Google Cardboard VR-Brille im Test: Günstiger Pappaufsetzer mit kaum Features

Google Cardboard VR-Brille im Test: Günstiger Pappaufsetzer mit kaum Features

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Als Google auf der diesjährigen I/O ihre eigene Virtual-Reality-Brille namens Cardboard vorstellten (welche man sich aus ein bisschen Pappe, zwei Linsen und etwas Kleber selbst basteln kann) war ich schon leicht neugierig. Da ich allerdings drei linke Hände habe, entschied ich mich das Teil vorgefräst und mit allen Teilen bei einem Händler zu bestellen. Das sollte mir erstens Zeit und zweitens Arbeit ersparen. Denkste.

Handling: Zwei-Hand-Betrieb

Heute, nach knapp zwei Monatenn kam dann endlich der Pappkarton von Dodocase bei mir an. Der Aufbau des Google Cardboard-Gerüsts ging flott von der Hand und war easy auf einer zweiseitigen Anleitung beschrieben. Netterweise war sogar ein NFC-Tag beigelegt, welches ich nicht bestellt hatte, da dieses fünf Euro mehr gekostet hätte – yeah. Doch dann die erste Ernüchterung. Ich wollte mir die Google-Brille auf den Kopf setzen. Doch irgendwie gibt es keine Möglichkeit den Karton auf meiner Nase zu platzieren ohne dass ich meine Hände benutzen muss. Es gibt weder Gummi noch Klettverschluss, um es mir über meinen Kopf zu spannen. Das ist wirklich sehr bitter, weil ich nun die Brille ständig in der Hand halten muss.

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Für einen ersten Test sollte mich das nun aber nicht weiter stören, da ich schließlich nicht den ganzen Tag damit rumrennen möchte – es sei denn es wäre unfassbar geil und würde spontan mein Leben verändern. Allerdings fiel mir auf, dass die Handy-Halterung zu klein ist für mein Note 2. Denn die Cardboard funktioniert nur mit einem Smartphone zusammen. Glücklicherweise passte aber mein OnePlus One rein, weswegen ich das Ding dann doch testen konnte. Auch bei kleineren Smartphones unter 5 Zoll wäre ich vorsichtig, weil das erstens raus rutschen kann und man zweitens sonst zu viel Leerfläche durch die Linsen sieht.

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Leider ist mir nach der intensiven Nutzung aufgefallen, dass meine Stirn unfassbar schwitzt, so dass der Karton einen fetten Flecken aufweist. Möglicherweise muss man zum Gummibund auch noch ein bisschen Schaumstoff kaufen, damit sich die Brille am Gesicht anschmiegt und sich nicht durch den ganzen Schweiß auflöst.

Funktionen: Wenig Spannendes zu erleben

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Nun geht es also um die Funktionalität der günstigen Pappbrille. Google bietet mit der Cardboard-App direkt eine Reihe von Features, die man im virtuellen Raum begutachten kann. Darunter sind Google Earth, Google Streetview, Tour Guide, Exhibit, YouTube, Photo Sphere und Windy Day. Leider muss man dazu sagen, dass das meiste Demo-Versionen sind und man nur wenig Spielraum und Möglichkeiten bekommt.

In Google Earth kann man nur über die Skyline von New York fliegen und mit dem Magneten an der Seite anhalten, wenn man sich umschauen möchte. Leider benötigt die App ewig zum Texturen laden, so dass es keinen wirklichen Spaß macht um die Hochhäuser zu fliegen.

Google Streetview wird hier Street vue genannt, in Anspielung darauf, dass man nur in Paris rumfahren kann. Und diese Strecke ist ebenfalls begrenzt, so dass man quasi ständig im Kreis fährt und nur mit dem Magnet-Ring kurz anhalten kann, um sich umzuschauen.

Der Tour Guide ist quasi das Touristen-Programm für Sofa-Urlauber. Man wird beispielsweise vor das Schloss Versaille gestellt, eine Dame erklärt im Hintergrund ein paar Fakten und kann dann zur nächsten Sehenswürdigkeit hüpfen.

Über die YouTube-Funktion kann man in einem virtuellen Raum Videos von YouTube auf einer Leinwand anschauen. Das ist wirklich nicht sehr spannend.

Da ist Exhibit schon etwas spannender. Hier werden 3D-Objekte dargestellt (Masken, Figuren, etc.) die man über die Kopfbewegung plastisch begutachten kann. Das ist sehr cool gemacht, leider aber auch nur begrenz auf 6 Masken. Danach wird es sowieso langweilig.

Kommen wir also zu den wirklich coolen Features wie etwa Photo Sphere. Darüber kann man bereits geknipste Spheres anschauen und wieder an den Ort zurück kehren wo man sie aufgenommen hat. Das macht wirklich Bock und ich werde nun wohl öfters ein paar Spheres knipsen.

Das absolut beste an der Cardboard-App ist Windy Days. Hierbei handelt es sich um die App, die auch schon auf dem Moto X vorinstalliert war. Man bewegt sich mit dem Kopf in einem 360°-Raum und währenddessen spielt sich eine kleine Geschichte ab, der man mit dem Kopf folgen muss, damit man alles erfährt. Das bockt so richtig und hoffentlich bringt Google auch noch die anderen Geschichten wie etwa buggy nights. 

Es gibt zwar auch andere VR-Apps im Play Store. Jedoch konnte ich bisher keine coole finden.

Look&Feel: Je nach Displayauflösung

Die Linsen der Google Cardboard sind soweit okay. Allerdings gibt es hier das Problem, dass man die nicht anpassen kann und auch die Entfernung zum Gerät immer gleich bleibt. Dies hat auch zur Folge, dass man bei zu geringer Pixeldichte jeden einzelnen Pixel sieht. Daher nutzt Oculus wohl auch das Display des Note 3 in der Rift, da hier kaum Pixel zu erkennen sind. Auch bei meinem OnePlus One ist das Erlebnis um ein Vielfaches angenehmer als beispielsweise auf dem Note 2.

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Fazit: Kostet und kann wenig

Wer sich die Google Cardboard-VR-Brille selbst zusammen bauen möchte, für ein paar Stunden Spaß, dem sei es gegönnt. Aber 20 Euro ausgeben – so wie ich – sollte man sich zwei Mal überlegen. Zumal es für ein paar Euro mehr, bereits stabilere und bessere Smartphone-Halterungen gibt.

Zudem sollte man darauf achten, dass das Display auch groß genug ist. Das Display des OnePlus One passte perfekt, doch andere Geräte sind entweder zu klein oder zu groß.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.