LG G3 Testbericht: Eher so „meh“

LG G3 Testbericht: Eher so „meh“

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Heute kommt er endlich, der Testbericht zum neuen LG G3. Mittlerweile schleppe ich das Smartphone seit rund einem Monat mit mir rum und es wird langsam mal Zeit, für meine Meinung zu dem Gerät.

Nach den ersten paar Stunden hatte ich damals schon meine ersten Erfahrungen aufgeschrieben. Jetzt also schauen wir, ob sich  meine Meinung geändert hat und wie sich das LG G3 in diesem Monat geschlagen hat. Eins vorneweg: Ich bin immer noch zwiegespalten.

Technische Daten meines Testgerätes

  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 801 mit 2,5GHz
  • Display: 5,5 Zoll, 1.440 x 2.560 QHD
  • Speicher: 16GB, erweiterbar mit microSD
  • RAM: 2GB
  • Akku: Li-Ion Akku 3.000 mAh (Austauschbar)
  • Maße: 146,3 x 74,6 x 8,95mm
  • Gewicht: 151g
  • Kamera: 13 MP, Laserfokusshizzle

Die ersten Schritte mit dem LG G3

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LG hat dem G3 eine wunderschöne Verpackung spendiert und auch das Design finde ich wirklich gelungen. Das wusste ich aber schon seit London, wo ich das Gerät zum ersten mal begrabbeln konnte. Obwohl es nur Plaste ist, erweckt das Smartphone einen wertigen Eindruck bei mir. Auch das Metallbrush trägt seinen Teil dazu bei. Außerdem ist das G3 nicht mehr so glitschig wie der Vorgänger.

In der Verpackung finden wir den üblichen Kram, deswegen gehe ich da jetzt nicht noch mal näher drauf ein.

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Also das G3 rausgeholt, Akku eingesetzt und den Androiden angeschalten. Wie mittlerweile bei LG üblich über die Tasten auf der Rückseite. Einschalten geht locker flockig von der Bühne, Daten vom Gmail-Konto eingehämmert und los geht die wilde Fahrt. Oder die Fahrt. Oder der gemächliche Spaziergang. Kaum werden die trölftausend Apps aus dem Play Store geholt, die sich so angesammelt haben, wird das G3 sofort heiß und langsam. Aber das passiert quasi bei jedem Smartphone am Anfang.

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Da ich das also gewohnt war, hab ich das erstmal unter „ist normal, ey“ abgetan. Nachdem dann alle Apps installiert waren, das G3 vorsichtshalber neugestartet und das erste mal so wirklich die UI bewundert. Leider gab es trotzdem immer wieder Leistungsprobleme. Dazu kommen wir jetzt mal im Detail.

Handling: Geiles Design, knorke Haptik und ein Gefühl von Wertigkeit

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Das LG G3 ist eine nette Evolution vom G2. Die Koreaner haben alle Dinge ausgemerzt, die mir beim Vorgänger auf die Eier gegangen sind. Darunter zum Beispiel die glänzende Rückseite, die jetzt einer Metalloptik weichen musste. Dadurch wirkt das Gerät einfach griffiger und nicht mehr billig.

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Die ganzen tollen Sachen vom G2 wurden beibehalten, wie zum Beispiel die Rear-Keys und das äußerst sexy kompakte Gehäuse. Wir haben hier ein 5,5 Zoll großes Smartphone, es kommt mir aber nicht so vor. Dem schmalen Rahmen ums Display sei dank.

Bisschen ärgerlich ist allerdings, dass das Gehäuse teilweise knarzt. Zumindest wenn man wie ein Kaputter auf der Rückseite rumdrückt. Und ja, das machen Leute. Vor allem andere Techblogger, denen man das Ding zum Zeigen in die Hand drückt. Dafür lässt sich die Rückseite abnehmen, was mir tatsächlich schon zu gute gekommen ist, als mir das Smartphone aus meinen geschmeidigen Tastaturhänden entglitten ist und Richtung Fließen gesegelt ist: Der Akkudeckel ging auf und der Akku ist rausgeflogen. Sonst keine Schäden. So muss das. Noch besser allerdings: Gar nicht erst fallen lassen.

Ein nerviger Kritikpunkt hingegen ist die Buchse fürs Ladekabel. Es ist schon ein ganz schönes Gefummel, dass Kabel da rein zu bekommen, weil die Kontakte anscheinend etwas tiefer sitzen als gewöhnlich und man tatsächlich richtig zielen muss und ich teils mehrere Anläufe brauche.

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Leistung: Ich bin richtig enttäuscht, auch nach dem Update

Kommen wir zur Leistung, ein Punkt, der für mich persönlich wirklich wichtig ist. Vor allem bei einem Highend-Smartphone, für das man aktuell 579€ auf den Tisch legen muss. Und hier bin ich nach einem Monat immer noch richtig enttäuscht. Das anfängliche Ruckeln hat sich leider über den Zeitraum nicht verbessert.

