Die Kamera des Galaxy S6 / edge verdammt genau unter der Lupe

Die Kamera des Galaxy S6 / edge verdammt genau unter der Lupe

Zuerst waren es die Prozessoren, dann die Bildschirmdiagonalen und jetzt sind es die Kameras – die Rede ist von den Trends der Smartphone-Industrie. Alle paar Quartale gibt es ein neues Kernthema, um das sich die Hersteller dann kloppen, natürlich alles nur um den Kunden glücklich zu stellen.

Für das Jahr 2015 gibt es auch schon einige Anwärter auf den Kamera-Thron. Etwa HTC mit dem One M9 (das „M9“ wird mittlerweile nicht mehr in die Klammer gesetzt), seit neustem Huawei mit dem P8 (das schon gute Resonanzen bekommen hat) und bald auch noch LG mit dem mehr oder weniger komplett geleakten G4. Aber ich will hier jetzt keinen Sieger ermitteln, sondern mich komplett auf die Kamera des Galaxy S6 / edge konzentrieren und euch Testbilder zeigen. Warum ich beide Geräte in einem Zug nenne? Weil S6 und S6 das gleiche Kamera-Modul verbaut haben. So einfach.

Funktionsübersicht der Kamera

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Automatisch, Pro, Selektiver Fokus und Panorama heißen die vier möglichen Modi um ein einzelnen Foto aufzunehmen. Mit Hilfe von Zeitlupe, Zeitraffer und Virtuelle Tour erstellt ihr immeDann gibt es noch verschiedene Modi für die Videokamera – dazu aber später mehr. Wie oben schon beschrieben ist der „Auto“-Modus der simpelste und deswegen auch als Standard eingestellt. Der „Pro“ Modus richtet sich an die Leute die wissen wie man mit ISO, Fokus und Weißabgleich umgeht. Selektiver Fokus ist eine besonders coole Fokus-Spielerei (die ich gleich noch erläutere) und der Panorama Modi ist für – joa man glaubt es kaum – Panoramas-Bilder gut.

Der Kamerasensor des Galaxy S6 / edge stammt von Sony und hört auf den Namen IMX240 und kann Fotos mit maximal 16 Megapixel (5312×2988 Pixel) aufnehmen. Geht es um Videos, ist bei UHD (3840×2160 Pixel) Schluss. Standardmäßig ist die Videofunktion aber auf HD (1280×720 Pixel) eingestellt, wohl um den Speicher nicht vollzukloppen. Dazu kommt eine F1.9 Blende die dafür sorgt, dass das Galaxy S6 / edge auch bei schwierigen Lichtverhältnissen gute Fotos knipst.

Die Standardfunktionen des Galaxy S6/edge

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Lange konnte man den kompletten Umfang einer Smartphone-Kamera mit dem Wort „Standardkram“ ohne Probleme erklären. Mehr als Fokussieren und Abdrücken gab es vor den ersten richtigen Smartphone-Flaggschiffen, wie etwas dem Galaxy S1 und HTC Desire HD, nicht. Nach und nach kamen immer mehr kleine Funktionen dazu, die man heutzutage allerhöchstens als „Gimmicks“ bezeichnen würde – keine wirklichen Features. Ausreißer wie das Nokia Lumia 1020 haben an dem Werdegang der heutigen Smartphone-Kameras aber einen großen Teil beigetragen.

Aber genug Geschichte, ab ans Gerät. Gestartet wird die Kamera entweder über das Kamera-Icon auf dem Sperrbildschirm, auf dem Homescreen oder durch das zweimalige Drücken des Home-Buttons (wenn ihr das aktiviert habt). Ohne langes Warten seht ihr dann auch schon die Reflektionen des Lichts, die auf dem Sensor landen und auf eurem Display ohne Delay dargestellt werden. Wie bereits erwähnt, nimmt dieser bis zu 16 Megapixel im 16:9 Format auf. Das Minimum sind hier 2,4 Megapixel. Dies lässt sich im Menü einstellen, das über das kleine Rädchen am oberen linken Rad zu finden ist.

Weiter hat man hier die Möglichkeiten ein Raster (Drittel), Geotagging (speichern des Ortes), eine Sprachsteuerung und die Belegung der Lautstärketasten in dem Menü einzustellen. Ansonsten lassen sich noch die Schnellstart-Funktion nach Belieben an- oder ausstellen und auch eine direkte Betrachtung des geknipsten Bildes ist möglich.

