Warum werden Smartphones eigentlich immer größer? Ein Versuch der Erklärung

Warum werden Smartphones eigentlich immer größer? Ein Versuch der Erklärung

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In den letzten Monaten hat mich vor allem eine Frage immer wieder beschäftigt: Wer braucht eigentlich die immer größeren Smartphones? Und wieso sind die Hersteller, vorwiegend Hersteller die auf Android setzen, so verbissen darauf die neuen Geräte immer noch ein kleines Stück größer zu machen?

Mein Weg vom Nokia N95 zum Samsung Galaxy S1

Nehmen wir mal exemplarisch die Samsung Galaxy S Reihe. Mein erstes Android Gerät war damals das S1, davor besaß ich ein Nokia N95. Das war natürlich für mich schon ein großer Sprung vom Nokia auf das 4 Zoll große Gerät. Doch damals fiel es nicht so sehr ins Gewicht, da man ja keine physische Tastatur mehr hatte und somit die Größe des Gerätes mit dem des Displays fast gleich setzen konnte. Und die Angst, dass das Smartphone nicht mehr in die Hosentasche passt, blieb unbegründet. Den das Galaxy S1 war ein ganzes Stück dünner und leichter als mein altes Nokia N95. Also fängt man an sich mit der neuen Größe zurecht zu finden und freut sich bald auch, dass man beim Surfen nicht ständig zoomen muss und Videos in einer vernünftigen Größe schauen kann. Allerdings habe ich auch mit meinem N95 schon komplette Serien geschaut und habe dennoch keinen Augenkrebs bekommen.

Das zweite Flagschiff aus der Galaxy Reihe kam dann gleich mal mit 4,3 Zoll daher. Dadurch, dass man den Rahmen etwas verdünnt hatte, wurde das Gerät im Vergleich zum Vorgänger nur um 3 Millimeter größer und 2 Millimeter breiter. Dafür wurde es immer schwerer, dass Gerät mit einer Hand zu bedienen. Doch Samsung sollte Recht behalten, dass Gerät verkaufte sich besser als sein Vorgänger. Diese Größe war damals das non plus ultra für Smartphones. Danach kam das S3 und das S4 und natürlich wurden auch hier die Displays größer. Immer nur ein kleines Stück. Kaum merklich, wenn man den Vorgänger gewohnt war. Ich selber nutzte nach dem S1 ein Galaxy Nexus, dann ein iPhone 5 und aktuell besitze ich das Nexus 4. Und manchmal vermisse ich das iPhone 5 aufgrund seiner Größe. Doch wenn man lieber zu Android greift, bleibt einem kaum was anderes übrig, als sich eines der überdimensionierten Smartphones zu kaufen, denn die Mini Versionen der Hersteller sind oft ein Witz. Das S3 und S4 Mini waren eher Mogelpackungen als kompakte Versionen der großen Geräte. Überzogener Preis bei vergleichsweise schlechterer Hardware. Beim HTC One Mini wird das wohl ähnlich aussehen. Derzeit setze ich meine Hoffnung auf das Sony Honami, welches auch in der kompakten Version gute Hardware verbaut haben soll.

Selbstgeschaffene Nachfrage der Android-Hersteller?

