(Samsung) Smart TVs und der „neue“ Abhörskandal übers Mikrofon [Kommentar]

(Samsung) Smart TVs und der „neue“ Abhörskandal übers Mikrofon [Kommentar]

Heute erschien ein recht spannender Beitrag auf netzpolitik (Link), mit Verweis auf Martin Gieslers Blog (Link), der sich hauptsächlich mit dem EULA (End User License Agreement = Endbenutzer-Lizenzvertrag) von Samsungs Smart TVs befasste. In diesem EULA befindet sich ein kleiner Absatz, der davor warnt, dass man vor laufendem Fernseher keine privaten Dinge erzählen sollte. Denn der Smart TV zeichne alle Sounds in der Umgebung auf, falls eine Spracherkennung vorhanden und aktiviert ist, um dann das Gesprochene dahingehend zu analysieren ob ein für den Fernseher wichtiges Wort gefallen ist. Diese Daten werden allerdings auf Servern gespeichert, wo auch dritte Zugriff darauf haben. Vor diesem Dritte-Partei-Zugriff warnt Samsung folgerndermaßen:

“Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party through your use of Voice Recognition.”

– Auszug aus der Privacy Policy (Link) von Samsung Smart TVs.

Nun echauffieren sich die Leute bei netzpolitik darüber, dass Samsung nicht ausreichend aufmerksam mache dass der Fernseher so etwas macht, also die aufgezeichneten Umgebungsgeräusche an einen Server sendet, um diese dort zu speichern und zu analysieren. Schließlich spioniert Samsung damit die Besitzer eines Smart TVs gewissermaßen aus, zumindest in der Theorie. Und ich könnte mir auch vorstellen, dass RTL bald darüber berichten wird und diesen alten Schuh somit wieder zu Tage befördert.

Nun aber ein paar Fragen von mir an die Leute, die sich da gerade darüber aufregen oder kurz davor sind, was ja recht sinnlos ist, da Samsung euch ja davor warnt:

Habt ihr euch die EULA überhaupt durchgelesen, bevor ihr auf Akzeptieren geklickt habt?

Warum deaktiviert ihr die Spracherkennung nicht einfach, wenn es euch stört? Eure Laptop-Webcams klebt ihr doch auch ab?

Sicher dass der Fernseher euren Dialekt versteht?

Warum schießt ihr eigentlich nur gegen Samsung? Dieses Skandal-Abhör-Daten-Thema ist schon länger bei allen TV-Herstellern bekannt.

Und bei der letzten Frage setzte ich direkt wieder an und gehe etwas in die Vergangenheit. Dass LG die Nutzerdaten ihrer Smart TVs sammelt und weiterverbreitet ist schon ein paar Jahre in aller Munde. Schon am 18. November 2013 gab es einen sehr ausführlichen Artikel darüber auf DoctorBeetsBlog (siehe HIER), der aus dem UK stammt. Er zeigt auf welche Daten der LG Smart TV genau sammelt und von welchen Servern dann Werbung an den Fernseher gesendet werden. Er konfrontierte LG damit, die ihm netterweise antworteten und ihm sagten, dass er ja die Terms und Conditions akzeptiert hätte und das damit legitim wäre. Die einzige Lösung für ihn war nun, dass er einfach über den Router die Domains sperrte und fortan keine Werbung mehr auf seinen Fernseher bekam.

Im Mai 2014 änderte LG seine Terms and Conditions bezüglich Smart TVs und war erneut Thema bei DoctorBeetsBlog (HIER). Hier wurde allerdings nur festgestellt, dass LG den EU-Nutzer nun dazu zwinge das 20-Seitigen EULA zu akzeptieren, da sonst die Smart TV-Features nicht mehr nutzbar seien. Das Thema war ebenfalls bei TechDirt (siehe HIER) zu lesen, wo sich lang und breit über die EULA von LG beschwert wird.

In der aktuellen EULA von LG ist zudem ein ähnlicher Absatz wie bei Samsung zu finden:

„Please be aware that if your spoken word includes personal or other sensitive information, such information will be among the Voice Information captured through your use of voice recognition features.“

..

„LGE may also share personal information and non-personal information (including Device Information, Basic Usage Information, Viewing Information, Voice Information, and Membership Information) with its affiliates and subsidiaries around the world for the purposes described in this Privacy Policy.“

– Auszüge aus der Privacy Policy (Link) der LG Smart TVs

Wem das nicht genug ist, der sollte mal auf myce.com (Link) vorbei schauen, die über eine niederländische Studie von 2014 berichten, in der die EULAs von den bekanntesten TV-Herstellern untersucht werden. Es ist erstaunlich wie schlecht die EULA der Hersteller daherkommen, teils mit etlichen Schreibfehlern, Übersetzungsfehlern und mit vielen schwammigen Umschreibungen.

Mein Fazit: Hasst nicht den Spieler, sondern das Spiel

Kauft euch doch einfach keinen beschissenen Smart TV, wenn ihr euch nicht vorher darüber informiert habt, auch wenn der supernette Mitarbeiter im Elektrogroßhändler euch alles so schön und einfach geredet hat. Es ist doch nur logisch, dass ein Fernseher mit Internet-Zugang eure Daten an irgendwelche Server versendet. Je mehr Features der TV besitzt, desto mehr Daten kann er dann versenden. Wenn er ein Mikrofon hat, wird er eben Sound speichern, wenn er eine Kamera hat, wird diese eben Bilder speichern.

Und da vermutlich niemand von euch die Privatsphäre-Texte durchliest oder je durchgelesen hat, ist dem Hersteller pupsegal was ihr darüber denkt, da ihr sowieso alle auf Akzeptieren klickt. Da könnt ihr euch im nachhinein beschweren wie ihr wollt, da wird sich eher nichts ändern. Hättet ihr mal lieber einen stinknormaler Fernseher mit vier HDMI-Eingängen genommen, in den ihr dann einen Streaming-Stick einstecken könnt? Oder ist euch das nicht smart genug?

Ich freue mich auf eure Kommentare.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.