DB Bahn Handyticket unter Android getestet: So einfach kann Bahn fahren sein

DB Bahn Handyticket unter Android getestet: So einfach kann Bahn fahren sein

Durch die weltweite Vernetzung über das Internet wurde so ungefähr jede Branche, sei es Industrie oder Einzelhandel, auf den Kopf gestellt. Alles muss modernen, schneller, besser venetzt und aktueller sein. Und so kam es, dass auch die Deutsche Bahn ihr Ticket-System in Richtung Mobile Ticketing erweiterte. Erste Schritte gab es bereits im Jahre 2006 und seit dem Jahre 2012 gibt es zudem die Möglichkeit ein Ticket mit Hilfe der Smartphone-App für Android und iOS (mittlerweile auch WP8) zu kaufen und vorzuzeigen. Das ist, gelinde gesagt, schon eine Weile her, doch für mich war vorgestern mein erstes Mal, dass ich mit dieser Form der Ticket-Nutzung in Berührung kam.

Ich scheine hierbei auch kein Einzelfall zu sein, wie mir einige Kontrolleure so erzählten. Bisher benutzen wohl relativ wenige Menschen ein Smartphone, um ihr Ticket vorzuzeigen. Die Mehrheit nutze nach wie vor Papier, sei es zu Hause selbst oder am Bahnschalter direkt ausgedruckt. Leuchtet auch ein, denn etwas Handfestes bietet mehr Sicherheit, da man keine Angst haben muss, dass einfach mal der Akku leer ist oder das Handy geklaut wird.

Dennoch wagte ich den Selbstversuch und machte mich, einzig mit einem Android Smartphone bestückt, auf die Reise von Rottweil nach Chemnitz und zurück. Es handelt sich hier ganz klar um eine längere Strecke (430km Luftlinie), bei der es sinnvoller ist ein Ticket im Voraus zu kaufen. Insgesamt versuche ich mich im Folgenden etwas kürzer zu fassen, damit euch nicht die Augen bluten.

Ticket-Kauf

money

Die übersichtlichste und schnellste Art und Weise ein Ticket bei der DB zu bekommen, ist, meiner Meinung nach, mit Hilfe des Web-Browsers am Notebook oder PC – vorausgesetzt man hat einen schön dicken Monitor und schnelles Internet zur Verfügung. Denn Ticketautomaten verfügen immer über komplett beschissene Software, die zum einen nur verwirrt und zum anderen gerne teurere Tickets anbieten. Zudem kann man damit keine längeren Strecken kaufen, was in meinem Fall erforderlich war.

Die Fahrt nach Chemnitz, zu Fipsi und Marci, war schon etwas länger geplant, weshalb ich ungefähr eine Woche vorher buchen wollte, noch ein Sparpreis zu ergattern. Gedacht, getan, ich machte mich also an die Arbeit und suchte eine Woche vorher die beste und günstigste Strecke heraus. Und hier begann bereits die erste Verwirrung. Ich wählte die Hin-Fahrt aus, bekam auch die Rückfahrt angezeigt, allerdings unterschlug mir die Webseite einige Züge, die zu besseren Zeiten gefahren wären. Allerdings wäre das doppelt so teuer gewesen, weshalb mir das Bums war.

Da ich nicht nur einen buschigen Schwanz habe, sondern gleichzeitig noch ein Fuchs bin, buchte beide Tickets einzeln, da es preislich nichts ausmacht, ich dennoch mehr Funktionen der App testen kann. Beide Fahrten sind identisch, ich fahre also von Rottweil nach Stuttgart, von dort nach Nürnberg, von dort nach Hof und von dort aus nach Chemnitz und umgekehrt wieder zurück. Insgesamt sagt mir die Kalkulation eine Fahrdauer von knapp 7 Stunden voraus, mit Umsteigen liege ich bei knapp 8 Stunden, die ich unterwegs bin.

Die Tickets kaufte ich schnell via PayPal für je 29 Euro und bekam schon während des Bestellvorganges den Vorschlag ob ich nicht lieber ein HandyTicket nutzen möchte. Da ich ein vorbildlicher TechBlogger und Medienspasti bin, überlegte ich nicht lange und ging das Abenteuer ein. Ist immerhin auch günstiger als mit dem Auto zu fahren – aber nur Dank des Sparpreises.

Ticket auf App bringen

Um das Ticket auf meinem Android-Smartphone nutzen zu können, muss ich lediglich dieTicket-Sondernummer und die letzten Teile meines Personalausweises in der App angeben. Der Ausweis dient zudem zur Verifizierung im Zug. Oder ich logge mich eben mit meinem Bahn-Account in der App ein und automatisch werden meine gekauften Tickets synchronisiert. Beides funktionierte bei mir problemlos und die Tickets sind nach dem ersten Laden auch offline verfügbar. Praktisch, wenn gerade mal kein Netz da ist.

In der App sehe ich nun meine zwei Tickets, bei denen ich zum einen die Gleise sehe, bei denen ich umsteigen muss und zum anderen die Verzögerungen. Diese werden live angezeigt und funktionieren überraschenderweise sehr gut. Zudem habe ich die Mail-Notification.Funktion aktiviert, das mir eine Meldung schickt, sollte ein Zug Verspätung haben. Einmal war dies sogar der Fall, so dass ich leicht ins Schwitzen kam, doch der Zug holte am Ende noch die Verzögerung ein, weshalb alles easy verlief. Konnte ich aber alles live mitverfolgen.

Kontrolle: Easy

Auch bei der Kontrolle gab es keine Probleme. Gut, gut, mein Display misst auch 5,5 Zoll, aber mit kleineren Geräten sollte das auch gehen. Insgesamt wurde ich 8x gebeten meine Tickets zu zeigen und nur einmal musste der Kontrolleur mich bitten mein Display heller zu schalten. Die Ausweiskontrolle war eher ein Kann und kein Muss, etwa nur jeder zweite wollte den überhaupt sehen.

Probleme und Fazit: Fuck Yeah!

Ich muss zugeben, dass sich meine anfänglichen Bedenken gegenüber des Handytickets in Luft aufgelöst haben. Es funktioniert alles sehr einfach und so viel besser als mit irgendwelchen Papierausdrucken, die in der Tasche zerfleddern und komplett unübersichtlich sind. In der App sehe ich sofort was Phase ist, kann dort direkt Umbuchen, falls die Kacke am Dampfen sein sollte, sehe sofort Gleisänderungen und kann mein Ticket im Grunde nicht verlieren. Wer dennoch die Buchsen voll haben sollte, aus Angst der Akku schmiert mal ab, der kann einfach das Smartphone in den Energiesparmodus setzen oder komplett ausschalten. Wer aber unterwegs Zocken, Chatten oder Pornos anschauen möchte, der sollte lieber einen Akku-Pack dabei haben, falls der Zug keine Steckdose hat.

Alles in allem würde ich jedem empfehlen das Handyticket auf längeren Strecken zu testen. Nicht, weil ich es sage, sondern einfach um nicht so viel Papier zu verschwenden und um weniger Schweiß zu vergeuden. Allerdings solltet ihr euch mit der App ein wenig auseinandergesetzt haben, um nicht am Ende hilflos im Zug zu sitzen, weil ihr euer Ticket nicht mehr in der App findet.

DB Navigator
DB Navigator
Entwickler: Deutsche Bahn
Preis: Kostenlos
The following two tabs change content below.

Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.