LG Optimus L7 II Testbericht: Langer Name für wenig Geld

LG Optimus L7 II Testbericht: Langer Name für wenig Geld

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Ich habe letzte Woche zwei Testgeräte von LG erhalten und habe nun die Ehre, euch das erste der beiden vorzustellen. Zuerst komme ich auf das Mittelklasse-Smartphone mit dem Namen „LG P710 Optimus L7 II“ zu sprechen. Dieses ist aktuell für ca 200 Stück ( 212,99€ ) einheimischer Währung bei Amazon zu haben. Lasst euch nicht von dem unfassbar langen Namen abschrecken und schaut, ob es sich lohnt euer Geld in dieses Handy zu investieren.

LG Optimus L7 II

Technische Daten:

  • Größe: 121 x 67 x 10 mm
  • Gewicht: 120g mit Akku
  • Display: 4,3 -Zoll-Display mit 480 x 800 Pixel (WVGA)
  • Prozessor: 1GHz Dual-Core Qualcomm MSM8225 Snapdragon
  • Betriebssystem: Android 4.1.2 mit LG Optimus UI 3.0
  • Speicher: 2GB interner Speicher – erweiterbar mit MicroSD-Karte
  • Konnektivität: 3,5-mm-Audioanschluss, Bluetooth® 3.0, Wi-Fi®: IEEE 802.11 b/g/n, DLNA® für drahtlose Übertragung vom Telefon auf einen kompatiblen Fernseher oder Computer
  • Kamera: 8 Megapixel
  • Akku: 2.460 mAh (austauschbar)
  • Bunter Knopf

Von LG war ich bisher keine guten Telefone gewohnt und Smartphones aus dem niedrigen Preissegmenten sind immer so eine Sache. Dennoch sieht die Verpackung des L7 II ganz solide aus und so ging ich relativ neutral an den Test. Zum Telefon gibt es standardmäßig ein USB-Kabel, Ladeadapter und schrottige Kopfhörer. Schlechte Nachricht für alle Deppen die gerne die Folie auf ihrem Handy lassen: Auf der Folie des L7 II sind diverse Spezifikationen eingetragen, was den Gebrauch des Telefones mit Folie unmöglich macht. Doch ich glaube fest daran, dass es in der realen Welt Menschen gibt, die das vollkommen ignorieren und die Folie dennoch drauf lassen. Genug gehatet, auf geht’s zum Test!

Handling: Viel Plastik und echt billig – Könnte auch beim nächsten Catch the Millionaire mitspielen.

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Okay das war hart, doch man merkt dem Telefon einfach an, dass es nicht bei den Großen mitspielt. Die Rückseite fühlt sich nicht sonderlich hochwertig an und auch das Display wirkt eher semi-cool. Dennoch muss man dem L7 II zu Gute halten, dass sich das Handy an sich brauchbar anfühlt. Das Gewicht stimmt und am Telefon wackelt nichts. Positiv. Was ich als alter Design-Medien-Innenarchitektur-MakeUpVlog-Spezialist schön finde ist die farbliche Gestaltung des Backcovers. Es ist schwer zu beschreiben, aber die Rückseite sieht ein bisschen aus als ob sie mit einem Metallic-Lack versehen wurde. Zur Farbe: Bei uns im Headquarter ist ein erbitterter Streit darüber ausgebrochen, welche Farbe die Rückseite nun genau hat. Dieser Streit war ein typischer „Was ist das für eine Farbe“-Streit unter Männern und beinhaltete viele „Du bist nicht fucking Kate Moss!“, “ Ohne mich wärst du nichts!“ und “ Du bist nicht meine echte Mutter!“, doch wir konnten uns darauf einigen, dass das Backcover nicht schwarz, sondern stark dunkelblau ist.

Vom Optimus UI 3.0 bin ich ziemlich angetan. Es sind viele Kleinigkeiten, welche das OS einfach liebevoll und ansehnlich wirken lassen. So leuchtet der Home-Button beim booten in verschiedenen Farben und beim Entsperren ist ein kleiner Preview-Kreis auf dem eigentlichen Homescreen zu sehen. Sonst ist das UI stark an Android angelehnt, besitzt aber durchaus eine eigene LG-Note. Zu meiner großen Überraschung sind die vorinstallierten Apps alles andere als totaler Müll. So erweist sich die Foto-Übersetzung als relativ zuverlässiges Übersetzungstool, vorausgesetzt man investiert in kostenpflichtige Wörterbücher. Weiterhin ist „Safety Care“ vorinstalliert, was besonders für alte Leute und/oder Menschen mit Hang zu Extremsportarten nützlich sein dürfte. Hierbei kann man nämlich einstellen, dass eine bestimmte Nachricht an bestimmte Leute gesendet wird, falls man das Telefon längere Zeit nicht aktiviert. So muss sich niemand mehr den Arm abschneiden, weil ihn keine Sau in der Wüste Utahs findet.

Was ich echt extrem knorke finde ist die QuickMemo-Funktion des L7 II. Hier gibt es auf der linken Seite des Smartphones einen Knopf, der bei Betätigung automatisch den Bildschirm einfriert und einen Screenshot generiert ( Taste kann auch anders belegt werden ). Hierbei hat man die Möglichkeit den Screen sofort via Notizfunktion zu bearbeiten. An und für sich extrem nützlich für Leute die ihr Handy produktiv nutzen wollen. Für Menschen wie mich bietet es einfach die Möglichkeit überall Geschlechtsteile hinzukritzeln und Hipster können an alles ihre Schnurrbärte malen

Insgesamt läuft alles recht flüssig, das Surfen geht gut von der Hand, man kommt in alle Ecken und das durchdachte UI, mit sinnvollen vorinstallierten Apps, macht Spaß und ist nicht überladen. Wer hätte gedacht, dass sowas geht.

