Epson PULSENSE PS-100 im Test: Adieu nerviger Brustgurt

Epson PULSENSE PS-100 im Test: Adieu nerviger Brustgurt

Wer an Pulsmesser bzw. Herzfrequenzmesser denkt, wird wohl zuletzt an Weltkonzern Seiko Epson denken. Bei Epson hat vermutlich jeder zweite Deutsche einen Hersteller von Druckern und Faxgeräten im Kopf. Dass die Japaner aber nicht nur freshe Drucker bauen, bewiesen sie bereits bei der Vorstellung ihrer neuen Fitness-Tracker-Produktlinie in München. Die sechs neuen Fitness-Wearables verfügen teils über eigene Epson-GPS-Technik und teils über einen eigenen Herzfrequenzmesser.

Das Modell PS-100B der Produktreihe PULSENSE (mit Pulsmesser) fand den Weg auf unseren Tisch, so dass ich dieses ausführlich für euch testen konnte. Seit knapp vier Wochen renne ich täglich damit rum, schwitze damit beim Sport, schlafe nachts damit und habe es zu meinem täglichen Begleiter werden lassen. Nun bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich ein Feedback über Stärken und Schwächen abgeben kann und möchte.

Vor dem eigentlichen Testbericht gibt es erstmal kurz die technischen Fakten auf einen Blick, um zu sehen was unter der Haube der PULSENSE PS-100B schlummert.

Technische Daten: EPSON PULSENSE PS-100B

  • Maße: S/M oder M/L (wohl eher Frauen- oder Männerhandgelenk)
  • Sensoren: Pedometer, Herzfrequenzmesser, Lagesensor
  • Akku: 40 mAh (36h Dauermessen)
  • Farben: Schwarz und Türkis
  • Sonstiges: Wasserdicht (bis 3 bar), Bluetooth 4.0, Apps für Android, iOS und Windows
  • Preis: 149,99 Euro UVP

Lieferumfang: Quick’n’Dirty

Wer mit dem Gedanken spielt sein Leben mit der Pulsense PS-100 zu beschreiten, der bekommt beim Kauf ein kleines Päckchen. Ein kleines Päckchen, das man normal bei großen Elektrogroßhändler an der Kasse findet und für 10 Euro noch kurz in den Einkaufswagen schmeißt. Nur, dass dieses Päckchen etwa 150 Euro kostet. Man bekommt aber durchaus etwas geboten für das Geld. Packt man alles aus, findet man das kleine Armband, das Ladegerät und haufenweise Papierkram, das einem erklären soll wie das Dingens funktioniert. Dies sollte man sich auch gut durchlesen, da man sonst womöglich das eine oder andere Problem bei der Bedienung bekommt.

Handling: Schick und leicht

Die Pulsense PS-100 besteht hauptsächlich aus Silikon. Auf der Vorderseite ist ein kleines Plastik-Modul eingelassen, worin sich die ganze Technik befindet. An den Enden der beiden Bändel/Armbändern sitzt ein Metall-Klipser, der dazu dient die beiden Enden des Armbandes stabil festzuhalten. Die Teile wirken sehr wertig verarbeitet, es stehen keine Silikonfetzen ab und alles sitzt bombenfest. Die Uhr liegt gut am Arm, es gibt keine störenden Elemente und man vergisst mit der Zeit, dass man ein Armband trägt. Für mich ist das irgendwie erstaunlich, da ich normal nie Armbänder oder Uhren trage und das meist als störend empfinde.

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Die Pulsense verfügt über fünf LEDs, die live anzeigen wie der Puls gerade ist. Die ersten vier LEDs leuchten Blau und die letzte Orange-Rot. Befindet man sich im Bereich unterhalb der Fettverbrennungszone, leuchtet nur eine LED blau auf. Bei zwei blauen LEDs ist man gerade in der Fetverbrennungszone. Leuchten drei blaue LEDs auf, befindet man sich in der Aeroben Zone.

