Warum „Apple vs. Schweizer Uhrenindustrie“ absoluter Bullshit ist

Warum „Apple vs. Schweizer Uhrenindustrie“ absoluter Bullshit ist

Im Vorfeld: Dies ist kein Rant gegen Apple oder sonst irgendeinen Smartwatch-Hersteller, sondern lediglich ein Kommentar zur aktuellen „Uhren-Situation“. Aber was rede ich hier eigentlich, wenn ihr Fanboys ( egal welcher Marke ) seid und keine subjektive Einschätzung vertragen könnt, dann ist eure Meinung eh irrelevant.

Ich trag nicht ’ne Rolex, weil ich wissen will, wie spät es ist.

Farid Bang – Stiernackenkommando

Fangen wir als Einstieg bei John Ive an. Der Chefdesigner von Apple macht einen hervorragenden Job. Sein Portfolio umfasst unglaublich schöne Stücke und die Weiterentwicklung von iOS 6 zu iOS 7 ist in meinen Augen ein genialer Schritt gewesen. Doch John ist Künstler und Künstler tun und sagen manchmal komische Dinge. Hierbei rede ich nicht von den Künstler, die vollgetankt mit Jack Daniels, den Backstagebereich zerlegen und auf Groupies kotzen, sondern davon, dass Künstler eben oftmals exzentrisch sind und auch sein müssen. Vor Veröffentlichung der Apple Watch wurde Mr. Ive mit folgenden Worten zitiert:

Der Schweiz geht’s an den Kragen

Hierbei war natürlich die Schweizer Uhrenindustrie gemeint und nicht etwa, dass Apple die Schweiz kaufen wird, obwohl das mit den Einnahmen durch Apple Pay vielleicht sogar bald möglich wäre. Hinter dem obigen Zitat steckt, dass Apple sich als den Henker der Uhrenhersteller sieht, die scheinbar nicht mit dem Unternehmen aus Cupertino zusammenarbeiten wollten.“ Unerhört! Da lässt sich Apple herab mit solchen Firmen wie Swatch zusammen zu arbeiten und kassiert dann nur Absagen. Solche technikfeindlichen Hinterwäldler! “ werden die Fanboys jetzt wütend schreien während sie die glatten Kanten ihres iPhone 5S herabfahren, als wären es die Schenkelinnenseite ihrer Freundin. Aber wisst ihr was? Der/Die einzige, der/die euch interessiert zuhört ist Siri und ich kann aus eigener Erfahrung heraus sagen, dass eine geschäftliche Kooperation mit Apple keinen Spaß macht. Falls ihr mir nicht glaubt, fragt doch mal die Mitarbeiter von Foxconn. Ach, das geht ja nicht, die haben sich umgebracht.

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Mit seiner Apple Watch will der Gigant den Untergang der traditionsreichen Uhrenindustrie eingeläutet haben, da Apple der Meinung ist, dass die Leute eher zu einer Apple Watch greifen werden, als zu einer „dummen“ Uhr aus der Schweiz. Der Umsatz von Swatch und Co. wird einbrechen und viele Schweizer werden arbeitslos und müssen in Zukunft ihr vieles angehäuftes Geld und Gold essen, weil Lebensmittel für sie unerschwinglich geworden sind. So die einfache Theorie, aber stimmt das?

