Kamals Kolumne: Apple Music ist eine Revolution? Dass ich nicht lache.

Kamals Kolumne: Apple Music ist eine Revolution? Dass ich nicht lache.

iOS 8.4 ist da und damit auch Apple Music. Wahrscheinlich werden sich einige Leute sehr darüber freuen, dass auch Cupertinos „Wunderkind“ nun einen eigenen Musik-Streaming-Dienst hat. Mir persönlich ist das ziemlich egal, allerdings finde ich Apples großkotzige Art der Selbstdarstellung mittlerweile einfach nur noch peinlich.

Um allen gleich die Luft aus den Segeln zu nehmen, die meinen, ich habe generell ein Problem mit Apple: Nein, habe ich nicht. Ich nutze selbst ein MacBook und bin mit diesem äußerst zufrieden. Ja, Apple baut gute Technik, definitiv. Aber diese maßlose, ja, arrogante Art, sich selbst immer wieder als den Propheten im Technikbereich darzustellen, nervt mich unheimlich.

Schauen wir uns doch die jüngste Präsentation eines zumindest für Apple neuen Dienstes an. Musik-Streaming ist ja nun eigentlich keine so wirklich neue Sache. Es gibt LastFM, Pandora, Deezer, Spotify, Google Music, Amazon Prime Music, SoundCloud, Hype Machine und so viele andere Angebote. Manche von diesen unterscheiden sich in ihrem Aufbau ganz klar von der Konkurrenz, andere wiederum wirken eher wie eine Kopie bereits bestehender Dienste. Was allen aber gemeinsam ist: Sie waren alle vor Apple Music da. Das allerdings hält Apple allerdings nicht davon ab, sich mal wieder als das Maß der Dinge hinzustellen.

Ich mag die Keynotes nicht

Nehmen wir als Beispiel die Keynote (die sich ausschließlich auf OS X oder iOS am besten auf Safari anschauen lässt. Wollt ihr mich eigentlich verarschen? In welcher Zeit leben wir denn, dass man Videos nicht einfach in jedem beschissenen Browser auf jedem Computer-System abspielen kann?):

Nach einer wahnsinnig pathetischen Einführung („…something we are super excited about. You know, we love music and music is such an important part of our lives and our culture…“ blablabla) und einem schnellen Abriss der Musikgeschichte (die, was, 1880 beginnt, weil dort der Vorläufer des Plattenspielers erfunden wurde? Vorher gab es also keine Musik, oder wie?) behauptet Herr Cook dann doch einfach mal, dass Apple Music das „nächste Kapitel in der Musik“ sei. Ja, es wird „die Art und Weise, wie wir Musik erleben, für immer verändern“. Auf der eigenen Webseite stehen außerdem solche aussagekräftigen Sätze wie „Und indem wir Radio neu erfinden, mit einem weltweiten Sender, der 24/7 live ist“.

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Wie ich Tim Cooks selbstgefälliges Grinsen kaum ertragen kann. Bild: Apple

Entschuldigung, aber solche als Tatsachen hingeklatschte Aussagen klingen schwer nach Realitätsverlust. Was bitte ist anders als bei der Konkurrenz, dass hier solche großen Worte in den Mund genommen werden dürfen? