LG E975 Optimus G Testbericht: Der Volkswagen unter den Handys

LG E975 Optimus G Testbericht: Der Volkswagen unter den Handys

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Ende August habe ich das LG Optimus L7 II vorgestellt und dabei versprochen, dass noch ein weiteres Gerät von LG folgen wird. Und hiermit präsentiere ich euch den Testbericht zum LG E975 Optimus G ( das „G“ steht vermutlich für „Gangster“ ). Dieses ist das ( noch ) aktuelle Flaggschiff der Südkoreaner, welches  Ende September vom G2 abgelöst wird. Dies könnte für Sparfüchse und Schnäppchenjäger interessant sein, denn die Ankündigung allein hat für einen kleinen Preissturz gesorgt und somit liegt der aktuelle Straßenpreis des Optimus G bei 374€. Auch wenn jeder weiß, dass Nordkorea das beste Korea ist, wollen wir mal schauen ob das alte Zugpferd aus dem Süden trotzdem was kann.

LG Optimus G

Technische Daten:

  • Maße: 69 mm x 8 mm x 132 mm
  • Gewicht: 145 g mit Akku
  • Display: 4,7 Zoll mit True HD ( 1280 x 768 und 318 ppi )
  • Prozessor: 1,5 Ghz Quad-Core-Prozessor Snapdragon S4 Pro
  • Arbeitsspeicher: 2 GB Ram
  • Interner Speicher: 32 GB ( effektiv: 25 GB )
  • Kamera: 13 Megapixel
  • Akku: 2100 mAh ( nicht austauschbar )
  • Konnektivität: W-Lan, 3,5 mm Audioanschluss, HSDPA, HSUPA, LTE, DLNA

Noch schwer beeindruckt vom Test des L7 II, ging ich mit relativ hohen Erwartungen an das Optimus G heran. Zu allererst fiel mir die Verpackung auf. Extrem hochwertig und ziemlich futuristisch kommt der Karton daher, was mich oberflächlichen Nerd doch gleich etwas hibbelig gemacht hat. Für viele mag die Verpackung nicht wirklich wichtig sein und man sagt auch, dass ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilt werden soll, aber wir sind hier nicht bei Weltbild sondern bei TechNews. Und TechNews findet, dass Frauen, Autos und Smartphones ruhig aufgrund ihres Einbandes beurteilt werden können. Man merkt einfach, dass sich da wirklich jemand mit beschäftigt hat und kein Praktikant neben Kaffee kochen und Candy Crush zocken mal eben irgendwas entworfen hat. Genug von der Verpackung geschwärmt, auf geht’s zum Test!

Handling: Spießig, spießiger, Volkswagen, Optimus G!

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Die futuristische Verpackung geöffnet ging es ans Eingemachte. Handy rausgeholt und es von allen Seiten betrachtet. Gott sieht das langweilig aus. Ein bisschen erinnert es an das Galaxy S II in hochwertig. Und auch wenn man bei der Verarbeitung nicht meckern kann, so wirkt es irgendwie spießig und besitzt keinen Wiedererkennungswert. Wenn ein Comic-Zeichner ein Smartphone in seine Geschichte einbauen will und es keine Marke tragen darf, so würde er sich stark am Design vom Optimus G orientieren.

Da kann selbst die gemusterte Rückseite, die stark an das Nexus 4 erinnert, nichts mehr rausreißen. Sie wirkt sogar eher fehl am Platz, so als ob jemand an seinen schwarzen Audi A4 einen „Punks not dead“-Aufkleber anbringt. Ich will gleich bei diesem Audi-Vergleich bleiben. Das Telefon besitzt eine extrem gute Verarbeitung, die Größe ist mit 4,7 Zoll perfekt, das Logo dezent platziert, die zwei physischen Knöpfe wackeln nicht, das Gewicht passt und es fühlt sich einfach angenehm an. Doch nichtsdestotrotz wirkt es einfach wie ein Handy für Senioren. Eben genau wie ein Audi A4.

Doch sowas finde ich extrem verschmerzlich und mir ist ein Handy mit hochwertiger Verarbeitung und ohne Design lieber als ein extrem flippiges Plastik-Handy. Allgemein finde ich das Handling auch besser als bei den vergleichbaren Galaxy S-Modellen. Eine kleine Anmerkung möchte ich noch bringen, bevor ich noch ein wenig über das UI erzähle. Wie schon beim L7 II ist es möglich mit der Seitentaste den Bildschirm einzufrieren und die QuickMemo-Funktion zu öffnen, was beim L7 II auch wunderbar funktioniert hat. Beim Optimus G allerdings wurde der Extra-Knopf eingespart und so öffnet sich die QuickMemo-Funktion, falls beide Lautstärke-Tasten gedrückt werden.

