Drei Wochen mit dem iPhone 6 Plus [Testbericht]

Drei Wochen mit dem iPhone 6 Plus [Testbericht]

Als Apple am 12. September, also vor ca. einem Monat das neue iPhone bzw. die neuen iPhones vorgestellt hatte, war zwar klar, dass wieder irgendwelche Rekorde gebrochen werden. Aber das was im letzten Monat an iPhones über den Ladentisch direkt in Apple-Fanboy-Hände gegangen ist, hat die Vorgänger regelrecht zerschmettert. 21 Millionen verkaufte Exemplare und schon jetzt 20 Millionen Vorbestellungen in China, das ist mal ne‘ Hausnummer.

Wie ihr vielleicht im Titel schon gesehen habt, geht es hier um das iPhone 6 Plus, nicht nur das normale iPhone 6. Was mich dazu gebracht hat, so viel Kohle auszugeben? Ich habe keine Ahnung, ich wollte es einfach. Und im Nachhinein war es definitiv die richtige Entscheidung.

Aber fangen wir mal mit den technischen Daten des iPhablets an:

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Display: 5,5″ Full HD Retina Display (1920×1080), ergibt 401ppi

Gehäuse: Aluminium-Unibody Gehäuse (flexibel)

Prozessor: Apple A8 Chip 64 Bit & M8 Motion Core Prozessor

Arbeitsspreicher: 1GB RAM

– Touch ID Fingerabdrucksensor

Speicher: 16, 64 oder 128 GB

Kamera: 8 MP Kamera mit TrueTone Blitz und digitalem/optischem Bildstabilisator und Zeitraffer- & Slo-Mo-Funktion

Frontkamera: 1,2 MP

Akku: 1.810 bzw. 2.915 mAh

Betriebssystem: iOS 8 mit Continuity, Handoff und mehr

Farben: Spacegrau, Silber oder Gold

Handling: Dünn, dünner, Marcel’s Arme, iPhone 6

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Gleich mal vorweg: Nein, mein 6 Plus ist noch nicht verbogen. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage in den letzten 3 Wochen gehört habe, es ist unfassbar, wie die Menschen sich von den Medien manipulieren lassen. Mittlerweile lasse ich es sogar lieber in der Hosentasche, als die Frage nochmal beantworten zu müssen. Ich benutze es jedenfalls wie ein normaler Mensch und es ist immernoch flach wie ein Schneidebrett.

Das iPhone ist wieder aus Aluminium und das fühlt sich einfach jedes Mal aufs Neue verdammt gut an. Was mir an dieser Generation besonders gefällt ist das Display, das an den Seiten abgerundet ist, also eigentlich das ganze, neue Design. Das kantige war zwar cool, aber nach dem 5s hat es mir definitiv gereicht. Die abgerundeten Seiten schmeicheln meiner Hand jeden Morgen ungemein, wenn ich es nach dem Aufstehen in die Hand nehme, hier hat Apple also voll ins Schwarze getroffen (Ich lasse die Größe an dieser Stelle mal raus).

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 19.56.57Die Verarbeitung ist, wie von Apple gewohnt, einwandfrei. Nichts knarzt oder ist annähernd locker, die Knöpfe haben einen schönen knackigen Druckpunkt und man hat hier definitiv ein wertiges Gerät in der Hand. Das kann man für den Preis ja auch erwarten.

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Einziger Kritikpunkt: die Kamera. Das hätte wirklich nicht sein müssen. Die letzten Jahre, als die iPhones immer dünner wurden, prahlte Apple damit, dass sie es wieder mal geschafft haben, die Kamera dünner zu machen und sie so im Gehäuse verschwinden zu lassen. Natürlich sind 7mm schon verdammt dünn und dort die beste Smartphone-Kamera unterzubringen, ist nicht leicht. Aber mal ehrlich, das sieht nicht schön aus. Ich muss aber zugeben, dass ich diesen Kritikpunkt nachdem ich es einen Tag in Benutzung hatte, schon wieder vergessen habe. Im Alltag fällt das überhaupt nicht auf.

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 19.56.42Multimedia

Diesen Punkt werde ich nicht allzu ausführlich machen, denn jeder sollte ein Bild von iOS 8 im Kopf haben und was es alles kann oder auch nicht kann. Aber ein paar Dinge sind dann doch erwähnenswert.

Handoff & Continuity

Um den ganzen Umfang von iOS 8 auszutesten, muss man das neueste Mac OS X Yosemite (Jousämmitti, nicht Dschousmeit) installiert haben, zwar gibt es davon derzeit nur ein Public Beta, aber die finale Version kommt noch diesen Monat.