Bei vier blauen LEDs spricht man vom Anaeroben Bereich, wo der Körper nicht über genügend Sauerstoff verfügt und der Muskel beginnt ohne Sauerstoff zu arbeiten. Dabei werden allerdings nur Kohlenhydrate verbrannt, die aus Glukose bestehen. Heißt also: Man verbrennt kein Fett in dieser Zone. Leuchten alle vier blaue Plus rote LED, dann befindet man sich im Maximalbereich. Hier ist der Körper voll am Anschlag und sollte langsam mal ausruhen, weil das Herz unfassbar schnell schlägt und das nicht wirklich gesund ist.

Auch bei der Veträglichkeit kann ich nicht meckern. Bisher hatte ich noch keinen Ausschlag. Sogar bei unfassbar viel Schweiss bleibt der Arm ohne sichtbaren Reizungen. Und ja, man schwitzt unfassbar schnell unter der Pulsense, aber hier zeigt sich der große Vorteil von Silikon: Das kann den Schweiß nicht aufsaugen – stinkt also auch nicht nach einer gewissen Zeit. Es rutscht nur gerne ein bisschen hin und her. Hoch und runter, hoch und runter. Kurz abtrocknen, dann passt das wieder.

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Da der Tracker für Sportler gedacht ist, muss dieser eben viel Schweiss abkönnen. Deshalb dachte sich Epson wohl: „Lasst uns die Pulsense direkt mal wasserdicht machen bis 3 Bar Druck!“, und so geschah es. Wer also gerne taucht und seinen Puls währenddessen messen möchte, der kann sich auch einfach die Pulsense umschnallen. Ich konnte das leider noch nicht testen, weil ich ein unfassbar schlechter Taucher bin, da meine Augen ohne Taucherbrille direkt rot anlaufen, so dass man meint ich hätte 13kg Marihuana geraucht.

Software: Auslesen und connecten

Neben der handlichen Bedienung am Arm war für mich vor allem wichtig, dass sich der Tracker easy going an diversen Endgeräten auslesen lässt. Hier bedient Epson vom Start weg drei Plattformen: Windows, Android und iOS. Vermutlich wurde das über Phonegap realisiert, so dass alle Apps die gleiche Datenbank verwenden können und man weniger Aufwand beim Programmieren hat. Bei der Android-App PULSENSE View hatte ich leider sehr oft das Problem, dass ein nerviger Fehler auftauchte, was entweder daran lag, dass Bluetooth noch nicht aktiv war oder dass mein GPS deaktiviert war. Glücklicherweise zeigt die App den Fehler an.

Epson PULSENSE View
Epson PULSENSE View
Preis: Kostenlos

Generell ist es also möglich die eigenen Fitness-Daten über das Android-Smartphone hochzuladen und gleichzeitig auf dem iPad anzuschauen und abzulesen. Und hier zeigt sich ein erstes, kleines Problem für mich: Man braucht Internet, um Daten auf ein Gerät zu übertragen. Wenn ich nun also in der Pampa sitze und drei Wochen Training in den Bergen mache, dann bringt mir eine App auf meinem Handy absolut nichts (vor allem weil der Akku wohl nach zwei Tagen leer ist). Aber auch hier hat Epson mitgedacht. Der Tracker speichert die Daten der letzten 480h (20 Tage) auf seinem kleinen Speicher. Man muss die Pulsense so nicht jeden Tag auslesen lassen, sondern kann immer in der Mitte und am Ende des Monats schauen wie viel man sich bewegt hat. Mir wäre das zu wenig, weil ich immer jeden Tag schaue wie tief und fest mein Schlaf war.

Einrichten: Reibungslos geht anders

Um den Tracker einzurichten braucht man ein Epson-Konto und ein Android-, iOS- oder Windows-Gerät. Darin loggt man sich mit den richtigen Daten ein und findet die Funktion „Kopplung“, wo sich der Pulsense-Tracker mit dem Gerät via Bluetooth verbinden lässt. Das funktioniert schon mal nicht mit jedem Gerät, weil nicht alle kompatibel sind. Der Tracker nutzt Bluetooth 4.0 LE, das meines Wissens nach, nicht mit Geräten einer niedrigeren Variante kompatibel ist (etwa Bluetooth 3.0). Über den PC läuft das via USB-Kabel.