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Ansonsten kann man im automatischen Modus lediglich noch den Blitz und die HDR-Funktion, einen Timer oder einen Filter einstellen. Für die meisten Nutzer sollten diese Funktionen reichen, die Ergebnisse können sich in jedem Falle sehen lassen.

Der Pro-Modus des Galaxy S6/edge

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Farbton, Fokuspunkt, Weißabgleich, ISO und Belichtungswert – das sind die Funktionen die euch hier zur Verfügung stehen. Natürlich ist alles ein wenig eingeschränkt wenn man die Optionen etwa mit einer DSLR vergleichen möchte. Das sollte man aber eh nicht, denn da sind die Unterschiede noch zu groß – zumindest wenn man die etwas teureren DSLR zum Vergleich heranzieht.

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Fangen wir vorne an: Der Farbton ist im Grunde etwas wie ein Filter, allerdings nur in ganz sanft. Damit lassen sich nur minimale Veränderungen an den Intensitäten der Farben ändern. Diese Option ist für den Schnappschuss zwischendurch wohl eher nicht geeignet. Unter dem Reiter befinden sich noch zwei Slots wo man bestimmte Konfigurationen des „Pro“ Modus speichern kann um schnell Zugriff auf seine bevorzugten Einstellungen zu haben.

Kommen wir zu meinem Lieblingsfeature: Der manuelle Fokus. Oft gibt das Problem, dass das Smartphone einfach nicht das Objekt fokussiert, welches man gerade auswählt und scharf haben möchte. Tausendfaches Tippen auf dieses eine Objekt auf dem Display des Smartphones kann manchmal hilfreich sein, eine gute Lösung sieht aber anders aus. Mit dem manuellen Fokus kann man auf den Punkt genau jedes noch so kleine Objekt scharfstellen und bei Bedarf auch einfach mal gucken wie nah man an ein Objekt herangehen kann bevor es unscharf wird – da zicken Smartphones ja noch immer rum. Und auf dem Galaxy S6 /edge funktioniert dieser Modus einfach.

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Feature Nummer drei ist der Weißabgleich. Die Funktion kann man wohl am besten mit dem schwarz-blauen bzw. weiß-goldenen Kleid erklären: Wählt man einen Weißabgleich der nicht zu den gegebenen Lichverhältnissen passt, werden die Farben verfälscht. Sollte man auf dem Bild oben auch sehen. Der richtige Weißabgleich wäre hier „Tageslicht“ gewesen, durch „Fluoroszent“ (eher bei Beleuchtung durch Lichröhren empfohlen) werden die Farben deutlich blasser.

Kommen wir zur ISO. Anhand meines unordentlichen Schreibtisches lässt sich der Effekt beim Verstellen der ISO wohl am besten demonstrieren. Kurz: Die ISO gibt die Lichtempfindlichkeit des Sensors an. Nachteil bei einer hohen ISO ist, dass das Bild körnig und unschön wird (auch Bildrauschen genannt). Wenn man also ein Stativ dabei hat, sollte man lieber eine lange Belichtungszeit und eine niedrige ISO (etwa 100) wählen – leider kann man beim Galaxy S6 / edge die Belichtungszeit (oftmals Verschlusszeit genannt) nicht einstellen.

Der letzte Punkt ist der Belichtungswert. Hiermit lässt sich durch einen kleinen Regler die Helligkeit auf eine natürliche Art und Weise bestimmen. Praktisch etwa wenn ihr eine Glühbirne (Belichtungswert auf -2) oder bei Dämmerung (Belichtungswert auf +2) fotografieren wollt. Definitiv besser als die nachträgliche Bearbeitung mit Adobe oder Paint. Dennoch entsteht hier auch mehr Bildrauschen, je heller das Bild getuned wird.

Selektiver Fokus des Galaxy S6/edge

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Und wenn man den Fokus schon mit dem Fokus rumspielen kann, sollte man es auch ausnutzen. Der selektive Fokus lässt euch ein einzelnes Foto mit zwei Fokuspunkten aufnehmen. So könnt ihr etwa einen Topf mit Schnittlauch (max. 50 cm Abstand) und die dahinterliegenden Bäume zusammen auf einem Foto scharf ablichten – zumindest im Endergebnis. Auf technischer Seite nimmt das Galaxy S6 / edge wohl einfach mehrere Bilder hintereinander auf und lässt euch anschließend den Fokuspunkt auswählen. Oder aber die App zeichnet immer den Bereich ziemlich weich (blurred) und lässt den Fokus-Bereich scharf. Also nicht vergleichbar mit dem Funktionsumfang einer Lytro.

