Marcels TechHate: Warum man Facebook-Kommentare nicht zu ernst nehmen sollte

Marcels TechHate: Warum man Facebook-Kommentare nicht zu ernst nehmen sollte

2014 war politisch gesehen wirklich ein ekelhaftes Jahr. Hetze gegen Flüchtlinge in Schneeberg, ein aufflammen des Nahostkonflikts, die AfD, noch mehr Hetze gegen Flüchtlinge, Islamfeindlichkeit, Verschwörungstheorien, Montagsdemos mit Aluhüten und so weiter. Dank Mark Zuckerberg und Facebook konnten wir an all diesen politischen Krisen fast hautnah teilnehmen, ohne auch nur das Haus verlassen zu müssen. Hierzu mussten wir uns einfach in die Kommentarspalten zu Zeitungsartikeln klicken und hatten den jeweiligen Konflikt direkt in unserem eigenen Wohnzimmer.

TechHate 5

Relativierung des Holocausts + Verleugnung von Antisemitismus.

Ab einem gewissen Punkt in 2014 habe ich beschlossen, dass es für mich und meine geistige Gesundheit besser ist, wenn ich ab sofort keine Kommentare mehr lese. Warum? Die Gründe sind sehr einfach. Durch das ständige Lesen der geistigen Totalausfälle auf Facebook hat sich langsam aber sicher mein Vokabular zurück entwickelt und irgendwann hat es zu viel Anstrengung gekostet, mich gewählt auszudrücken. Zum anderen muss ich mir leider eingestehen, dass mich dieser ganze Müll doch mehr belastet hat, als ich vielleicht zugeben will.

TechHate 3

Typischer dummer Antiveganer

Ich bin ein Mensch der für sein Leben gern hasst. Es gibt nichts, was ich nicht hasse kann und das erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit. Mehrmals am Tag möchte ich am liebsten in die Tischplatte beißen, wenn ich höre und erlebe, was manche Menschen sagen oder tun. Doch am Ende des Tages liege ich entspannt und zufrieden im Bett, mit dem wohligen Gefühl, dass ich alles richtig gemacht habe. Du findest das nicht gut? Rate mal wer Null Fick gibt? Richtig, ich, denn wäre ich eine Avocado, dann wäre ich eine Hass-Avocado.

Desktop Wallpaper

Dementsprechend dürften Kommentarspalten ja genau mein Milieu sein. Dort kann ich quasi 24/7 Menschen vorwerfen dass sie vermutlich zu nah an der Steckdose geschlafen haben und mich mit ihnen pausenlos über Gott und die Welt streiten.Doch ich bin dieser Aufgabe einfach nicht gewachsen und tief in mir drin haben diese endlosen Diskussionen ziemliches Unbehagen ausgelöst. In dem Schlachtfeld geht es oft um grundsätzliche Diskussionen, die zu keiner Lösung kommen, denn Diskussionen im Internet sind selten konstruktiv und eigentlich nur dazu da, das eigene Weltanschauung bestätigt sehen zu wollen. Damit komme ich jedoch gut klar, sinnlos provozieren und einfach auf die Kacke hauen gehört zu meinen Top 5-Stärken.

TechHate 4

Logische Erklärung, wieso PEGIDA schrumpft

Womit ich jedoch nicht klar komme ist der schier unendliche Hass mancher Menschen gegenüber alles was anders ist. Flüchtlinge, Menschen anderer Sexualität, Moslems, Juden, Israel, Abtreibung, Frauenrechte etc., die Liste ist lang. Ihre ekelhafte Hetze sorgt nicht nur dafür, dass an meiner Stirn eine Schlagader mit dem Durchmesser eines Baby-Oberarms anwächst, nein, es löst in mir auch eine schwere Hoffnungslosigkeit aus. Als ich gemerkt habe, dass solche Kommentardiskussionskriege Auslöser meines Unbehagens sind, habe ich beschlossen, sie zukünftig einfach zu meiden, dementsprechend fallen die Beispiele hier auch nur oberflächlich aus.

