Destiny im Test – soll ich’s wirklich kaufen oder lass ich’s lieber sein?

Destiny im Test – soll ich’s wirklich kaufen oder lass ich’s lieber sein?

Es ist 2014, meine Lieblingsspiele sind durchgespielt und Borderlands lässt auf sich warten. Als Blogger kommt man da manchmal auf ziemlich komische Ideen, so hab ich doch einfach mal nett bei Activision an die Tür geklopft und gefragt, ob wir denn mal ein Sample vom grandiosen, zumindest medial so gepushten, Blockbuster Destiny haben könnte. Ein paar Tage später lag dann Destiny für meine XBox 360 im Briefkasten und ich war glücklich.

Entwickelt von Bungie, das Team das auch hinter dem geilen Halo steht, gepublished von Activision, das Team das hinter Call of DLC und ungefähr 10.000 weiteren halbfertigen Spielen steht. Und beim Spielen der Story wird auch sofort klar, dass Activision die Hand drin hat.

Der Charakteraufbau

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Ihr könnt die Ausrüstung eures Charakters von Grund auf selbst auswählen und entscheiden, mit welchen Waffentypen ihr spielen wollt. Für den primären Slot gibt es die verschiedenen Typen wie Vollautomatik, Salven oder Einzelschuss. Als sekundäre Waffe kann man dann zwischen Schrotflinte, Sniper und Impulsgewehr wählen. Der dritte Slot, „Schwere Waffe“, kann wahlweise mit einem Maschinengewehr oder einem Raketenwerfer bestückt werden. Dank des Inventar-Screens kann man die Waffen auch mal fix in einer ruhigen Sekunde wechseln.

Bei der Rüstung kann man den Helm, die Rüstung an sich, Handschuhe, Schuhe und einen Armreif frei wählen. Jeder Ausrüstungsgegenstand kann mit bestimmten Attributen daherkommen. So hat Waffe X mit etwas Glück den Attribut, dass man diese nach einer bestimmten Nutzungsdauer noch mal verstärken kann. Defensive Ausrüstung bekommt eher Attribute wie „Erhöht das Angriffstempo im Nahkampf“ oder „Verringert die Nachladezeit mit Automatikgewehren“. Attribute wie „+55 Stärke“ gibt es auch, allerdings gibt es keine Möglichkeit die Werte ohne Ausrüstung zu skillen.

Klingt zwar alles schon ganz gut, vergleicht man das aber mit anderen Rollenspielen (Diablo, Path of Exile), ist das Gebotene schon sehr mager. Die Ausrüstung ist echt auf das minimalste reduziert, Loot-Wahn tut sich da nicht auf.

Das Gameplay

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Zu Anfang könnt ihr aus drei Klassen wählen: Warlock, Titan und Jäger. Ich spiel nun schon seit einigen Tagen mit dem Warlock, dessen „Super-Fähigkeit“ ist eine Art Energieball der bei Kontakt explodiert. Dieser lässt sich dann mit dem Skilltree noch ein wenig anpassen, große Veränderungen kann man damit aber nicht erreichen. Als zweite Fähigkeit gibt es dann eine kleine Granate die man auch Anpassen kann: Ein Vortex der die Gegner einzieht, eine Art Splittergranate und ein Kettenblitz – wählen kann man hier, sofern man die gewünschte Fähigkeit denn schon freigespielt hat, ganz frei. Und dann gibt es noch eine dritte Fähigkeit – irgendwie. Dieser ist eine Verstärkung des Nahkampf Angriffes, wirklich viel bringt das aber nicht.

Die Bewegungsmöglichkeiten sind so, wie man es von einem Weltraumshooter erwartet hat: Zielen, Schießen, Nachladen, Springen (später auch mit Jetpack) und Ducken. Dazu dann noch die Knöpfe für den Nahkampf und die Spezialfähigkeiten.

