Kamals Kotz Kolumne: Pay-to-Win und In-Game-Purchases, ich hasse Euch

Kamals Kotz Kolumne: Pay-to-Win und In-Game-Purchases, ich hasse Euch

Was ist bloß aus der (Gaming-)Welt geworden? Früher hat man sich ein Spiel gekauft und dieses dann auch tatsächlich als vollständige Ausgabe besessen. Heute sieht die Sache aber deutlich anders aus.

Erst Apps, dann Konsolenspiele. In-App-Käufe sind zwar nichts Neues, werden aber meines Erachtens immer penetranter. Spiele wie etwa die äußerst erfolgreichen Apps aus dem Hause „King“ (z.B. Candy Crush Saga, Candy Crush Soda Saga oder Bubble Witch Saga) sind auf den ersten Blick zwar kostenlos, wer die Spiele aber mal eine Weile gespielt hat, wird schnell merken, dass der Unterhaltungsfaktor zuweilen nur sehr kurzlebig sein kann und sich stattdessen schnell Frust einstellt.

Die Formel dazu lautet:

Freemium-Game + In-App-Purchase x exorbitante Preise + teilweise unglaublich schwere Level = Amoklauf

Ich kann allerdings mit Stolz behaupten, dass ich für ein solches Spiel noch keinen Cent ausgegeben habe. Dafür habe ich mich aber schon oft darüber aufgeregt, wie unglaublich schwer manche Level sind. Leider hat es dabei nämlich oft weniger etwas mit Können, sondern einfach mit Glück zu tun, ob man das Level nun meistert oder eben nicht.

Was mich dabei am meisten stört ist die künstliche Verknappung der Ressourcen, wie man es eigentlich lange nur von Apple kannte. Statt einfach 3-5 Züge mehr anzubieten, mit denen die Level mehr Spaß machen und tatsächlich mit einem der ersten 10 Versuche bewältigt werden könnten, schaffen es diese Entwickler, eine Mischung aus süchtig machender Bonbongrafik und einem Belohnungssystem à la Einarmiger Bandit zu schaffen, das den Spieler zum Junkie macht.

Hilfe, ich bin ein Suchti!

„Hallo, mein Name ist Kamal und ich spiele Candy Crush Soda Saga. Ich habe in der Vergangenheit schon versucht, damit aufzuhören, habe es sogar mehrfach deinstalliert, aber ich kann die Finger einfach nicht davon lassen.“ Tja, Zucker macht eben hochgradig abhängig. Ich bin nur eben sehr froh, dass ich es wenigstens vermeiden kann, mein hartverdientes Geld für digitale Superbonbons auszugeben, um damit ein Level zu bewältigen, nur um dann gleich wieder leicht gefrustet zu sein, bis meine fünf Leben dann aufgebraucht sind und ich 20 Minuten (!!!) darauf warten muss, bis eines davon wieder aufgefüllt wird. Oder aber ich nerve meine Facebook-Kontakte mit meiner Sucht und bitte sie um einen kleinen Fix. „Nur ein Leben, bitte. Ihr könnt auch diese Cheeseburger haben“. Diese Referenz verstehen sicherlich nur die Leute, die mit dem Film „Menace 2 Society“ etwas anfangen können.

Ich verstehe, dass Entwickler wie King mit irgendwas Geld verdienen wollen/müssen und dies mit ihrem Modell sehr geschickt tun. Das Spiel selbst ist kostenlos und kann als solches auch einigermaßen gespielt werden, zumindest solange, bis man ordentlich angefixt ist. Aber immerhin. Es nervt mich zwar, doch ich kann es akzeptieren (auch wenn ich mich dennoch darüber aufrege).

Was mich aber so richtig nervt und wofür ich überhaupt gar kein Verständnis habe ist, dass mittlerweile auch die Konsolenspieleentwickler auf diesen Zug aufspringen (ist das bei PC-Spielen auch so? Da kenne ich mich nämlich nicht aus).

Vor einigen Wochen habe ich mir gebraucht das Spiel „The Crew“ für die PS4 gekauft. Als Online-Version sollte dieses stolze 70 Euro kosten, gebraucht habe ich es aus England für 25 erhalten. Gehen wir aber mal davon aus, dass jemand das Spiel neu zur UVP ergattert. Anstatt dass sich dann aber alle Autos (in einem Rennspiel!) durch regelmäßiges Spielen freischalten lassen, muss man für diverse Autos noch mehr Geld ausgeben. 3 bis 5 Euro für ein digitales Auto? Ach ja, und wenn man online gegen andere antreten möchte, wird natürlich auch noch eine PlayStation Plus-Mitgliedschaft nötig, die natürlich auch nochmal Geld kostet. Logo. Sag mal, wollt ihr mich eigentlich verarschen? Wenn ein Spiel schon so teuer ist, kann man doch gefälligst erwarten, dass dieses auch vollständig ist. Stellt euch mal vor, man würde ein Brettspiel wie „Monopoly“ kaufen(ja, ich bin noch mit Brettsielen aufgewachsen) und auf dem Brett würden die Parkstraße, der Nordbahnhof, sowie das Erlebnis- und das Gehen-Sie-in-das-Gefängnis-Feld fehlen. Außerdem wären nur ein paar wenige Häuser vorhanden, mit denen man seine Mieten erhöhen kann. Wer das Spiel halt ganz spielen will, soll sich gefälligst das Zusatz-Pack mit Season Pass zulegen. Ganz ehrlich, ich finde das nicht nur nervig, sondern richtig beschissen. Vielleicht sollte ich mich doch weniger mit der ganzen Technik befassen…

Artikelbild: Go to Jail von Ken Teegardin via flickr

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Kamal

Chaosforscher/Alltagspedant
Menschenfreund und Misanthrop, Technik gehört zu seinen größten Freuden und Leiden. Mobile Telefone kamen erst relativ spät in sein Leben, davor ging es auch irgendwie. Die letzten Jahre fanden vor allem im Internet statt, die Welt draußen war nur noch ein Platz zur Nahrungsaufnahme. Heute ist alles anders.