LG L70 (D320) im Test: Kecke Konkurrenz für das Moto G

LG L70 (D320) im Test: Kecke Konkurrenz für das Moto G

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Mit dem Renoir KC910 schaffte es LG im Jahre 2009 in mir einen unbändigen Hass gegen Geräte des Herstellers aufzubauen. Bis zum Nexus 5 hielt diese Unzufriedenheit an. „Scheinbar kann der Hersteller ja doch brauchbare Geräte bauen“ (auch wenn der Akku shiete ist), kam mir in den Sinn. Nun war es also an der Zeit, dass ich über meinen dicken Sumoringer-Schatten springen wollte, um einem neuen LG-Smartphone eine Chance zu geben. Mit dem L70 schickte LG ein günstiges Einsteiger-Gerät in den Ring, welches in direkter Konkurrenz zum Moto G steht. Ob das LG L70 in drei Wochen mein Stachele verzaubern konnte oder ob ich es wutentbrannt auf dem Boden zerschmetterte, erfahrt ihr im Folgenden Testbericht.

Technische Daten: LG L70

  • Maße: 127 x 67 x 9,5 mm und 126 Gramm
  • Display: 4,5 Zoll IPS TFT mit 800 x 480p (207ppi)
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 200 DualCore MSM8210 mit 1,2 Ghz Taktung und Adreno 302 GPU
  • Arbeitsspeicher: 1 GB
  • Speicher: 4 GB (erweiterbar per microSD-Karte)
  • Kamera: 5 Megapixel mit LED Blitz und 0,3 MP vorne
  • Akku: 2.100 mAh
  • Betriebssystem: Android 4.4.2 KitKat mit LG Oberfläche
  • Konnektivität: Wi-Fi b/g/n, Bluetooth 3.0, A-GPS,
  • Farben: Schwarz und Weiß
  • Sonstiges: Knock Code
  • Preis: rund 130 – 160 Euro

Lieferumfang: LGanzOkay

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Wer beim Kauf des LG L70 viele Gadgets und einen riesigen Haufen Zubehör erwartet, der sollte nicht zu viel erwarten. Andererseits wird man aber auch nicht enttäuscht, weil man das Zeug bekommt, was man bei einem Smartphone-Kauf erwartet. So werden USB-Ladekabel, passender EU-Adapter und ein billiges Headset mitgeliefert. Bei einem Preis von knapp über 100 Euronen ist das schon fast spendabel. Bei dem Presse-Testgerät war leider kein Lieferumfang vorhanden, weshalb ihr mir das nun glauben müsst, dass das alles dabei ist. Zu der Qualität des Headsets kann ich daher nichts sagen, aber bei dem Preis sollte man nun keine Bose-Qualität erwarten.

Handling: LGähn

Von außen betrachtet wirkt die weiße Version des LG L70 wirklich sehr hübsch und schön designed. Der silberne Streifen in der Mitte wirkt ein wenig wie der Ralley-Streifen auf einem VW-Polo aus dem Jahre 1998: Sieht passabel aus, macht daraus aber auch kein Ferrari. Das L70 liegt mit seinen Maßen recht handlich in den Griffeln, jedoch stört die Struktur der Rückseite. Diese ist unfassbar glatt und rutschig, so dass es mir schon fast (2x) aus der Hand geflutscht ist.

Bei dem Display setzt LG auf ein 4,5 Zoll großes IPS-Display, welches Platz für 800×480 Pixel bietet. Im Vergleich zur HD-Auflösung des Moto G ist das wirklich nur lachhaft und man merkt den Unterschied leider. Überall konnte ich Klötzchen sehen und weinte des Öfteren, wenn ich Candy Crush spielte, weil die Grafiken unsauber dargestellt wurden.

Zudem hat das LG L70 ein sehr großes Problem: Es verfügt über keine Benachrichtigungs-LED. Man sieht also nie, wenn man gerade eine Nachricht bekommen hat. Das ist ähnlich beschissen wie beim Galaxy S4 Mini, das ebenfalls nicht blinken kann. Wer denkt sich so einen Käse aus?

