LG G Watch R im Test: Wenig Sex für viel Geld

LG G Watch R im Test: Wenig Sex für viel Geld

Als Besitzer einer Galaxy Gear von Samsung bin ich nicht ganz unbefleckt was dieses Smartwatch Ding angeht, die G Watch R stellte für mich aber noch mal einen ordentlich Sprung nach vorne dar. Ob dieser erste Eindruck begründet ist oder nicht, lest ihr im folgenden Test.

Ja was soll man sagen? Beim Design von Smartphones gibt es maximal wahrscheinlich 10 Lager mit unterschiedlichen Meinungen, bei Uhren sind es wahrscheinlich so 100000. Der leichte Mix aus Ice Watch und Casio G-Schock sah zumindest im ersten Pressematerial ziemlich – Achtung, böses Wort – SCHEIßE aus. Im real-life (das was niemand von uns hat) ist es aber weniger schlimm.

Uhrengehäuse

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Versuchen wir diesen Aspekt also mal genauer zu beleuchten. Die Uhr fällt zu den Armbändern hin deutlich ab, noch dazu sieht es so aus, als ob die Uhr aus Plastik wäre. Merkmale der G-Schock hab ich hier in der Lünette (äußerer Ring) gesehen, die Erhöhung kenne ich so nämlich nur von meiner alten Casio die ich mit 9 bekommen habe. Aber gut, so sieht es halt nur auf den offiziellen Bildern aus.

In echt merkt man halt, dass da alles aus Metall ist und die Erhöhung fällt auch kleiner aus als es scheint. Ein weiterer Minuspunkt für ist aber noch die verhältnismäßige Größe vom Uhrengehäuse zum „Ziffernblatt“ – aber das ist ja auch voll das Geschmacksding. Das Gehäuse hat übrigens einen 22 mm Anschluss für die Armbänder eurer Wahl.

Kommen wir zum Armband: Bah. LG liefert ein echtleder Armband mit das außen schwarz und innen grau is. Wer es genau wissen will: es ist „Genuine Leather“. Ich trage die Uhr mit eben diesem Arband seit gut drei Wochen, und das sieht man deutlich. An den Löchern die ich benutze ist das Armband deutlich ausgefranst, außerdem hat es schon Biegungen die sich nicht mehr so schnell rückgängig machen lassen.

Display

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Wie auch beim Smartphone ist das Display die wohl wichtigste Komponente für den Endkunden. Dieses ist 1,3″ groß und bietet durch die P-OLED Technologie auch ordentliche Schwarzwerte – eine etwas besser Auflösung wäre aber nicht fehl am Platz. Dank Android Wear (dazu später mehr) kann man das Ziffernblatt frei nach Wunsch wählen und bei Bedarf auch selbst gestalten (externe Apps auf dem Smartphone benötigt).

Leider bleibt ein Display halt ein Display und kann zumindest  heute noch kein Ziffernblatt ersetzen. Ich vermisse hier ganz schrecklich eine reale Tiefe zwischen den Zeigern und dem Ziffernblatt. Je nach Watchface (das digitale Ziffernblatt) kann es auch Schatten unter den Zeigern geben, aber von einer echten Uhr ist das halt wirklich noch seeeehr weit entfernt.

Ansonsten auch hier alles tutti, viel zu meckern gibt es nicht. Das Display ist hell, zieht keine Schlieren o.ä. und die Farben sind halt auch weitestgehend gut. Das wahre Problem liegt nämlich unter dem Display.

Android Wear

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Damit meine ich nicht die Hardware, sondern die Software. Startet ihr die Uhr zum ersten Mal, möchte sie, dass ihr die App Android Wear auf eurem Smartphone installiert – hierfür wird mindestens Android 4.3 benötigt. Dann verbindet ihr die Uhr per Bluetooth und müsst ein nerviges Tutorial durchlaufen.

Und dann seid ihr auch erstmal fertig. Ab jetzt bekommt ihr alle Benachrichigungen doppelt, einmal in der Hosentasche und einmal am Handgelenk. Der Unterschied: Mit der Uhr könnt ihr nur vorgegebene englische (WTF?) Antworten geben oder halt laut, langsam und deutlich die Antwort auf deutsch einquatschen. Google analysiert den Shizzle dann und zeigt euch in textlicher Form was ihr (hoffentlich) gesagt habt. Danach habt ihr ein Zeitfenster von etwa 3 Sek. um das versenden der fehlerhaften Sprache-in-Text Übersetzung abzubrechen – per Berührung auf das Display. Laut „abbrechen“ rufen? Lol, nö.

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Weiter zu dem nächsten Feature der G Watch R: der Pulsmesser. Der ist mit seinen gemessenen Daten in etwa so Zuverlässig wie der Arzt der dich für 2 Euro krank schreibt – kennt jeder. Laut der Uhr sitze ich dann zwischendurch mal im Unterricht mit einem Puls von 103, der nächste Durchlauf wirft als Ergebnis 61 aus – davor waren es 72. Die Richtigkeit der anderen Features kann man schlecht messen, also ersparen wir uns die Enttäuschung.

Abseits von Antworten und Hardwarespezifischen Features noch ein abschließender Teil zu Android Wear: Mehr als Termine, Timer und Nachrichten zu versenden bzw. einzustellen könnt ihr mit dem kompletten System eigentlich nicht.

Akku

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Android Wear und eine aktive Bluetooth Verbindung ist halt die Hölle. 5 – 10 Benachrichtigung pro Stunde bei halber Helligkeit killt eure Uhr innerhalb von einem Tag, seit ihr also mal etwas länger außer Haus dürft ihr die Ladeschale einpacken. Wer auf die doppelten (und mMn. unnötigen) Benachrichtigungen verzichten kann, und somit auch die Bluetooth Verbindung kappen kann, kommt auf deutlich bessere Werte. Ohne aktive Benutzung kommt man tatsächlich ohne Probleme auf vier Tage Nutzung ohne eine Steckdose aufsuchen zu müssen – aber das nimmt ja irgendwie den Sinn einer Smartwatch.

Fazit

Vergleicht man die LG G Watch R mit einer normalen „analogen“ Uhr, ist die runde Schönheit tatsächlich smart. Die Smartheit einer Android Wear Uhr im Vergleich zu einem Smartphone mit Android würde ich aber etwa auf Symbian Niveau setzen. Ohne die aktive Bluetooth Verbindung hat mir die Uhr mehr Spaß gemacht – die Uhr läuft halt locker vier mal so lange und doppelte Benachrichtigungen sind halt endbehinnat.

Ob ihr die Uhr kaufen sollt? Naaajaaaa. Die Frage müsst ihr euch im Endeffekt selbst beantworten, ich würde euch aber nicht empfehlen jetzt schon zuzuschlagen. Investiert die ~260 Euro in eine schöne Fossil o.ä. und wartet noch 2-3 Jahr mit der Anschaffung (höhö, der hat anschaffen gesagt) einer „smarten“ Uhr. Der Mehrwert ist aus meiner Sicht gleich Null, das Smartphone trage ich ja eh immer mit mir mit.

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Dustin

Star-Blogger, Multimillionär, Samsung Fanboy und beliebt - zumindest am Gegenteiltag. An den normalen Tagen lasse ich mich dann auf die Jungs von TechNews und AllAboutSamsung ein - ein Wandel zwischen Himmel und Hölle.