Selbstverständlich klappt das erst zwischen dem 23. und 45. versuch und die Wahrscheinlichkeit, dass der Bildschirm einfriert wenn der Lautstärke-Regler zu sehen ist, ist extrem hoch. Doch vielleicht liegt es auch einfach an meiner schlecht ausgeprägten Hand-Augen-Koordination, welche ich mit 15 gegen fiese Counter Strike-Skills eingetauscht habe.

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Das UI ist wieder schlicht gehalten und erinnert stark an das normale Android. Es gibt sinnvolle Energiespar-Optionen und es sind nicht allzu viele Müll-Apps vorinstalliert. Doch kommen wir zu einem Punkt, bei dem ich fast meine Contenance verloren hätte. Die LG-Tastatur. An sich handelt es sich auch nur um etwas klitzekleines, aber für mich sehr entscheidendes. Sobald ein Doppelpunkt gesetzt wird, wird er an das vorhergehende Wort herangesetzt. Ich persönlich nutze für Smileys nicht die vorinstallierten Emoticons, sondern mag es eher oldschool mit einfachen Zeichen. Wenn ich nun in meinem normalen Schreibfluss einen Smiley einsetze, dann sieht das so aus: „Hey Janine, du siehst im echten Leben gar nicht so fett aus wie auf deinen Facebook-Fotos: D“ Leider habe ich keine Möglichkeit gefunden das abzustellen. Das ist doch scheiße. Und somit mache ich es wie Joschka Fischer: Mit Verlaub Herr LG Tastatur, Sie sind ein Arschloch.

Ausdauer: Kurz vor dem Ziel gestolpert

Etwas verwöhnt von der beeindruckenden Akku-Leistung des L7 II, habe ich von so einem großen und schnellen Handy nicht viel erwartet. Doch zu meinem großen Erstauen konnte sich das so nicht bestätigen. Das Optimus G kann, trotz kleinerem Akku und größerem Prozessor, lange. Sehr lange. So lange, dass es manchen vielleicht schon weh tun wird, doch nichts was mit ein bisschen Spucke nicht trotzdem gehen könnte. Selbst bei einem ereignisreichen IFA-Tag ( Beginn: 7 Uhr ), welcher hauptsächlich aus navigieren ( Zitat Philipp: “ WO IST VERSCH*** PARKDECK 17?! FRAG MAL DIE ALTE DA!“ ) twittern, E-Mail, Facebook, Fotos, WhatsApp, SMS, Telefonaten und allgemein allen Elektro-Freuden bestand, machte das Telefon nicht vor 23 Uhr schlapp. Das fand ich schon ziemlich beeindruckend. Selbst längere Spiele-Sessions ziehen nur wenig Akku. So hat meine Freundin die Tamagotchi-App „Pou“ für sich entdeckt und gleichzeitig  mein Optimus G unter ihren Herrschafts-Fuchtel gestellt. Auf die Frage: “ Wieso brauchst du mein Handy dazu, du hast doch „Pou“ auf deinem eigenen Handy?“ kam lediglich ein “ So kann ich doppelt soviel spielen.“

Eine kleine Anmerkung zum Akku: Obwohl das Optimus G sehr verlässlich ist, sollte man ab 20 % Akku-Leistung etwas vorsichtig sein. So kann es gut und gerne vorkommen, dass der Akku innerhalb von 2 Minuten auf 15 % fällt, dort dann eine halbe Stunde verweilt und dann wieder innerhalb von einer Minute auf 3 % fällt. Falls man kurz einen Ausflug in die ostdeutsche Einöde machen will und sich sagt: „Ach 20 % reichen für 20 Minuten Navigation locker“ dann könnte dies ein böses Erwachen nach sich ziehen. Und sächsische Dorfbewohner nach dem Weg zu fragen ist auch nicht so das Wahre.