Continuity ist vom Prinzip eine sehr geile Sache und sie funktioniert besser als ich dachte. Beispiel: Ihr schreibt am PC eine Mail, müsst aber plötzlich weg und wollt sie unterwegs weiterschreiben. Sobald ihr am Mac eine neue Mail schreibt, erscheint links unten auf dem Lockscreen des iPhones ein kleines Mail Icon, das ihr nur hochziehen müsst und schon seit ihr in der Mail App bei eurer halbfertigen Mail und könnt weiterschreiben. Sehr cooles Feature, hat bei mir auch bis jetzt immer tadellos funktioniert.

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 19.59.28Eine weitere Funktion: Telefonieren mit anderen Apple-Geräten über euer iPhone. Beispiel: Euer iPhone liegt auf dem Bett und ihr werdet angerufen. Dann klingelt dank Continuity nicht nur euer iPhone, sondern der Mac (an dem ihr vielleicht gerade sitzt) und euer iPad auch. Jetzt könnt ihr sogar über euren Mac oder euer iPad telefonieren. Das Ganze hat auch in meinen Tests immer einwandfrei funktioniert. Definitiv nutzvolles Feature.

Kamera

Da die Kamera doch auch etwas mit dem iPhone 6 speziell zu tun hat, ist das durchaus noch ein Punkt, den ich kurz ansprechen will.

Fotos sind verdammt scharf, das ist mit Abstand die beste Kamera, die ich bis jetzt in einem Smartphone gesehen habe, ernsthaft. Der Auslöser ist brutalst schnell (ultraschneller Fokus) und dank dem optischen Bildstabilisator (nur iPhone 6 Plus) könnt ihr mit eurem Bobbycar auch über eine Schotterpiste fahren, dabei ein Video drehen, und es sieht trotzdem so aus, als wäre das iPhone auf einem Stativ nebenhergefahren, unfassbar geil.

Hier mal noch ein paar Testfotos. Wenn ihr mehr wollt, mach ich euch gerne noch ein paar.

Drittanbieter-Tastaturen

..sind meiner Meinung nach derzeit komplett für die Katz. Das erste Problem: die meisten Tastaturen sind auf englisch, d.h. das ö, ä und das ü fehlt, und das ist ätzend. Zweites Problem: Die Tastaturen haben noch extrem viele Bugs und haben mir nicht wirklich dabei geholfen, schneller zu schreiben oder mich produktiver zu machen. Nicht einmal so hochgelobte Tastaturen wie Swype oder Swiftkey haben mich überzeugt. Mit der Standard-Tastatur komme ich immer noch am Besten zurecht. Aber das muss jeder selbst wissen, es gibt ja sehr viele kostenlose, ausprobieren kann man die also durchaus schonmal.

Prozessor: Pfeilschnell trotz „nur“ Dual Core und 1 GB RAM

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Ich weiß ehrlich nicht, wie Apple das hinbekommt, das iPhone mit einem Dual Core Chip und 1 GB RAM so schnell zu machen, dass es andere Smartphones, die mit Quad Core Chips und 70 GB RAM angeben, seeehr alt aussehen lässt. Es kann eigentlich nur einen Grund haben: iOS 8 ist einfach verdammt ressourcenschonend und effizient.

Und was genau da unter der Haube interessiert auch eigentlich keinen, solang das Handy schnell ist. Und ich kann euch versprechen: das iPhone 6 ist es definitiv, auch bei graphisch anspruchsvollen Apps bzw. Spielen.

Akku: Endlich 2 Tage ohne Aufladen

Und da wären wir beim gefürchtetsten Punkt des ganzen Tests: der Akkulaufzeit. Gerade bei Apple ist das ein sehr leidiges Thema, denn sie schaffen es einfach nicht, größere bzw. bessere Akkus zu verbauen.

Man muss zwar eingestehen, dass das Retina Display und die zwei Prozessoren einiges an Saft ziehen, aber andere Hersteller schaffen das auch.

Aber was heul‘ ich eigentlich rum, das 6 Plus läutet in diese Hinsicht sozusagen eine neue Ära ein, sie haben endlich einen guten Akku verbaut. Ich bin jetzt nicht wirklich vom Hocker gefallen, aber länger als der Vorgänger hält er allemal, natürlich auch, weil er weitaus größer ist.

Ich als Poweruser bekomme derzeit mit meinem 6 Plus und dem 2915 mAh großen Akku immer 2 Tage hin, ein Luxus, auf den ich beim 4er, 5er und 5s verzichten musste. Richtig angenehm. Leute, die ihr Handy nicht andauernd benutzen bekommen eventuell sogar 3 Tage hin, dann wird es aber schon eng.

Wie es mit der Laufzeit beim 4,7″-Modell aussieht, weiß ich nicht zu 100%. Mein Kumpel sagt jedenfalls, er kann keinen großen Unterschied zum Vorgänger festestellen, der Akku hält einen Tag, mehr nicht.

Hier hat Apple also was unternommen, wenn auch nur beim großen Modell.

Der „Plus“-Faktor: Dürfen’s auch 1,5 Zoll mehr sein?

