Chrome OS im Test: Der perfekte Hybrid, oder doch nur eine Fehlgeburt?

Chrome OS im Test: Der perfekte Hybrid, oder doch nur eine Fehlgeburt?

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Auch wenn man nur wenige Minuten mit Chrome OS verbringt, so merkt man doch, dass dieses kleine – eher unbekannte – Betriebssystem großes Potential hat. Persönlich war ich ziemlich heiß auf Chrome OS. Ich habe extrem viel darüber gehört und wusste so einiges, doch wirklich Hand anlegen konnte ich nicht. Ein bisschen wie früher, als man langsam anfing sich für Sex zu interessieren. Doch konnte mich das Betriebssystem schlussendlich überzeugen?

Usability:

Ich bin im Hinblick auf Betriebssysteme extrem konservativ aufgewachsen. Windows 98, XP, Vista und aktuell nutze ich Windows 7. Zwischendurch habe ich mich auch mal kurzweilig mit Ubuntu vergnügt, doch irgendwie hat es mich immer zu Windows hingezogen. Nun hat es Chrome OS, welches auf Linux basiert, bei mir nicht sonderlich leicht. Ich habe gewisse Ansprüche an ein Betriebssystem und vor dem Test war mir nicht klar, ob Chrome OS diesen Ansprüchen gerecht werden kann. Doch was für Ansprüche sind das?

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Um das herauszufinden habe ich begonnen mein Computer-Verhalten zu beobachten. Ergebnis: Zuviel Pornos ( Recherchearbeit für den Blog, ich schwöre! ), PDFs lesen, Musik hören, Musik verwalten, Musik downloaden, bloggen, YouTube-Videos schauen, mich in diversen Facebook-Gruppen mit anderen Bloggern streiten, Hangouten, Skripte für die Uni verwalten. An sich nix wirklich aufregendes, oder?

Schauen wir mal, wie sich Chrome OS damit geschlagen hat: Die Bedienung ist kinderleicht. In wenigen Schritten ist das Chromebook eingerichtet und die wichtigsten Anwendungen ( Musikplayer, Videoplayer, PDF-Reader, usw. ) sind alle mit an Bord. Das ist auch gut so, denn Chrome OS arbeitet mit einem eigenen App-Store und dieser ist teilweise echt dürftig. Gerade wenn es um alternative Musikplayer geht. Vielleicht liegt es auch am grundlegenden System: Es werden keine wirklichen Programme auf dem Chromebook installiert, sondern lediglich Verknüpfungen geschaffen, welche dann einen eigenen Tab öffnen.

Ihr erkennt, dass der Dreh- und Angelpunkt der Google-eigene Browser ist. Er ist quasi die Startbasis für alle installierten Apps. Egal ob Office, YouTube, Facebook oder Feedly, alles läuft über den Browser. Dies hat den Vorteil, dass alles extrem schlank und schnell arbeitet, bietet aber gleichzeitig den großen Nachteil, dass der Funktionsumfang eher einem V-Tech Lerncomputer ähnelt, als einem wirklichen Laptop.

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Eine stationäre Festplatte besitzen die meisten Chromebooks nicht, doch dafür gibt es 100 GB Cloud-Speicher für 2 Jahre gratis ( danach fallen monatliche Kosten an ). Klassisches Lockangebot. Will man die Daten auch offline nutzen, so empfiehlt sich die Daten lokal auf dem Flash-Speicher zu lagern.

Viele bemängeln, dass sich Chrome OS nur wirklich sinnvoll mit Internet nutzen lassen könne. Von der Theorie her stimmt dies sogar, da alle Apps browserbasiert sind, doch in der Realität wüsste ich auch mit meinem normalen Laptop nix anzufangen, falls kein Internet in der Nähe ist. Musik hören und PDFs lesen, falls sich das Chromebook im Offline-Modus befindet, ist jedoch kein Problem.

Dennoch muss ich zugeben, dass ich mit Chrome OS so meine Probleme hatte und auch noch habe. Probleme die mich teilweise wirklich zur Weißglut getrieben haben und seitdem ich regelmäßig Ritalin nehme, passiert dies eigentlich nicht mehr oft. Chrome OS hat einfach noch Kinderkrankheiten, die Windows seit 98 nicht mehr hat.

Kinderkrankheit 1: Mein Nexus 4 wird nicht erkannt. Ich schließe es über USB an und mein Smartphone wird auch geladen, doch ich habe vom Chromebook keinen Zugriff auf den Speicher des Telefons. Keine Chance. Treiber installieren? Geht mit Chrome OS nicht. Also keine Möglichkeit das Problem irgendwie selber zu beheben. Schön. Hätte ich ein Nokia N73, dann würde ich das noch nachvollziehen können, aber das Google-Smartphone wird nicht vom Google-Laptop erkannt? Ouch.

Kinderkrankheit 2: Gepackte Dateien mit Umlauten im Dateiname können nicht entpackt werden, da Chrome OS denkt sie wären beschädigt. Cool ist natürlich, dass ein hauseigenes Entpackprogramm mit an Bord ist, doch dieser Bug ist völlig inakzeptabel. Unterwegs schnell mal eine .zip mit PDFs runterladen? Falls ein Umlaut (ü, ä, ö) im Ordnername, bzw. Dateiname ist, dann Game Over. Keine Chance. Ein Beispiel: Habe ich einen gepackten Ordner mit dem Namen „Übungsaufgaben“ so lässt sich der gesamte Ordner nicht entpacken. Habe ich einen Ordner mit dem Namen „Ordner“ dieser enthält aber eine Datei mit dem namen „Übungsblatt“, dann lässt sich der Ordner entpacken, diese spezielle Datei aber nicht. Leider gibt es auch keine Möglichkeit das Problem in Angriff zu nehmen, da die Einstellungen des Chromebook sehr oberflächlich sind. Zwar bietet Google eine Art Support-Forum an, aber dort konnte ich dafür keine Lösung finden.

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Für mich ist an diesem Punkt  Chrome OS durchgefallen.

Design:

Die Benutzeroberfläche ist schlicht und klassisch gehalten. Keine Experimente, dezentes Anthrazit und orangeähnliches Dunkelrot ( keine Ahnung wie ich das anders beschreiben soll ) wirken für das Auge ziemlich angenehm. Durch die simple Gestaltung wirkt alles übersichtlich und aufgeräumt. Für einige dürfte es ungewohnt sein, dass es keine Icons auf dem Desktop gibt, doch für Minimalisten wie mich ist dies ziemlich angenehm. So kann ich stundenlang einfach nur mein wunderschönes Hintergrundbild anschauen, um mich so vor der Arbeit zu drücken. Perfekt. Grundlegend erinnert mich das gesamte Design etwas an Ubuntu 11. Nicht so verkrampft wie Windows, aber eben auch nicht so „Voll am Projekte pitchen, wir studieren Medien“ wie OS X.

Fazit:

Ein schickes Betriebssystem welches optimal ist, falls man mobil bloggen oder Videos anschauen will. Mehr ist leider durch Kinderkrankheiten nicht drin und jeder der eine Alternative zu Windows, OS X oder Linux erwartet, wird leider enttäuscht werden. Leute, die überlegen, ob sie sich für die Uni ein Tablet oder ein Chromebook kaufen sollen, könnten mit Chrome OS jedoch glücklich werden.

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Marcel

Der Reißverschluss, das Internet und Ketchup waren meine Ideen. Bist du cool, dann folgst du mir bei Twitter.