Ausdauer: Es weiß nicht was es tut, aber es tut es die ganze Nacht.

Nach ca. 3 Stunden Ladezeit ist das L7 II ready to rumble. Und es kann lange rumbeln. Insgesamt um die 9 Stunden Gesprächs- bzw. Internetzeit sind für den Anwender drin, was für dieses Preissegment mehr als ordentlich ist. Doch interessant ist eigentlich, ob ich über einen normalen Uni-Tag komme. Mit dem L7 II ist dies kein Problem und so sind ausgedehnte WhatsApp-Gruppensessions, Youtube-Orgien und Facebook-Wortgefechte problemlos möglich, ohne dabei Angst haben zu müssen, dass man ab 15:00 Uhr ohne Power da steht. Selbst Spiele-Sessions sind möglich und man kommt mit der Akkuladung locker bis ans Ende des Tages. Dennoch ist der Akku eher ein Feature, was bei mir nicht positiv auffallen kann. Komme ich damit über den Tag, dann ist das gut, aber für mich eben auch irgendwo Grundvoraussetzung. Wird es allerdings knapp, so sehe ich das als absolutes K.O.-Kriterium, denn meine Fans Freunde erwarten von mir einfach ein abendliches Instagram-Foto, welches mein Essen zeigt. Ruhm ist nicht nur Spaß meine Freunde, sondern auch Pflicht!.

Multimedia: Guter Durchschnitt, bei dem man sich aber mehr gewünscht hätte.

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Unter etwas schwierigeren Lichtverhältnissen erzeugt das Teil hässliche Bilder am Fließband. Doch achtet man etwas auf das Licht, so können sich die Bilder durchaus sehen lassen. Besonders gut gefallen mir die „Makro“-Aufnahmen, welche ich in so guter Qualität nicht erwartet hätte. Dennoch liesen die 8 Megapixel auf dem Papier erst einmal auf hochwertige reale Bilder hoffen. Doch in der Technikwelt ist es ist ein bisschen wie bei den Profilfotos von Frauen: Man(n) sollte immer vorsichtig mit voreiligen Urteilen sein. Meines Erachtens nach hätte eine 5 Megapixel-Kamera mit höherer Qualität wesentlich bessere Bilder abgeliefert. Doch für Schnappschüsse von attraktiven/hässlichen Menschen in der S-Bahn reicht es allemal.

Der Sound ist für den Preis durchaus in Ordnung, nur finde ich den vorinstallierten Speicher extrem schwach. Jedoch besteht hierbei die Möglichkeit via microSD-Karte aufzurüsten, aber das halte ich immer für nervig und umständlich. Ja, ich oute mich als Freund von Handys ohne erweiterbaren Speicher. Die Lautsprecher sind in der Rückseite des Telefones verbaut und liefern ein angenehmes Klangbild bei getesteter Musik ( Hardstyle! YEAH! ). Leider sind sie meines Erachtens nach sehr unglücklich verbaut, denn sie befinden sich – falls man das Telefon in der rechten Hand hält – direkt in der Handhöhle ( heißt das so? ), wodurch ein echt hässlicher Schall entsteht. Ich könnte euch jetzt bestimmt noch was über Höhen/Tiefen und Bass erzählen, aber davon habe ich keine Ahnung und bin auch der Meinung, dass das niemanden interessiert. Vor allem nicht bei Handy-Lautsprechern, welche nur von den Vorm-Supermarkt-hängenden-Drogenkids zum Hören von Musik genutzt werden.

Leistung: Wird den Tianhe-2 nicht als schnellsten Computer der Welt ablösen

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Der verbaute 1 GHz-Prozessor mit zwei Kernen ist nun nicht das non plus ultra der Technikszene. So ist es nicht verwunderlich, dass aufwendigere 3D-Spiele dem L7 II arge Probleme bereiten. Es ruckelt vor sich hin und von Spielegenuss kann nicht wirklich die Rede sein. Das ist alles noch verschmerzbar, doch auch normale Programme wie Youtube bringen das L7 II ab und zu aus dem Konzept. Sowas dürfte eigentlich nicht passieren, auch nicht bei Smartphones im unteren Preissegment. Das normale Bedienen bereitet jedoch wenig bis keinen Ärger und wirkt relativ flüssig. Hier liegt vermutlich auch der Grund für die Ausdauer des Telefons. Es wurde einfach am Leistungs-Ende gespart. Ob das nun so cool ist, ist denke ich, Geschmackssache. Weitere sexuelle Anspielungen, welche mir gerade zuhauf einfallen, werde ich mir verkneifen und komme nun zu einem abschließendem Fazit

Fazit: Das Handy für alle, denen ihr eigenes Handy geklaut wurde

Für mich das bisher beste Telefon in dieser Preisklasse und definitiv empfehlenswert für alle mit einem schmalen Geldbeutel bzw. für alle die der Meinung sind, dass 500 € für ein Smartphone zu viel sind. 200 € sind für soviel Technik definitiv ein fairer Preis und alle die in diesen Preissegmenten unterwegs sind erhalten mit dem L7 II ein ordentliches Handy. Technik-Enthusiasten welche viel Leistung zum Schnäppchenpreis wollen, werden mit diesem Smartphone jedoch nicht glücklich.

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Marcel

Der Reißverschluss, das Internet und Ketchup waren meine Ideen. Bist du cool, dann folgst du mir bei Twitter.