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Wie ihr seht müssen andere Objekte auf halber Strecke aber etwas darunter leiden. So sind zwar die einzelnen Sträucher des Schnittlauchs und die Bäume im Hintergrund scharf, der Lautsprecher rechts ist aber gänzlich unscharf. Nach der Aufnahme eines Fotos in diesem Modus könnt ihr auswählen ob ihr das Foto mit dem Fokus auf das nahe Objekt, auf das weiter entfernte Objekt oder aber auf beide Objekte abspeichern wollt. Die „Rohdatei“ – die gut und gerne mal 25 MB groß ist – bleibt aber nachwievor erhalten.

Panorama aufnehmen mit dem Galaxy S6/edge

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Muss ich wohl nichts zu sagen. Mein Beispielbild unten hat nicht die komplette Breite ausgenutzt. Bei etwa der Hälfte habe ich abgebrochen und das bis dahin aufgenommene Bild gespeichert.#

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Die Frontkamera des Galaxy S6/edge

„But first, let me take a selfie!“ Am Arsch, mein Gesicht bekommt ihr jetzt nicht zu sehen, dafür aber meine einzige Blume im Haushalt und die netten Lautsprecher in Holz Optik. Als erstes, und fast schon als letztes, gibt es Filter für die ganzen Instagram-Models und Shisha-Rapper da draußen. Neben den Filtern habt ihr auch noch die Möglichkeit ein paar Modi einzustellen, sonderlich viel gibt es aber nicht.

Mit dem „Gruppen-Selfie“ könnt ihr dann noch Selfies bzw. Wefies im – ich glaube – bis zu 180 Grad Winkel aufnehmen. Auch bekannt als das berühmte Oscar-Selfie, damals noch mit dem Note 4 aufgenommen. Mit der Intervallaufnahme nimmt das Handy insgesamt vier Fotos hintereinander mit einer Pause von jeweils drei Sekunden auf – heutzutage nimmt man ja immer gleich 1.000 Fotos hintereinander auf. Noch zu erwähnen ist das Zusammenspiel der Frontkamera mit dem Infrarot-Pulsmesser auf der Rückseite. Wollt ihr gerade ein Selfie machen, müsst ihr einfach hinten über den Sensor streicheln, der blinkt kurz Rot und hat dann auch schon ein Bild gemacht. Funktioniert aber nur, wenn die Kamera ein Gesicht im Bild erkannt hat.

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Videofunktion

Natürlich geht auch hier einiges. Der größte Vorteil ist hier wohl die optische Bildstabilisierung von der ihr euch unten in den Demovideos noch selbst überzeugen könnt. Wie schon erwähnt, lassen sich Videos mit dem Galaxy S6/edge mit bis zu 3.840 x 2.160 Pixel aufnehmen – auch bekannt als UHD. Weitere verfügbare Auflösungen sind FullHD mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde und vieles mehr. Optionen gibt es hier leider nicht viele, außer der „Verfolgungs-AF“

Hier seht ihr jetzt das Demovideo in FullHD mit 30 Bildern pro Sekunde – natürlich unbearbeitet und nicht komprimiert oder so:

Und hier quasi dasselbe Video, nur mit 60 Bildern pro Sekunde. In diesem Modus ist die optische Bildstabilisierung nicht verwendbar, von daher ist das Video ein wenig verwackelter:

Fazit

Lecker schmecker. Die Kamera kann ordentlich was, bringt jetzt aber auch keine Revolutionen mit sich. Eher hat man sich mit dem Galaxy S6 / edge eine sichere Position im sich anbahnenden Kampf um die beste Kamera für 2015 gesichert. Besitzer eines Lumia 1020 werden sich jetzt wahrscheinlich fragen, warum ich ernsthaft 1600 Wörter über die Funktionen einer Kamera schreibe die das Lumia 1020 etwa schon ewig hat – aber wayne. Was das S6 jetzt im Endeffekt zeigt? Gute Kameras in Smartphones brauchen keine riesen Hügel mehr um die ganze Technik unterzubringen. Zwar passt der Sensor hier auch nicht komplett in das Gehäuse, bald sollte das aber kein Problem mehr sein.

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Dustin

Star-Blogger, Multimillionär, Samsung Fanboy und beliebt - zumindest am Gegenteiltag. An den normalen Tagen lasse ich mich dann auf die Jungs von TechNews und AllAboutSamsung ein - ein Wandel zwischen Himmel und Hölle.