Die Kopplung an sich sollte normal ohne Probleme verlaufen, war bei mir aber leider nicht der Fall. Immer wieder kamen Fehlermeldung, mit denen ich nichts anfangen konnte und nach zehn Versuchen hat es dann irgendwie sogar auf meinem OnePlus One funktioniert. Kann entweder an der App, am Tracker oder an CyanogenMod gelegen haben – ich vermute irgendwie letzteres.

Features: Pedometer, Pulsmesser, Schlafrhythmus, …

Und da sind wir dann auch schon bei der ersten Funktion, die die PULSENSE PS-100 bietet. Der Tracker erkennt selbstständig, wann man schlafen geht (über Lagesensoren) und misst nebenher die Herzfrequenz. Über letztere kann man auslesen ob man im Tiefschlaf oder im seichten Schlaf war. Verlangsamt sich die Herzfrequenz, dann schläft man sehr tief und fest – bei mir ist der Puls da meist so auf 38 bpm. Wenn ich nur leicht schlafe steigt mein Puls auch gerne mal auf 70 bpm. Ist ein wirklich cooles Feature, wenn man sich im Schlaf nicht aus Versehen den Tracker vom Arm reißt oder damit irgendwo hängen bleibt.

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Der Hauptfokus der Pulsense PS-100 liegt bei dem Auslesen der Herzfrequenz. Dies geschieht über einen kleinen Laser auf der Rückseite des Trackers. Dieser misst immer im Abstand von fünf Sekunden die Pulsierungen des Blutkreislaufs. Daraus berechnet es dann den aktuellen Puls. Im Prinzip ist es nichts anderes als wenn man sich den Finger an den Hals hält und die Pulsierung für ein paar Sekunden zählt und das eben auf eine Minute hoch rechnet.

Dann gibt es den Pedometer, der misst ob und wie viel man sich am Tag bewegt. Dazu nutzt der Tracker die Bewegung des Armes, um zu erkennen ob man gerade einen Schritt gemacht hat, denn GPS kann das Ding nicht. Wenn man aber lustig ist, kann man das Handy zusammen mit dem Tracker laufen lassen, dann zeichnet dieses nämlich die aktuellen GPS-Koordinaten auf. Will man nur messen wie viel Schritte man am Tag gelaufen ist, reicht die Pulsense vollkommen aus. Ansonsten sollte man sich eher eine GPS-Uhr kaufen, die kontinuierlich auch den Ort und die Zeit misst.

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Neben den Schritten zeichnet die PULSENSE PS-100 zudem auf wie viele Minuten ich am Tag auf den Beinen war. Das ist leicht deprimierend, wenn man nur vor dem Computer sitzt und abends abliest, dass man nur etwa 20 Minuten unterwegs war. Ich muss gestehen: Das motiviert sogar etwas die Beine öfter zu benutzen. Mittlerweile laufe ich sogar öfter am Tag zum Kühlschrank, anstatt nur morgens die Tagesration zu mir zu holen. Fuck yeah!

Dann gibt es da noch den Entspannungsmesser. Dieser zeigt an wie gestresst ich im Moment sein sollte, da dieser zusammenrechnet wie hoch der Puls über den Tag gerechnet war. War der Puls oft weit oben, ist man natürlich gestresst und andersrum. Ebenfalls wird der Schlaf eingerechnet. Falls dieser leicht und stressig war, zeigt der Entspannungsmesser am Morgen an, dass man gerade im Stressmodus ist. War der Schlaf sehr tief und erholsam, zeigt es an, dass man entspannt sein müsste. Ein nettes Feature, mir hat sich der Nutzen nur noch nicht ganz erschlossen. Ich fühl mich immer gleich geil, egal wie gut ich geschlafen habe.