Als ich meinen allerliebsten Redaktions-Kollegen geschrieben habe, dass ich mir das große iPhone 6 Plus zulegen werde, haben sie mich kurzerhand für komplett bescheuert erklärt, und ich mich kurzzeitig auch. Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe. Es gab eigentlich nicht wirklich einen plausiblen Grund, denn der einzige Unterschied zum normalen iPhone 6 ist, neben dem größeren Display, der optische Bildstabilisator, auf den ich auch gut verzichten könnte. Warum ich es mir dann trotzdem geholt habe? Ich hatte Bock drauf.

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 19.55.32Ich hatte jetzt zwei Jahre „nur“ 4 Zoll und davor 3,5. Ich wollte einfach mal ausprobieren wie das ist, ein übertrieben großes Display zu haben. Für mich ist die Größe des Handys auch kein Problem, weil ich einfach megagroße Bärenbratzen habe, ich kann also noch locker einhändig schreiben. Zugegeben: die Größe war verdammt ungewohnt, es sind halt einfach mal eben 4cm mehr Bildschirm, das fällt natürlich auf.

Aber nach 3 Wochen Benutzung muss ich sagen: Es ist unfassbar geil. Und ich bereue meine Entscheidung kein bisschen. Jedes Mal, wenn ich das 6er von einem meiner Kumpels in die Hand nehme denke ich mir: „gut, dass du dir das Große gekauft hast“.

Das Display ist einfach mega scharf, die Farben sind phänomenal und ich würde kein 4 Zoll Gerät mehr haben wollen.

Noch ein kleiner Größenvergleich mit einem iPhone 4

Noch ein kleiner Größenvergleich mit einem iPhone 4

Was für mich auch noch ein Pluspunkt ist: Das iPad-Feeling. Vor ca. 2-3 Monaten habe ich mein iPad Air verkauft und ich muss sagen ich habe es teilweise vermisst. Aber ich bin ja jetzt Besitzer eines sogenannten Phablets, und ich weiß jetzt auch, warum diese behinderte Bezeichnung Sinn ergibt: Es kommt Tablet-Feeling auf. Das fängt schon mit dem Querformat in Safari an, bei dem das iPhone komplett in Fullscreen geht und es oben Tabs gibt, anstatt diesen Button unten rechts, der nach dem Drauftippem alle Fenster wie Registerkarten anzeigt.

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 19.57.13Und auch wenn die mobilen Portale vieler Websites extra für Smartphones gemacht wurden und die Entwickler versucht haben, sie übersichtlich zu machen, auf dem 5,5″ Display ist surfen nochmal ein ganzes Stück angenehmer.

Das Nächste ist der drehbare Homescreen. Wenn man das iPhone im Homescreeen quer hält, drehen sich die Icons und das Wallpaper mit und ihr könnt alle Apps auch im Querformat nutzen, diese wurden sogar extra nochmal überarbeitet (siehe Fotos).

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Bildschirmfoto 2014-10-15 um 19.57.44Genug rumgeschwult, ich glaube ihr wisst so langsam, was ich meine, das Display bzw. die Größe ist geil. Natürlich ist das irgendwo auch Geschmackssache und wenn ihr Hamsterhände habt, dann werden euch die 5,5″ zu groß sein, aber das muss eben jeder selber entscheiden.

Und um die Hosentaschenfrage zu beantworten: Es geht in jede meiner Hosen ganz locker rein. Falls ihr euch es als Frau zulegen wollt, dann wird es wohl eher nicht in die Jeans gehen. Wobei die Jeans-Industrie ja schon dran ist, größere Hosentaschen zu machen, weil das iPhone so groß ist (kein Witz).

Fazit

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 19.56.08Was soll ich sagen. Mit dem iPhone 6 hat Apple meiner Meinung nach nicht umsonst alle Rekorde gebrochen. Teuer ist es allemal, überhaupt keine Frage, aber das waren iPhones ja schon immer.

Für das Geld bekommt ihr ein perfekt verarbeitetes Gerät, mit der besten Smartphone-Kamera auf dem Markt, einem Betriebssystem das in Verbindung mit Mac OS X ziemlich coole Features bietet und natürlich einen größeren Bildschirm.

Die große Frage: 6 oder 6 Plus. Ich könnte jetzt ewig lang Vor- und Nachteile der beiden Modell aufzählen, am Ende ist es aber eine Frage des Geschmacks und des Geldbeutels. Meine Empfehlung: wenn ihr euch nicht sicher seid, die Kohle soweit erstmal keine Rolle spielt und ihr das 6 Plus normal in der Hand halten könnt ohne instantly einen Krampf in den Fingern zu bekommen, aber nicht wisst ob die Größe nicht doch zum Problem werden könnte: Nehmt das Große.

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Mario

Azubi, Technikallrounder und Autor für TechNews vom Chiemsee. Seit dem ersten iPhone in der Smartphone-Szene unterwegs und immer up-to-date.