Kommentar zur Apple Watch: Übertriebener Preis oder alles ok?

Kommentar zur Apple Watch: Übertriebener Preis oder alles ok?

Apple hat heute alles richtig gemacht: Vor Monaten hat man geteasert, heute mit einem Produktvideo eingeleitet und dann die Katze aus dem Sack gelassen – bei 399 Euro geht es los. Für ein so kleines Stück Technik ein maximal übertriebener Preis, aber da steckt ja mehr hinter.

Wer erwartet hat, dass Apple heute versuchen wird euch nur Technik zu verkaufen, der hat sowieso nichts verstanden. Eine Smartwatch ist nur zu einem Drittel Technik, den Rest teilen sich die Trendfaktoren „Armbanduhr“ und „Mode“. Fangen wir mit dem ersten Punkt an.

Technik

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Apple hält sich natürlich maximal zurück. Welcher Prozessor steckt drin? Wie viel RAM hat die Kiste? Wie groß ist die Kapazität des Wegbegleiters? Vielleicht interessante Eckdaten, faktisch ist das Zeug aber absolut irrelevant. Apple gibt das Versprechen, dass alles funktionieren wird – und bevor Android erschien reichte das Versprechen der Firmen den Kunden noch. Klar gab es auch damals Leute die kritisch mit Technik umgingen, aber neue Firmen wie etwa ein OnePlus Äquivalent hätten damals einen jährlichen Geräteabsatz von maximal 1 gehabt.

Mit Android ist im mobilen Geschäft dann der Faktor der Leistung dazu gekommen, heute kauft kein Geek mehr ein Smartphone wenn es nur einen 1 GHz Prozessor hat – ob Samsung oder HTC. Anders ist es bei Apple. Die Leute kaufen keine Spezifikationen, sondern ein Gerät. Und wenn Apple sagt, dass ihre Uhr smart ist, dann wird nichts hinterfragt. „Das Produktvideo zeigt Benachrichtigungen und den Pulsmesser – wenn mein Geldbeutel es hergibt kaufe ich mir eine“. So oder so ähnlich wird der innere Monolog vieler Leute heute Abends ausgesehen haben (zumindest unbewusst).

Wir halten also fest: Die Techblogs werden euch in den nächsten Wochen, spätestens ab dem 10. April, mit Spezifikationen bedienen – den potentiellen Käufern wird es aber egal sein weil es einfach läuft. Ob LG nun noch eine Smartwatch mit einem Snapdragon 805 und einem 2.000 mAh Akku im kompakten Format bringt oder nicht. Respekt Apple, ihr habt den goldenen Schnitt für Werbung, heißmachen und abliefern gefunden.

Faktor „Armbanduhr“

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Für die Technik alleine werdet ihr bei der günstigsten Variante 133,33 Euro, also ein Drittel, bezahlen. Leider stehen aber noch zwei Faktoren aus. Wenn wir über Armbanduhren reden ist es mit der Vernunft eh schon geschehen. Entweder man hat keine Uhr oder man hat eine Uhr die einen optisch gefällt und vielleicht auch noch weil sie ein Effekt nach außen hin haben soll. Geschätzt einer von zehn Millionen Menschen in den Industrieländern kauft sich eine Armbanduhr damit er immer weiß wie spät es ist – Pragmatismus ist bei Uhren einfach nicht existent.

Das weiß natürlich auch Apple und bittet euch deswegen schön zur Kasse. Die Sport Edition fängt bei 399 Euro an. Manch einer denkt sich jetzt natürlich, dass solch ein Preis für Uhren schnell erreicht ist. Was man aber bedenken muss: Ohne 500 Euro iPhone ist das Schätzchen nichts wert – außer Prunk. Problem Nr. 2: Plastik. Die Sport Edition besteht volle Kanne aus Plastik. Hier könnte man jetzt gute Vergleiche zu bereits erhältlichen Smartwatches ziehen, dazu aber später mehr. Problem Nr. 3: Apple ist absolut neu auf dem Gebiet und vergießt hier den Vorschuss den man durch Laptops und Smartphones erworben hat.

Weder für eine Uhr, noch für so ein kleines Stück Technik würde ich heute oder in hundert Jahren 400 Euro latzen. Vor allem nicht wenn ich weiß, wie groß die Gewinnspanne ist. Günstige Technik und die Materialien sind von den Kosten her auch für die Nüsse – zudem weiß man wie bei Apple produziert wird. Extra Produktionslinien nur für die Uhr? Pfff, hört nicht auf so ein Zeug wenn euch jemand sowas erzählen möchte. Zudem gebe ich mein Geld lieber für Technik aus, nicht für PR.

Oben drauf kommen bei Apple dann noch die Armbänder. Normalerweise halte ich nicht viel davon das Armband zu wechseln, schließlich haben sich die Hersteller beim einsetzen des Bandes schon sehr klar was gedacht. Aber quietschebuntes Plastik lädt gerade dazu ein seinen Individualismus nach außen tragen zu müssen – in diesem Falle kostet euer Individualismus aber 49 Euro pro Phase. Erst vor kurzem hat Jony Ivy (Chefdesigner bei Apple) Motorola angefahren weil der Moto Maker quasi die weiße Fahne der Designabteilung ist: Bitte lieber Jony, was ist dann mit euren Wechselbändern?