Es ist so ziemlich egal, was ich mit dem Gerät gemacht habe, es ruckelt so gut wie immer. Und das ist wirklich traurig, weil die Hardware eigentlich viel mehr verspricht. Aktuell scheint sich auch abzuzeichnen, dass das Problem nur bei der Variante mit 2GB auftritt. Kollegen mit der größeren Variante haben die Probleme nicht.

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Ich würde es ja prinzipiell auf das beschissene Ram-Management schieben. Es fällt zum Beispiel extrem auf, wenn ich Candy Crush spiele. Wenn ich während des Spiels die Anwendung verlasse, um entweder das Datum vorzustellen oder eine Email zu lesen, wird Candy Crush beim Wechsel zurück ständig komplett neu geladen. Scheint also komplett aus dem Ram verschwunden zu sein. Das ist natürlich super nervig und war ich bisher so auch nicht gewohnt.

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Es hilft selbst zu weiten Teilen nicht, wenn ich alle geöffneten Apps wieder schließe. Und das will ich ehrlich gesagt auch nicht ständig machen bei einem Smartphone zu dem Preis. Das führt halt auch dazu, dass Facebook ständig neu lädt, wenn ich die App wieder öffne und alles immer irgendwie zu lange dauert.

Dann kam von LG irgendwann eine Email, dass es ein neues Update gibt, welches die Performance, Akkuprobleme und die Hitzeentwicklung in den Griff bekommen soll. Bewusst habe ich erst ein paar Tage noch das G3 mit dem Update genutzt um zu sehen, ob es eine Besserung gibt.

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Und was soll ich sagen. Schneller ist es nicht geworden. Allerdings wird es wenigstens gefühlt nicht mehr so warm. Vor dem Update konnte ich damit Eier braten, wenn ich 5 Minuten Candy Crush gespielt habe. Oder angeschrien, je nach Level. Das darf nicht passieren und hier muss LG schnellstmöglich nachliefern. Die Hardware kann mehr, es ist eindeutig ein Software-Problem.

Multimedia: Kamera mit netten Features

Wie immer gilt: Mich persönlich interessiert die Kamera nicht wirklich, weil ich selten Fotos mache. Deswegen bitte anhand der gleich folgenden Bilder selbst ein Bild machen.

Kommen wir aber erstmal zu den Features, die auch ich ganz geil finde. Da hätten wir zum einen den Laserfokus. Der sorgt dafür, dass in 300 Millisekunden das Bild scharf gestellt ist und gefühlt sofort ausgelöst werden kann. So sind auch Schnappschüsse mit brauchbarer Qualität drin. Normalerweise werden deshalb auch gleich Fotos geschossen, wenn ihr in der Kameraapp auf das Bild tippt. Leider ging das nach einer Weile bei mir nicht mehr und ich hab keine Ahnung, wie ich das wieder aktiviere.

Daneben haben wir dann noch allerelei Features die sich vor allem Richtung Selfie bewegen. Habt ihr die Frontkamera aktiviert, könnt ihr eure offene Hand ins Bild halten, macht dann eine Faust und dann wird in drei Sekunden das Bild ausgelöst. Coole Sache, vor allem weil es keine seitlichen Buttons zum Auslösen der Kamera gibt.

Außerdem lässt sich einstellen, dass ihr Fotos mit eurer Stimme schießen könnt. Dabei hört das LG G3 auf Begriffe wie „Cheese“, „Smile“ und andere Konsorten. Daneben gibt es dann natürlich noch HDR und den ganzen Kram.

Videos könnt ihr in UHD aufnehmen und dabei ordentlich viel Speicherplatz verbrauchen. Dafür sehen die Videos dann auch dufte aus. Sofern natürlich genug Licht vorhanden ist und ihr nicht gerade nebenbei an einer Rüttelplatte arbeitet.

Optimus UI: Die Oberfläche sieht endlich gut aus

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Beim LG G2 ging mir vor allem die bunte Oberfläche richtig auf die Eier. Alles wirkte überladen und für meinen Geschmack einfach zu kindlich. Das hat LG beim G3 mit der neuen Version der Optimus UI ausgemerzt. Und wie!

Schon nach dem ersten Start hab ich mich wohl gefühlt. Gedeckte Farben, flaches Design und nette Animationen geben ein schönes Gesamtbild ab. Auch ist die Benachrichtigungsleiste jetzt von Anfang an recht aufgeräumt. Oben haben wir die typischen Schnelleinstellungen und darunter noch die Helligkeit. Kein QSlide mehr und den ganzen anderen Kram. Der ist immer noch vorhanden, muss aber erst aktiviert werden. Optimal für Minimalisten wie mich.

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Passend zur neuen Oberfläche gibt es auch einen ganzen Bulk an Optionen. Wie zum Beispiel die gleichzeitige Ansicht von zwei Apps. Dazu einfach lange auf die Zurück-Taste drücken und dann eine App nach oben ziehen und die andere nach unten. Habe ich persönlich nicht genutzt, weil das bei 5,5 Zoll immer noch irgendwie eklig ist, funktioniert aber im Test ganz gut. Wenn man es denn braucht.

