Kamals Kritik: Privatsphäre? Nein danke!

Kamals Kritik: Privatsphäre? Nein danke!

Ich könnte kotzen, wenn ich daran denke, wie selbstverständlich wir mittlerweile all unsere Daten an geldgeile Konzerne abgeben, ohne uns auch nur einmal wirklich richtig Sorgen dabei zu machen. Klar, es gibt einige Leute, die sich angemessen schützen und entsprechende Vorkehrungen und Maßnahmen treffen, damit eben nicht jeder alles weiß. Doch der „normale“ Internetnutzer aus unseren Reihen macht sich diese Gedanken wohl kaum.

Wir sind faul!

Die NSA, oh, ach. Hilfe, wir werden ausspioniert. Die Skandale der vergangenen Wochen und Monate waren überall in den Medien zu lesen. Kaum einer hat was an seinem Verhalten geändert. Die Bundeskanzlerin machte das Internet zu Neuland, alle machen sich darüber lustig. Im Grunde genommen hatte sie aber doch recht. Wir haben im Prinzip überhaupt gar keine Ahnung, was für ein Monster wir mit dem World Wide Web eigentlich geschaffen haben. Klar, es ist ein tolles Netz, das uns einiges ermöglicht, das vorher nicht möglich war. Doch das ist nur die eine Seite der virtuellen Medaille. Es gibt keine offiziellen Verhaltensregeln, keine allgemeingültige „Ethik des Netzes“. Wir posten alles, ob es sich dabei nun um die Geburt unserer Kinder, den Tod unserer Freunde oder die letzten Verdauungsstörungen nach dem Besuch bei dem etwas merkwürdigen Inder um die Ecke handelt. Wir haben einen dermaßen starken Mitteilungsdrang entwickelt, dass wir nicht mehr hinterfragen, sondern nur noch maßlos sharen, liken, posten, tweeten und wie diese ganzen anderen neudeutschen Ausdrücke sonst noch so heißen.

Aber das Teilen der noch so belanglosesten Information ist nicht wirklich das Erschreckende, sondern dass unsere Daten eben auf mannigfaltige Art und Weise gesammelt werden und wir eigentlich überhaupt gar kein Problem mehr damit haben. Ganz im Gegenteil, generell erleichtert das alles ja unseren Alltag. Und Bequemlichkeit – Convenience – ist klasse. Es ist doch toll, wenn Google weiß, wo wir uns wann aufhalten, wie wir dort hin gekommen sind und wie lange wir dafür gebraucht haben, was wir essen, wo wir einkaufen, was für Musik wir hören und welche Bücher/Magazine wir lesen, wer unsere Freunde und Familienangehörige sind, wo wir zur Schule gegangen sind und wo wir gearbeitet haben, welche Filme wir mögen, wie wir unsere Freizeit gestalten, wann wir erkältet sind, welche Pornos wir schauen usw. Wir geben alles von uns preis. Gerne sogar.

Kostenlos? Dass ich nicht lache

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Skandal, der durch die Grundlagen für den „Großen Lauschangriff“ Ende der 1990er entstand. Die Leute sind auf die Straße gegangen, keiner wollte von irgendwem „überwacht“ werden. Zu meiner Jugend gehörten Bücher wie „Brave New World“ und „1984“, Dystopien also, in denen es um die totale Überwachung geht. Nicht einmal 20 Jahre später haben wir das aber im Grundsatz schon geschafft und sind dabei sogar soweit, dass wir uns gar nicht überwachen lassen müssen, da wir unsere Informationen in vielen Bereichen gerne für ein „kostenloses“ Angebot ganz freiwillig eintauschen. „Kostenlose“ E-Mail-Konten, „kostenloser“ Cloud-Speicher und sonstige „kostenlose“ Angebote im Netz habe eben doch ihren Preis.

Am meisten rege ich mir dabei vielleicht sogar über mich selbst auf. Meine Privatsphäre ist mir einerseits verdammt wichtig, andererseits nutze ich so ziemlich alles von Google, was das Unternehmen aus Mountain View mir hinwirft. Und das obwohl ich ganz genau weiß, dass Google vor allem mit einer Sache Geld verdient: Mit Werbung. Ich mache also mit, obwohl ich es eigentlich besser weiß und Alternativen kenne. So sehr habe ich mich mit der Bequemlichkeit abgefunden, dass ich willentlich den Preis dafür zahle und kaum noch hinterfrage, was eigentlich bei Google abgeht. Eigentlich ganz schön beschissen.

Bild: Corey Burger via flickr

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Kamal

Chaosforscher/Alltagspedant
Menschenfreund und Misanthrop, Technik gehört zu seinen größten Freuden und Leiden. Mobile Telefone kamen erst relativ spät in sein Leben, davor ging es auch irgendwie. Die letzten Jahre fanden vor allem im Internet statt, die Welt draußen war nur noch ein Platz zur Nahrungsaufnahme. Heute ist alles anders.