Erste Fans campen vor dem Apple Store in New York ( Kommentar )

Erste Fans campen vor dem Apple Store in New York ( Kommentar )

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Mal eine Neuigkeit abseits der IFA: So ziemlich jeder mit einem Internetanschluss, welcher mehr Bandbreite als ISDN zur Verfügung stellt, hat mitbekommen, dass am 10. September Apple eine Keynote abhalten wird und, dass das dabei neu vorgestellte iPhone am 20. September erhältlich sein könnte. Ich meine ist ja nicht so, dass die Tech-Nachrichten nicht voll davon wären und mittlerweile jede Aussage eine Nachricht wert ist so lange sie das Wort „iPhone“ enthält. Wie auch immer: Der Verkauf des neuen „Ändert alles – wiedereinmal“ wird also in gut 2 Wochen starten und tatsächlich gibt es die ersten Technikfreunde Vollidioten die angefangen haben vor dem Apple Store in New York zu campen.

Zwei Mitarbeiter von SellYourMac haben sich auf den Weg gemacht um zwei Wochen vor dem Glasgebäude zu leben und um die Ersten zu sein, die das neue Telefon in den Händen halten. Typischer Roadtrip für konsumgeschädigte Wannabe Nerds eben. Doch zu ihrem Erstaunen waren sie nicht die Ersten, denn am Ort des Geschehens campte schon jemand. Bevor ich meine eigene kleine Meinung dazu äußere fasse ich noch einmal zusammen: In zwei Wochen wird ( vermutlich ) ein neues Telefon auf den Markt gebracht und aktuell warten 4 Menschen vor dem Gebäude um die Ersten zu sein die $ 700 auf den Tisch legen dürfen.

Die erste Frage, die mir durch den Kopf ging, war: “ Müssen die nicht arbeiten ?“ Ich nehme einfach mal an, dass jemand der so viel Geld für ein Handy rausballert zwangsläufig erwerbstätig sein muss. Doch dies wirft leider eine neue Frage auf: „Haben die da Urlaub für genommen?“ Vermutlich, oder sie haben sich einfach unbezahlt frei genommen, oder sind selbstständig, oder, oder, oder. Fakt ist, dass keiner von diesen Personen in dieser Zeit Geld verdienen wird. 2 Wochen lang. Wir sprechen hier also von jungen Menschen, die zwei Wochen auf Gehalt verzichten, an einem Ort campieren und das alles für ein Haufen Transistoren, Aluminium und Elektroschrott.

Ich persönlich finde das aktuelle iPhone wirklich sehr schön. Es ist ein durchdachtes und erstklassiges Produkt. Meins hat mich immer im Alltag unterstützt und es gab selten Augenblicke wo ich wirklich unzufrieden mit dem Gerät war. Doch mir wird es immer unbegreiflich bleiben wie Menschen in einem Handy ( oder Auto, oder Kleidungsstück, etc. ) mehr sehen können, als was es denn eigentlich  ist. Wie viele andere Menschen definiere auch ich mich ein Stück weit über Dinge die ich konsumiere. Sei es Musik, Filme oder ab und zu auch mal eine gute Jeans von meinem Lieblingsfabrikanten. Doch hierbei kaufe ich zu 10 % das Lebensgefühl oder die Werte die ich mit dem Produkt verbinde. Die restlichen 90 % sind für mich ganz normale greifbare Eigenschaften, wie Qualität, Aussehen etc. Ein kleines Beispiel: Ich fahre extrem auf Jeans von der Firma Nudie ab. Wenn ich mir jetzt eine Hose kaufe, dann gebe ich von den 100 € Kaufpreis 10€ für die Werte aus, welche ich mit der Marke verbinde. Die Liebe zur Qualität, die Liebe zum Jeansstoff und auch ein bisschen diesen nordischen Flair. Die restlichen 90€ investiere ich hingegen in die überzeugende Qualität, das Design, den Stoff, die Färbung und die Passform der Hose. So eine Verteilung finde ich persönlich gut, aber ich weiß auch, dass ich selbst nicht das Maß aller Dinge bin. Jedoch ist eine zu starke Verschiebung in Richtung der „gekauften Werte“ sehr bedenklich. Sprich wenn jemand im umgekehrten Fall 90% verbundene Werte kauft und nur 10% für die physischen Eigenschaften ausgibt. Warum ist das bedenklich? Die Antwort: Menschen mit so einer Verteilung neigen dazu einen Großteil ihrer Persönlichkeit über die gekauften Werte, sprich über die erworbenen Produkte, zu definieren. Ein Beispiel gefällig? Teenager. Und jetzt stellen wir uns mal vor, dass die Welt voller Teenager wäre.

Ich möchte mit meinem Artikel niemanden beleidigen. Jeder tut das was er für richtig hält, doch sehe ich dieses Ereignis als Zeichen für etwas, was in unserer Gesellschaft stark schief läuft. Das Verhältnis zum Konsum und dem Stellenwert denen wir Produkten heutzutage geben. Ich möchte den jungen Herren nicht unterstellen, dass sie konsumgeile Apple-Fanatiker sind, deren Persönlichkeit komplett auf den konsumierten Produkten basiert, doch es wirkt eben ein bisschen so und das halte ich für sehr bedenklich. Vor allem wenn man bedenkt, dass hier tatsächlich 2 Wochen völlig verloren gehen, in denen auch durchaus etwas sinnvolles geschaffen werden könnte.

Aber genug Konsumkritik. Kapitalismus ist geil und kaufen ist deine erste Pflicht!

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Marcel

Der Reißverschluss, das Internet und Ketchup waren meine Ideen. Bist du cool, dann folgst du mir bei Twitter.