TechHate 6

Relativierung des Holocausts. Business as usual auf SPON

Langsam glaube ich, dass dieser Gedankengang vielleicht gar nicht mal so richtig war. Mir ging es hauptsächlich schlecht, weil ich von den Kommentierenden auf die große gesamte Menschheit geschlossen habe oder zumindest auf einen sehr großen Teil von ihr. Irgendwie logisch oder? Viele Menschen schreiben dummen Scheiß im Internet, ergo gilt, dass es auf der Welt viele dumme Menschen am geben sein tut. Vielleicht sollte man solche Kommentare und Aussagen jedoch nicht generalisieren und alles ist nur halb so wild?

TechHate^

Typischer dummer Veganer

Wann und was Menschen kommentieren ist unheimlich selektiv und sagt nichts darüber aus, was sie konsumieren, welche Medien sie aufnehmen und vor allem was sie darüber denken. So können an mir täglich 10 wissenschaftliche Paper in meinem Newsfeed an mir vorbeirauschen, ich kann sie auch alle 10 lesen und auch alle außerordentlich gut finden, am Ende des Tages werde ich keins davon kommentieren. Wenn dann aber ein Video auf meinem Bildschirm auftaucht, in dem eine Katze zu sehen ist, deren Sprungversuch auf dem Schnee bedeckten Autodach scheitert und sie dabei drollig vom Auto fliegt, da kommentiere ich was das Zeug hält. Mehrmals. Ist aber auch witzig

So können rein theoretisch 10 hetzende PEGIDA-Anhänger im Internet ziemlich schnell den Eindruck hinterlasse, als ob locker 5.000 Menschen der Meinung wären, dass wir von Flüchtlingen und Moslems überrannt werden. Diese Überschätzung der tatsächlichen Menschen, die solche abartigen Meinungen vertreten, sorgt schnell für Frust und Hoffnungslosigkeit. Dies liegt daran, dass wir die schweigende Mehrheit, die anderer Meinung sind und nicht kommentieren, einfach nicht beachten. Ein Phänomen, welches Nassim Taleb in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Der schwarze Schwan“ äußerst gut beschrieben hat.

TechHate 2

Behaltet dies im Hinterkopf, wenn ihr in Zukunft glaubt, dass die Menschheit grundsätzlich nur aus Vollidioten besteht, die den Eindruck machen, dass sie sich mit Kloreiniger das Gehirn weggesoffen haben. Dies gilt übrigens nicht nur für politische Diskussionen im Netz, sondern auch dann, wenn ein Unternehmen o.Ä. Produkte/Content im Internet anbietet. Zwar können negative Kommentare überwiegen, doch vergesst niemals die schweigende Mehrheit, die sich unauffällig im Hintergrund bewegt. Beispiel: Gibt man sich mal die Kommentaren auf den Facebook-Seiten von Vodafone und Co., dann bekommt man schnell den Eindruck, dass sie eigentlich in Scheiße ertrinken müssten, doch irgendwie machen sie trotzdem Gewinne und halten sich erfolgreich am Markt. Die schweigende Mehrheit findet den Dienst nämlich gut.

Falls ihr euch nur danach richtet, was die Hater und Trolle so posten, dabei aber außer Acht lasst, dass euer Produkt (egal ob richtiges Produkt, oder Content) trotzdem Verbreitung findet, dann werdet ihr durch unnötiges Anpassen langsam aber sicher euren Nutzerkreis verringern. Dementsprechend, fangt an Kommentare auf Facebook weniger ernst zu nehmen, oder allgemein Menschen weniger ernst zu nehmen. Das ist besser fürs Herz.

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Marcel

Der Reißverschluss, das Internet und Ketchup waren meine Ideen. Bist du cool, dann folgst du mir bei Twitter.