Nein. Der Uhrenmarkt hat schon seit langer Zeit Probleme. Früher war es für Männer und Frauen ganz normal eine Armbanduhr zu besitzen und je wohlhabender man wurde, desto mehr Uhren besaß man. Fragt mal euren Großvater, was er für Armbanduhren besitzt. Doch mit dem Voranschreiten der mobilen Technik wurden Handys immer günstiger und kleiner. Als ich in den Würgegriff des Erwachsenwerdens gelangte und mich langsam an Termine und Zeiten halten musste, besaß ich wie 90 % meiner Altersgenossen ein Handy ( Nokia 3310  aka „Das Unzerstörbare“ ). Wir sind ohne Armbanduhren aufgewachsen und dementsprechend ist es ungewöhnlich wenn man jemanden in meinem Alter ( 24 ) mit einer Armbanduhr antrifft. Dies war vor 20 Jahren anders und wenn jemand in meinem Alter jetzt überlegt sich eine Einstiegs-Uhr für 200€ – 400 € zu kaufen, dann wird derjenige vermutlich zu einer Smartwatch oder auch Apple Watch greifen. Der Umsatz geht also an Apple. Doch wie ihr in meiner Ausführung seht, liegt das nicht an den Smartwatches, sondern schlicht und ergreifend an dem Werdegang der Technologie. Selbst wenn niemand jemals auf die Idee von Smartwatches gekommen wäre, wäre den Schweizern der Massenmarkt weggebrochen. Hätte man hier dagegenwirken können, indem man selbst auf Smartwatches gesetzt hätte? Vielleicht, jedoch fehlt dafür das technische Know-How und so könnte maximal mittelklassige Produkte herstellen ( So wie Samsung es aktuell tut ). Etwas, was vollkommen gegen die Schweizer Philosophie spricht.

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Doch werden wir in Zukunft die Schweiz nur noch mit Käse, komischen Dialekt und Fremdenfeindlichkeit in Verbindung bringen und die Luxusuhren komplett außen vorlassen?

Die Limousinen sind deutsch, die Uhren aus der Schweiz

Haftbefehl – Glänzen

Nein. Auch wenn Apple eine edle Variante seiner Uhr auf den Markt bringt, so wird dieses Teil niemals in Konkurrenz mit einer relevanten Schweizer Uhr wie die Modelle von Rolex, Omega, TAG Heuer, IWC treten und zwar aus dem einfachen Grund, weil Beide nicht das selbe Produkt sind. Sie sehen aus wie Uhren, tragen den Namen Watch/Uhr in sich, man trägt beide an der gleichen Stelle, aber sie sind dennoch nicht das Gleiche? Richtig, denn Uhrenmacher versuchen bei einer mechanischen Armbanduhr ein zeitloses Stück Kunst zu schaffen. Bei richtiger Pflege überlebt jede Uhr ihren Träger, kann an die Nachfolger vererbt werden und bietet „Eternity in a box“ ( Zitat von Jean-Claude Biver dem Uhren-Chef von LVMH ). Eine Smartwatch hingegen ist in 2 Jahren technisch völlig veraltet, ist eher ein Stück Modeschmuck und soll unseren medialen Alltag vereinfachen. Würdet ihr euren 10 Jahre alten Gameboy an eure Enkel vererben? Seht ihr den Unterschied? Und genau aus diesem Grund wird niemand, der sich eine Rolex kaufen will, stattdessen zu einer Apple Watch greifen. Jetzt kann natürlich das Argument kommen, dass Menschen irgendwann keine Rolex mehr kaufen wollen, weil sie einfach nicht mehr an Uhren gewöhnt sind. Glaubt ihr wirklich Apple war das erste Unternehmen, welches vor allem durch Verknappung und Exklusivität Produkte verkauft hat? Eine hochwertige Uhr wird immer einen Wert besitzen, der über das Preisschild hinausgeht und genau aus diesem Grund werden Leute, die sich mit etwas Exklusivem belohnen wollen, auch in Zukunft zu einer Omega zusätzlich zur Apple Watch greifen, denn Apple wird nie etwas zeitloses bauen können und Omega nie etwas technologisch modernes. Zwei völlig verschiedene Produkte eben. Leider verstehen diesen Zusammenhang weder Apple noch die ganzen Blogs, die John Ive zustimmen. Schande über euch!

Fazit: Der Massenmarkt wird wegbrechen, da wird auch der Versuch von TAG Heuer, eine eigene Smartwatch zu produzieren, nicht wirklich helfen. Liegt das daran, dass John Ive und Tim Cook solche unglaublichen Genies sind? Nein, daran ist ausnahmsweise mal die technologische Wende Schuld, Appel profitiert lediglich davon.

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Marcel

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