Für freudige Fitness-Fanatiker gibt es zu guter Letzt einen Kalorien-Zähler in der App, der sich aus allen gemessenen Puls-Messdaten, Schritt-Daten, sowie eingegebener Körpergröße und Körpermasse ausrechnet wie viele Kalorien man auf dem Weg von dem Computer zum Klo oder beim Sport verbraucht hat. Sogar beim bloßen Sitzen verbrennt man ungefähr 4 Kalorien pro 5 Minuten – zumindest so in etwa.

Zusätzlich bietet die App die Möglichkeit die Kalorienaufnahme zu dokumentieren. Hier gibt es aber nur die Auswahlmöglichkeiten, ob man Leicht, Normal oder Viel gefuttert hat. Ich persönlich nutze diese Funktion nicht, weil es mir einfach zuviel Aufwand ist das jeden Tag einzutragen und ich von Kalorienzählen im Allgemeinen nur wenig halte.

Ausdauer: Länger als mein Smartphone

Der Akku in der Pulsense ist mit 40 mAh relativ winzig, würde man es mit einem Smartphone vergleichen wollen. Dennoch hält der Pulsmesser locker die vom Hersteller angegebenen 36 Stunden durch. Kurz bevor der Saft ausgeht meldet der Tracker mit der blinkenden roten LED, dass bald pulSense ist. Dann ist es an der Zeit das Ding zu laden. Dazu wird es in die mitgelieferte Halterung gesteckt und mit Hilfe des USB-Slots des Laptops oder PCs aufgeladen. Der ganze Vorgang dauert knapp eine Stunde und ist unkompliziert. Mittlerweile hab ich so die tägliche Routine, dass ich Nachmittags immer kurz die Pulsense lade, während ich sowieso am Notebook arbeite.

Fazit: Verlässliche Fitness-Daten ohne nervigen Brustgurt

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Zugegeben ich war leicht skeptisch als ich die Epson Pulsense PS-100 in die Griffel bekam. Aber irgendwie reizte mich schon immer der Kauf eines Herzfrequenzmessers, weil mir der Arzt schon einmal Herzprobleme diagnostizierte (der alte Labersack) und ich irgendwie immer eine Art Sicherheit bei mir tragen wollte. Aber bisher konnte mich kein Gerät wirklich überzeugen. Insbesondere das Tragen eines unkomfortablen Brustgurtes ging mir immer tierisch auf die Koteletten – vor allem beim Leistungssport.

Nun, im Besitz der Pulsense, muss sagen dass ich sie nicht wieder hergeben will. Jeden Tag checke ich meinen Puls, lass meinen Schlaf tracken und lese ab wie viel Schritte ich am Tag gelaufen bin. Teils ändert es sogar meine Handlungsgewohnheiten. Wenn ich sehe, dass der Puls bei Vier LEDs steht, mach ich langsamer und auch der Schrittzähler motiviert mich etwas mehr zu laufen.

Trotz harter sportlicher Bedingungen, ein paar Begegnungen mit der Tischkante und sonstigen Belastungen funktioniert der Tracker noch ohne Probleme. Das Display weist zwar ein paar Kratzer auf, aber es ist eben nur ein Gebrauchsgegenstand und muss nicht so pfleglich bedient werden wie etwa das Smartphone. Einziges Manko der Pulsense PS-100 ist für mich der Preis von 150 Euro, der dem einen oder anderen vielleicht etwas schwer im Magen liegen könnte. Herztracker mit Brustgurt gibt es schon für weit weniger Euronen.

Man sollte aber nicht vergessen, dass da aber einiges an Entwicklung drin steckt und Epson nichts zu verschenken hat. Sucht man ein schmales Gerät, das den Puls messen kann und das länger als ein paar Stunden, zudem noch Schritte zählt und einem erzählt wie gut der Schlaf war, findet man zu diesem Preis nichts Vergleichbares (falls doch, weist mich bitte darauf hin). Es sei denn man will sich eben einen dicken Brustgurt umschnallen.

Zu kaufen gibt es die Epson Pulsense PS-100 nur über deren eigene Webseite.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.