In der freien Marktwirtschaft reagieren die Hersteller theoretisch auf die Nachfrage. Das heißt, dass wir, die Kunden, diese immer größer werdenden Geräte also wollen. Die Galaxy Reihe verkauft sich wie frisches Brot und selbst das Note 2, welches sich in der Phablet-Kategorie wiederfindet, findet genug Abnehmer. Doch reagieren die Hersteller wirklich nur auf die Nachfrage, oder versuchen sie, diese Nachfrage selbst zu erzeugen? Das iPhone zum Beispiel, welches den Sprung von 3,5 Zoll auf 4 Zoll erst vor etwa einem Jahr gewagt hat, verkauft sich auch hervorragend. Auch wenn man im Internet immer wieder liest, dass Apple endlich größere iPhones bauen soll. Doch das, was man im Internet liest, ist oft nur eine Blase aus Leuten, die sich häufiger als der Durchschnitt mit Technik befassen. Man kann fast behaupten, dass man im Internet nur von den Leuten liest, die Probleme mit einem Gerät haben. Das habe ich in meiner langen Zeit als Moderator in einem Handy-Forum gelernt: Es beschweren sich nur die Leute, die Probleme haben. Und schon ist man der Meinung, dass betrifft alle. Dabei sind die restlichen 90%, die völlig zufrieden sind mit ihrem Gerät, oft gar nicht unter Beiträgen oder in Foren zu finden. Warum verkauft sich dann das iPhone so gut, mal abgesehen vom Kult, wenn doch der Markt angeblich immer größere Geräte will? Oder ist die Nachfrage doch künstlich erzeugt, damit man sich nicht in der selben Größen-Kategorie wie Apple befindet und damit automatisch die direkte Konkurrenz antreten muss? Durch das Angebot der diversen Hersteller mit ihren großen Smartphones gibt es oft nur die Wahl zwischen dem iPhone oder einem der Flagschiffe jenseits der 4,3 Zoll. Das natürlich nur, wenn man versucht, die aktuellste Technik in seinem Smartphone zu haben. Und da das bei Samsung so wunderbar funktioniert, kommen sie gar nicht auf die Idee, wieder ein kleineres Gerät auf den Markt zu bringen, was man als Flagschiff vermarkten könnte.

Das Smartphone als Statussymbol

Dann kommt noch dazu, dass der gemeine junge Bürger gerne angeben möchte mit seinem Gerät. Denn schon lange sind die „kleinen“ Helfer im täglichen Leben auch zu Statussymbolen geworden. Angefangen mit dem iPhone und dem Apple-Logo auf der Rückseite, ist man mittlerweile auch wer, wenn man ein Galaxy S4 hat. Wenn man dann plötzlich nur ein S4 Mini hat, weil man einfach kein großes Handy braucht, kann man automatisch nicht mehr damit angeben. Ich weiß natürlich, dass das beim besten Willen nicht auf jeden zutrifft, doch die jüngere Generation scheint gerade darauf sehr viel wert zu legen. Und auch Apple lebt seit Jahren von diesem Verhalten. Wie viele Leute sagen denn wirklich Handy zu ihrem iPhone, oder sagen lieber gleich, dass sie ein iPhone haben? Wie viele Leute ärgern sich, dass immer mehr Kinder auch ein iPhone haben, da sie dank Verträgen bezahlbarer geworden sind? Dieser Premium-Anspruch bei Apple hat die Firma erst zu dem gemacht, was sie heute ist. Natürlich auch die guten Smartphones, dass steht außer Frage.

Wahl des Betriebssystemes automatisch Wahl der Größe

Was macht man heute also, wenn man ein neues Gerät möchte? Man entscheidet sich vermutlich im Vorfeld für ein Betriebssystem und somit automatisch für eine Größe: iOS mit 4 Zoll. Android mittlerweile fast ausschließlich mit 5 Zoll Geräten. Gute, top ausgestattete Geräte dazwischen? Fehlanzeige. Die einzige Alternative dazwischen sind eine handvoll Nokia Lumia Geräte. Doch selbst bewegen sich die neuen Flagschiffe auf immer größere Dimensionen zu. Das Lumia 920 zum Beispiel hat eine Display Größe von 4,5 Zoll. Und für viele ist Windows Phone immer noch keine Alternative.

Ich bin also der Meinung, dass der Markt für immer größer werdende Displays von den Herstellern künstlich geschaffen wurde. Jedes Jahr das Gerät ein Stück größer. Fällt zwar auf, aber man gewöhnt sich ja dran. Doch was ist, wenn wir dann tatsächlich irgendwann jenseits der 5 Zoll landen mit ganz normalen Flagschiffen? Wenn ein Note nicht mehr als Phablet gilt? Ich hoffe, dass bei 5 Zoll endlich Schluss ist und der Hersteller endlich wieder merkt, dass es auch einen großen Markt für kleinere Geräte gibt. Den man nicht erst künstlich erschaffen muss.

Welche Größen sind für euch akzeptabel? Sind die 5 Zoll des Xperia Z noch okay? Oder wollt ihr auch mal wieder ein Flagschiff mit vielleicht nur 4,3 Zoll? Hinterlasst mir eure Meinung in den Kommentaren.

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Philipp

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