hat das neueste Android an Bord, überlebt locker mehrere Tage und fühlt sich sehr gut an in der Hand. Es ist das perfekte Zweithandy, Urlaubshandy, Für-Mutti-Handy oder einfach nur Navi-Ersatz für das Auto. Bei den 119 Euro kann man im Grunde nichts falsch machen, wenn man genau diese Sorte von Smartphone sucht.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.