Das Leveldesign

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Ein Grauß! Die Story beginnt auf dem Mond, einer von insgesamt 4(!) Planeten. Man fängt Mission 1 bei Punkt A an, und muss zu Punkt B laufen. Bei Mission 2 muss man dann vom selben Punkt A zu B laufen, und dann weiter zu C gehen. Bei Mission 3 geht es dann von A nach B und dann nach D, was ein wenig abseits liegt. Die nächste Mission läuft dann wieder von A nach B nach C nach E. Es ist so unendlich langweilig und nervig wenn man auf jedem Planeten immer dieselben Routen abläuft! Zudem sind die Planeten in einem ziemlichen Schlauchlevel Design gehalten, auch wenn es auf den ersten Blick nicht auffällt. Diese geben kaum Möglichkeiten, mal was andere auszuprobieren.

Die Missionen

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24 an der Zahl. Ausgeklügelt und durchdacht? Lol, nö. Szenario 1) Lauf von A nach B und hol Objekt X, kehre anschließend zurück. Szenario 2) Lauf von A nach B und aktivieren Objekt X. Besiege die nächsten 5 Monsterwellen und kehre anschließend zurück. Szenario 3) Lauf von A nach B und besiege Feind X, kehre anschließend zurück.

Klar kann man eigentlich jedes RPG auf diese Punkte reduzieren, allerdings ist bei Destiny alles so krass vorhersehbar und geskriptet, dass man bis auf ein einziges Mal keiner Überraschung gegenübersteht.

Auf jedem Planeten gibt es auch noch Patrouillen Missionen. Da lauft ihr dann frei auf der Karte rum und findet zwischendurch kleine Leuchtsignale die euch kleine Nebenmissionen vermitteln. Auch spontane Events mit Gegnerwellen treten gerne mal auf. Ist man dann stark genug, kann man sogenannte Strike Missionen spielen. insgesamt gibt es fünf, das Prinzip ist immer dasselbe: Beginne bei Punkt X, kämpfe dich bis zum Boss durch und besiege in dann anschließend auch noch (manchmal gibt es mehrere Etappen). Das alles zu dritt, wenn denn nicht einer deiner „Kameraden“ spontan das Spiel verlässt.

Und für die ganz krassen gibt es dann noch Raids. Hab mir mal ein Video dazu angeschaut weil die Dinger mal gut zwei Stunden dauern. Es ist genau dasselbe wie immer, quasi eine sehr große Strike Mission mit starken Gegnern. Urlangweilig.

Die Gegnertypen

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…sind an zwei Händen abgezählt. Jeder Planet hat seine eigenen Spezies, diese umfasst aber lediglich geschätzt 5-7 Arten. Zudem haben die Arten von Planet zu Planet eigentlich dieselben Fähigkeiten, sehen nur anders aus. Die Bosse sind dahingehend verdammt peinlich! Extra Models anfertigen damit der Spieler was Neues zu sehen hat? Lol, nö. Bossgegner sind im Endeffekt nur größer und stärker als die anderen, sehen aber genauso aus – höchstens die Klamotten (falls es denn kein Monster ist) sehen mal anders aus.

Die Story

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Hab ich Story gesagt? Oh, hahaha, verarscht! Das Spiel hat in der kompletten Entwicklung und Vermarktung 500, fucking Fünfhundert, Millionen Dollar gekostet und man hat es nicht geschafft, mehr als 24 Missionen, deren Story sowas von hinterher hängt, zu entwickeln? Dazu kommt noch die angebliche Entwicklungszeit von fünf Jahren, die ich innerhalb von zwei Tagen durchgespielt habe. Activision my ass!

Klar wurde das Spiel von Bungie entwickelt, aber Activision hat einfach mal derbst krass den Mittelfinger gezeigt und Destiny mit Axt und Anlauf kastriert. Wissen tue ich es nicht, aber es ist einfach offensichtlich. Bungie schafft es bei Halo alle zwei bis drei Jahre ein richtig langes und geiles Spiel zu entwickeln, mit einer Story bei der sogar Hells Angels mitfühlen. Meine Erwartungen an Destiny sahen ungefähr so aus:

Es war einmal ein berüchtigtes Spielestudio, es nannte sich Bungie. Mit ihren epischen digitalen Schlachten im Universum der Halos hat man Millionen Spieler weltweit dazu gebracht, im drei Jahres Zyklus wie Jünger in den Elektronikfachmarkt zu laufen und sich im Regal am neusten Ableger der Serie zu bedienen. Stehts mit gut gefüllten Portemonnaies stolzierte man in Richtung Kasse um sich im Austauch für 60 Euro anschließend mit Energy Drinks um Chips für Wochen im Zockergemach einzunisten.