Ebenso ist auch die Tastenbelegung Müll. Die Zurück-Taste wurde Links vom Home-Button platziert und Rechts ist der Menü-Button. Total unbequem mit einer Hand zu bedienen, wenn man einen Schritt zurück möchte.

Multimedia: LGeil

Bei der Ausstattung hat das L70 dafür umso mehr zu bieten. LG spendiert von Haus aus den Knock Code, welcher euch erlaubt mit dem tippen auf das Display das Gerät zu wecken, entsperren und wieder auszuschalten. Es ist ein unheimlich cooles Feature, das den Power-Knopf unfassbar schnell in seiner Funktion entwertet.

Von der Kamera des L70 war ich positiv überrascht. Ich erwartete wieder so einen Pixelmatsch wie beim Moto G, doch die Bilder waren scharf, der Blitz beleuchtete gut und die wurden Farben natürlich dargestellt. Für den Preis des Smartphones bekommt man (verglichen mit anderen Geräten) eine solide Kamera. Überzeugt euch am besten selbst davon.

LG installiert bei dem L70 eine eigene Nutzeroberfläche, welche gut strukturiert und hübsch anzusehen ist. Allerdings frisst diese einiges an Speicher, worauf ich später noch eingehen werde. Teilweise kommt es zu kleinen Rucklern bei der Bedienung, was allerdings auch dem Prozessor geschuldet sein kann. Neben der Oberfläche pack LG auch noch die eigene App „LG Smartworld“, worüber ebenfalls Apps installiert und aktualisiert werden. (Als wären nicht schon genügend Apps vorinstalliert..)

Die verbauten Lautsprecher auf der Rückseite sind sehr laut, klingen aber auch sehr schnell blechern. Die Sprachqualität würde ich als gut bezeichnen. Sie ist nicht überragend, aber auch nicht kompletter Müll.

Ausdauer: LGut

Der recht große Akku, die niedrige Auflösung und der Dualcore-Prozessor sorgen dafür, dass das LG L70 eine sehr starke Darbietung bei der Ausdauer zeigt. Ich habe es nur geschafft den Akku unter 24h zu prügeln, indem ich den ganzen Tag Angry Birds gezockt habe.

Leistung: LGehtMalGarNichtKlar

Der verbaute Dualcore-Prozessor ist für die alltäglichen Dienste vollkommen ausreichend. Man kann damit surfen, Musik hören und ab und sogar Spiele wie Angry Birds flüssig spielen. Zu anspruchsvolle Spiele sollten allerdings vermieden werden, da das L70 sonst schnell ins Straucheln gerät.

Nicht nur bei aufwendigen Spielen, sondern auch bei der Speicherkapazität macht das L70 keine gute Figur. Von Beginn an standen nur 1,5 GB (!!!) frei zur Verfügung, wovon bereits 650 MB belegt waren von Anwendungen. Im Endeffekt hatte ich also nur 1,1 GB Speicher zur Verfügung. What the fuck, LG? Was soll sowas? Zwar kann man den Speicher über eine microSD-Karte erweitern, aber ehrlich mal? Was soll sowas? Nach einer Stunde Play-Music-Streaming war der Speicher dann auch schon voll und ich musste die Streaming-Daten löschen, damit ich wieder für eine weitere Stunde Musik streamen konnte. Zu große Spiele kann man nicht einmal runterladen.

Fazit: LGanzBrauchbar

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Wer den Weg auf das Android-Parkett wagen möchte, der ist mit dem LG L70 sicherlich nicht schlecht beraten. Gute Ausdauer und passable Bilder lassen zu dem Preis keine Wünsche offen. Lediglich der sehr geringe Speicher und die gewöhnungsbedürftige Rückseite wirbeln einen faden Beigeschmack auf. Allerdings würde ich das Moto G weiterhin als Nummer1 unter den Einsteiger-Smartphones empfehlen. Das L70 kommt zwar nah ran aber schafft es nicht einmal gleichzuziehen.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.