Auch die anderen Funktionen sind auf „Produktivität“ mit dem Smartphone getrimmt. Wirklich cool ist aber vor allem QuickMemo+. Zieht mit dem Finger über die Home-Taste und schon könnt ihr das aktuelle Fenster mit Notizen zukleistern. Oder wie in meinem Fall: Mit einem Penis. Das Bild geht dann an unsere Blog-interne Hangouts-Gruppe und schon geht das Battle los, wer den besten Pimmel kritzeln kann. Die Funktion kann aber sicher auch für was sinnvolles genutzt werden. Wie Anmerkungen auf einem Bild, einer Skizze oder in einer Email.

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Dann hat LG noch die neue Tastatur groß angepriesen. Die kann schlaue Vorschläge machen und solche Sachen. Hat bei mir nur, aus welchen Gründen auch immer, einfach nicht funktioniert. Ich hab nicht ein einziges mal einen Vorschlag für das nächste Wort bekommen. Oder ich hab das bei der Vorstellung einfach falsch verstanden, kann auch sein. Cool hingegen ist die Funktion, dass man mit dem Finger über die Leertaste fahren kann und so genau den passenden Buchstaben auswählen kann, wenn man sich mal verschrieben haben sollte.

Danke LG, für diese schöne Oberfläche. Wirkt für mich endlich mehr wie Android. Jetzt noch das Update auf das neue Design von Android L und ich hab gar nix mehr zu meckern an der Oberfläche.

Display: Mir ist QHD nicht sonderlich aufgefallen beim Test

In London wurde es hoch angepriesen: Das LG G3 Display kommt mit einer QHD-Auflösung. Weltneuheit. Brauchste. Unbedingt, Alter! So oder so ähnlich waren die Worte des Vortragenden. Nach einem Monat kann ich dazu nur sagen: Ich hätte auch keinen Unterschied gesehen, wenn das jetzt „nur“ FullHD gewesen wäre.

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Im Gegenteil, teils wurde der Text so komisch dargestellt, dass er irgendwie sogar zu scharf gewirkt hatte. Und damit wieder unnatürlich. Ansonsten fällt das Display bei der normalen Benutzung null auf. Ich hab immer noch Platz für fünf Icons unten im App-Drawer. Internetseiten werden auch nicht anders dargestellt.

Prinzipiell führt das Display für mich nur zu stärkerem Akkuverbrauch und einer höheren Hitzeentwicklung. Allerdings schaue ich auch keine Videos auf dem Smartphone oder schaue mir irgendwelche Bilder an, die auf dem Display dann vermutlich doch geiler aussehen.

Ausdauer: Durchschnitt, würde ich sagen

Da unser Labor mit den vielen Affen und Testgeräten leider immer noch nicht fertiggestellt ist, kann ich euch hier keine harten und derb uninteressanten Zahlen um die Ohren werfen. Ich kann euch nur sagen: Ich bin so gut wie immer über den Tag gekommen. Das bei einer aktuell moderaten Nutzung. Das heißt in meinem Fall: Emails, Twitter, ab und zu telefonieren und eine SMS Schreiben. Und natürlich Hangouts und WhatsApp.

Allerdings fällt hier wirklich das QHD-Display auf. Sobald das Ding an ist, nuckelt das den Strom leer wie ich ein Ben & Jerrys Eis wenn ich eine Folge Game of Thrones schaue. Das ist nicht mehr feierlich. Fünf Minuten Candy Crush verbrauchen dabei gefühlt erstmal 5% des Akkus. Aber das war leider vorher klar, weil das Display muss halt auch mit Strom versorgt werden.

Fazit: Aktuell eher „meh“

Ich war nach der Präsentation in London richtig richtig heiß auf das Teil. Es sieht geil aus, die Features klangen auf der Bühne wirklich grandios und die UI machte sofort einen guten Eindruck. Nach vier Wochen ist von der anfänglichen Euphorie bei mir leider nicht mehr viel da.

Klar, die Kamera ist geil. Die Oberfläche endlich erwachsen. Das Design wirklich wunderschön. Doch die ständigen Ruckler sind für mich ein starker Kritikpunkt. Natürlich kann es auch sein, dass das den meisten von euch gar nicht auffällt. Zumindest die Micro-Ruckler, wenn man durch die Homescreens wischt. Die größeren Ruckler sollten jedem auffallen und bei dem Preis dann auch nicht mehr zu rechtfertigen sein. Allerdings gilt das höchstwahrscheinlich nur für die 16GB-Variante. Wenn also G3, dann mit 3GB Ram und 32GB internen Speicher.

Das Positive daran: Das sollte definitiv ein Software-Problem sein, dass hoffentlich bald von LG behoben wird. Denn dann ist das LG G3 wirklich eines der geilsten Smartphones auf dem Markt. Deswegen von mir ein klares Jain. Stören euch gelegentliche Ruckler nicht, macht ihr mit dem G3 nix verkehrt. Seid ihr Performance-Junkies, würde ich zum jetzigen Zeitpunkt vom Gerät abraten.

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Philipp

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