Oh welch große Freude berührte mich, als ich las, dass man dasselbe nun als großes RPG aufziehen möchte. Meine Hose zerriss an intimen Stellen und ich musste mir von Phillip Plein erstmal eine neue Nähen lassen (als Blogger hat man ja das Geld). Doch dann der Schock: Activision ist der Publisher (Falls ihr euch nicht so auskennt: Call of Duty, gepublished von Activision, bietet meistens so 3-4 DLCs für jeweils 15 Euro an. Diese beinhalten dann nur Multiplayer Karten). Trotz allem machte mich das Spiel neugierig und nach kurz oder lang habe ich dann doch angefangen es zu spielen.

Und so legte ich dann los, um mich von der, auf der Rückseite der Verpackung versprochenen, filmreifen Handlung hinreißen zu lassen. Pustekuchen! Zu Anfang wird noch ein wenig erzählt, alles Nachfolgende ist aber lame as fuck. Dieser Meinung bin nicht nur ich, alle die ich kenne haben von der Story eigentlich nichts mitbekommen.

Warum das Spiel aber eigentlich doch gut ist

Destiny macht Laune, keine Frage. An sich würde ich wohl auch hier und da Wörter benutzen, die ein wenig netter sind, aber warum sollte ich? Das Spiel wurde nur mit Superlativen angekündigt und angeblich würde ja es ja alle anderen Spiele in den Schatten stellen. Warum sollte ich das Spiel also nicht an den Versprechen von Activision und co. messen? Alles was man vorab angekündigt hat ist einen Scheißdreck wert. Filmreife Handlungen? Ja, in den Zockerpausen als ich auf die Toilette ging. Diese ganzen Anhimmelung sind im Endeffekt nur Bullshit.

Activision ist, meiner Meinung nach, auch Schuld daran, dass es DLCs regnen wird! Durch einen Bug hatten manche Spieler schon die Möglichkeit, kommende DLCs zumindest auf der Karte angezeigt zu bekommen. Das sagt also quasi schon aus, dass die Erweiterungen auf der CD liegen, ihr aber irgendwann erst Geld bezahlen müsst, damit ihr daran kommt. Geil ne? „Kaufen Sie sich ein Glas mit 15 Würstchen. 10 dürfen Sie  essen, für die restlichen 5 müssen Sie dann noch mal extra bezahlen“ – demnächst in ihrem Edeka Markt.

Fazit

Jein! Destiny = okay, DLCs = pfui, Versprechen = ein Scheißdreck. Man bekommt für die 60 Euro meiner Meinung nach nicht genug geboten. Destiny ist ein RPG für Anfänger, ohne sich große Gedanken um eine Skillung und Attributenverteilung zu machen kommt man hier ganz gut durch das Spiel. Das Looten, um das es bei RPGs meistens geht, ist hier viel zu klein geraten und man bekommt keinen Anreiz.

Wenn ihr Destiny wirklich zocken wollt, dann holt euch das in ein paar Monaten für 30 Euro und investiert dann weitere 30 Euros in verfügbare DLCs. Falls ihr Fans von Loot-Spielen wie Diablo 3 oder Borderlands 2 seid, dann wird euch aber auch das nicht befriedigen können.

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Dustin

Star-Blogger, Multimillionär, Samsung Fanboy und beliebt - zumindest am Gegenteiltag. An den normalen Tagen lasse ich mich dann auf die Jungs von TechNews und AllAboutSamsung ein - ein Wandel zwischen Himmel und Hölle.