Multimedia: Sag mal „Cheese“

Die verbaute Rückkamera macht relativ vernünftige Bilder und sogar die Frontkamera weiß zu überzeugen. Jedoch ist das an eine Bedingung geknüpft: Gutes Licht. Sobald das Umgebungslicht schwächer wird, fällt auch die Qualität der geschossenen Fotos drastisch. Die so aufgenommenen Bilder erinnern mich stark an den typischen westlichen Rentner: grau,schwammig und wenig Sexappeal. Durch den Megapixel-Wahn investieren Hersteller lieber in mehr Bums als ins bessere Sensoren, von daher ist das Ergebnis nicht weiter verwunderlich. Die meisten versuchen sich dann noch mit einem eingebauten Blitz zu retten, der bei dem Optimus G leider mehr als unterdurchschnittlich ausgefallen ist. Doch Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, also solltet ihr euch selbst ein Urteil bilden.

Lautsprecher sind wie beim L7 II unpassend verbaut, liefern aber einen passablen Sound. Nichts um beim Tuning-Treff vor der Aral einen auf dicke Hose zu machen, aber für die morgendliche Beschallung im Bad durchaus ausreichend.

Abschließend will ich noch ein paar kleine abgefahrene Funktionen im Aufnahme-Modus ansprechen. Die Kamera verfügt über eine Voice-Steuerung, falls man sich im Kamera-Modus befindet. Sprich sobald ein bestimmter Befehl ( „Cheese“, „Smile“, „Whisky“, „LG“ ) ausgesprochen wird, fotografiert das Optimus G. Das ganze klappt erstaunlich gut, sogar wenn ich meinen extrem erotischen sächsischen Dialekt raushole und „schiehß“ sage. Perfekt um mit der Rückkamera Selfies zu machen, da nun nicht mehr der Auslöser betätigt werden muss, was oft zu wackeligen Fotos geführt hat. Und wackelige Fotos bekommen keine Likes und das ist scheiße. Weiterhin ist eine Time-Catch-Funktion integriert, welche Fotos aufnimmt bevor ihr den Auslöser drückt. Beides extrem nützliche Features wie ich finde ( Perfekt würde ich es finden wenn via Voice-Befehl zu jedem Zeitpunkt ein Foto aufgenommen werden kann, man quasi das Öffnen der Kamera-App überspringen könnte ). Eigentlich eine perfekte Handy-Kamera mit netten und innovativen Features on top. Auch im Multimedia-Bereich hat sich LG bei seinem Zugpferd keine Patzer erlaubt.

Leistung: Wolf im Schafspelz auf Crack

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Wenn man das Handy so betrachtet, dann erwartet man eigentlich keine übermäßige Leistung. Es sieht aus wie von vor 2 Jahren, doch die Specs lesen sich eher wie aktueller High-End-Kram. Und der 1,5 Ghz Quad-Core in Verbindung mit den 2 GB Ram erfüllt seinen Zweck. Aufwendige 3D-Spiele, Surfen im Netz, Videos schauen, Multitasking, etc. ist alles kein Problem und mir ist es nicht gelungen mein Optimus G in die Knie zu zwingen. Minimale Ruckler und bisher keinen einzigen Aussetzer, obwohl es sich bei mir aktuell in der Dauernutzung befindet. Viel mehr kann ich dazu auch nicht sagen, außer dass ich mehr als zufrieden bin. Wo beim L7 II noch ein Kompromiss zwischen Akku und Leistung gefunden werden musste, kommt der Nutzer eines Optimus G in den Genuss von Beidem. Wie ein Duracellhase der statt einer Trommel einen Raketenwerfer in der Hand hat. Aber keinen normalen Raketenwerfer, sondern einen der mit tollwütigen Haien schießt. Explosive Haie.

Fazit: Made in Germany aus Südkorea

Gäbe es deutsche Smartphones, dann wären sie alle wie das Optimus G. Understatement, perfekte Verarbeitung, Leistung am oberen Ende der Technikskala und dennoch zuverlässig. Aktuell sogar zum absoluten Schnäppchenpreis zu haben. Vor ein paar Wochen konnte man mich mit LG noch nicht von der Couch locken, doch nach den beiden Tests habe ich tatsächlich Lust auf mehr und besonders auf das G2. Mittlerweile sehe ich LG sogar noch vor Samsung, HTC und da das Moto X nicht in Europa erhältlich ist auch vor Motorola ( Hiermit möchte ich meine tiefe Abneigung gegenüber der Marketingabteilung von Motorola aussprechen ). Empfehlenswert für alle Sparfüchse die keine Leistungseinbußen hinnehmen wollen, aber vermutlich kein Telefon für flippige Partyqueens mit 5000 Instagram-Followern.

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Marcel

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