Kamals Kritik: Ferngesteuerte Menschen? Och nö

Kamals Kritik: Ferngesteuerte Menschen? Och nö

Die Technologie heutzutage ist schon faszinierend. Wir können mit einem kleinen Computer, den wir im Alltag mit uns herumtragen, extrem viel tun. Mehr, als die meisten, die genau so ein Teil haben, tatsächlich wissen. Und in Zukunft wird diese bereits ausgesprochen lange Liste vielleicht um die Funktion erweitert, andere Menschen damit fernzusteuern. Also ich brauche das nicht.

Jaja, die Technologie ist nur deshalb so weit gekommen, weil Menschen sich mit den merkwürdigsten Dingen auseinander gesetzt haben. So werden oft natürlich auch Probleme gelöst, die vorher vielleicht gar nicht als Probleme bewusst waren. Manchmal werden allerdings auch Lösungen gefunden, die bei guten Problemen ansetzen, dabei aber irgendwie selbst für ganz neue und vielleicht sogar noch größere Probleme sorgen. Aber eins nach dem anderen.

Hallo, liebe Elektroden

Max Pfeiffer, Student im Bereich Mensch-Computer-Interaktion an der Uni Leibniz in Hannover, hat einen Prototypen entwickelt, mit dessen Hilfe sich Fußgänger „lenken“ lassen. Zum Einsatz kommen dabei kleine Elektroden, die auf den Oberschenkeln angebracht werden. Über diese Elektroden (die übrigens aus einem einfachen Massagegerät stammen) werden elektrische Impulse gegeben, die ihrerseits von einem Smartphone versendet werden. Die Elektroden stimulieren dann den sogenannten Schneidermuskel, der das äußere Becken mit dem inneren Knie verbindet und so die Rotation des Beines kontrolliert. Die Versuchsperson muss allerdings schon selbst die Energie dazu aufbringen und laufen, erst dann zeigt der Impuls seine dezente Wirkung. Klingt doch fantastisch, oder?

Nein.

An dem Test beteiligten sich 18 Freiwillige. Die Stimulanz durch die Elektroden war dabei nur so groß, dass die Beteiligten immer das Gefühl hatten, sich gegen den Impuls entscheiden zu können, um in eine andere Richtung zu laufen. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass dieser elektrische Impuls so gering war, dass er für die Freiwilligen nicht unangenehm wurde. Was, wenn man einfach etwas mehr Strom durch den Schneidermuskel ballert?

Adé Smartphone-Nacken?

Und waurm das Ganze? Pfeiffer sieht in seiner Untersuchung einen Ansatz für das ständige Starren auf unsere Smartphones. Anstatt in Zukunft mit Google Maps oder einer anderen Karten-App von A nach B zu kommen, könnte man diesen Prozess einfach automatisieren und den Vorgang dann eben über ein Smartphone per Elektro-Impuls steuern. Ja, endlich schauen wir mal wieder nach oben und sehen, was die Stadt uns zu liefern hat, juchu. Endlich können wir aus der Unterdrückung unserer smarten Begleiter (die oftmals smarter als ihre Besitzer zu sein scheinen) herausbrechen und wieder richtig leben. Ach halt, nee. Das Smartphone sagt uns ja dann sogar, wie wir wohin zu laufen haben. Und dass dies auch für den ein oder anderen wirtschaftlich orientierten Konzern durchaus sehr interessant sein könnte, wäre keine Neuheit „Hey Larry, wir haben da jetzt für Google so eine geile neue Technologie gekauft, damit können wir steuern, wo Leute hin und lang laufen sollen, damit sie unsere Werbung noch besser sehen“. Und das ist nur ein ganz harmloses Szenario.

Wer sein Hirn irgendwann überhaupt nicht mehr dazu nutzt, von A nach B zu kommen, dem sollte man schnellstmöglich sein Smartphone wegnehmen, basta. Sicherlich denkt sich jetzt der ein oder andere: Für irgendwas muss das doch gut sein. Nein, ihr liegt falsch, ich habe Recht.

Glücklicherweise sind wir ziemlich weit weg vom Einsatz einer solchen Technologie, aber wie wir ja in den letzten Jahren gesehen haben geht es manchmal dann doch plötzlich alles ganz schnell. Ein bisschen Angst hab‘ ich schon.

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Kamal

Chaosforscher/Alltagspedant
Menschenfreund und Misanthrop, Technik gehört zu seinen größten Freuden und Leiden. Mobile Telefone kamen erst relativ spät in sein Leben, davor ging es auch irgendwie. Die letzten Jahre fanden vor allem im Internet statt, die Welt draußen war nur noch ein Platz zur Nahrungsaufnahme. Heute ist alles anders.