Faktor „Mode“

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Jup, das Feld in dem ich mich nicht auskenne. Aber muss ich das? Irgendwie ja schon, denn Apple möchte mir ja ein Stück Mode mit etwas Technik verkaufen. Und bevor ich 400 Euro ausgebe sollte ich ja etwas Ahnung davon haben. Swatch hatte vor zwei oder drei Jahren, keine Ahnung wann genau das war, mit den Ice Watches einen unglaublichen Erfolg. Jeder im Alter von 15 bis 20 musste so ein Ding haben – und selbst „alte“ Leute wollten damit hip wirken. Letzteres klappte definitiv nicht.

Pah, potthässlich. Zudem alt, theoretisch also außer Mode. Aber Apple sagt es ist Mode, also ist es das. Und wenn Kritiker jetzt noch sagen „Ne die Apple Watch ist nicht so schön“, dann werden sie spätestens nach der nächsten Modenshow, bei der dann jeder große Designer undercover Markenbotschafter für Apple spielen darf, beim Store um die Ecke nach einer Apple Watch Edition für 11.000 Euro betteln. Einen Monat später sehen die Kiddies dann den großen Kritiker mit einer Apple Watch auf Instagram und spätestens dann brechen die Dämme.

Apple möchte das Geld von den Eltern von quengelden Kindern. Konnte man bis jetzt noch schön mit der Rückhand ausholen weil das Kind für 900 Euro ein Smartphone haben wollte, kommt man jetzt ins Grübeln weil die Geschichte zur Einführung „nur“ noch 400 Tacken kostet. Zurück zur Mode: Die Uhr ist hässlich. Apple versucht sich durch Argumente immer von Samsung zu distanzieren, ist zusammen mit dem Südkoreanern aber der letzte Konzern mit einer eckigen Smartwatch im Angebot.

Vergleiche

Wie schon gesagt, vergleichen möchte ich noch. Samsung hat vor 1 1/2 Jahren auf der IFA 2013 parallel zum Galaxy Note 3 die Galaxy Gear vorgestellt. Heute ist diese Uhr weitestgehend nur noch als Gear 1 bekannt weil Samsung per Update Android von der Uhr gelöscht hat und Tizen als OS installierte – eine gute Entscheidung. Und anscheinend möchte Apple einen ähnlichen Fehler machen. Kleines Display, mäßiger Akku und eine kleine, eckige Mattscheibe.

Dazu kommt das Armband. Eine Armbanduhr soll edel sein, weiches, gummriges Plastik ist genau das Gegenteil. Wechselbar ist es, 50 Euro für den Ersatz schmerzen aber (das ist eine halbe Fossil Uhr). Das aller schlimmste: Der Formfaktor. Eckiges Display? Höchstens noch gut um auf einer Party die Blicke auf sich zu ziehen. Apple etabliert gerade quasi den Effekt, dass Leute mit einer eckigen Uhr Geld haben müssen. „Uh schau mal, seine Uhr ist eckig. Die ist garantiert von Apple, der hat bestimmt Geld“. Warum? Weil es nicht normal ist, und das ist was die bisherigen Apple Kunden wollen – zeigen, dass sie nicht wie DU sind.

Motorola, LG und zuletzt auch Huawei haben gezeigt wie unglaublich schön eine smarte Uhr sein kann. Ich trug meine LG G Watch R auch super gerne, benutzte sie aber ausschließlich im Flugmodus. Die smarten Funktionen sind mir egal, ich will einen ausdauernden Akku. Zudem ist es ein flexibles Watchface das ich frei wählen kann, man fühlt sich damit wirklich in der Zukunft angekommen. Es ist einfach ein herzerwärmender Effekt wenn das Ziffernblatt angeht weil ich drauf gucke. Zukunft!

Abschließende Worte

Apple wird Erfolg haben. Die Generation 14 bis 19 hat bereits ein iPhone, wenn Mama und Papa zuhause nun nein zum neuen iPhone 6 Plus sagen, dann wünschen sie sich einfach die smarte Uhr von Apple die zum Glück ja nur einen Teil kostet. Die Eltern sind mit dem Kompromiss zufrieden und um hip zu sein kauft sich einer der beiden auch noch ein Exemplar – ist ja Apple und dem Nachbarn muss ich mal zeigen wer die Batzen hat.

Weniger böse: Es wird auch Mensch geben die sich die Uhr kaufen weil sie sie wirklich schön finden, der Großteil wird aber bei der Suche nach einem Blender darauf stoßen. Bringt eine smarte, runde Uhr mit einem standarisierten 22 mm Anschluss (gerne verschiedene Ausführungen) und ich bin sicher, dass ich mit eurer Designabteilung auch bei 400 Euro befriedigt werde. Aber bitte: Nicht eckig und nicht 11.000 Euro teuer! Wer sich dieses Exemplar kauft landet automatisch und unumkehrbar auf meiner „Halt die Fresse“ Liste.

Stellt euch vor LG stellt morgen spontan eine aus Metall gefertigte Armbanduhr mit eckigem Display vor. Würdet ihr 600 Euro dafür bezahlen ohne genau zu wissen wie es da mit den technischen Spezifikationen aussieht? Prost Mahlzeit, jut Nacht.

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Dustin

Star-Blogger, Multimillionär, Samsung Fanboy und beliebt - zumindest am Gegenteiltag. An den normalen Tagen lasse ich mich dann auf die Jungs von TechNews und AllAboutSamsung ein - ein Wandel zwischen Himmel und Hölle.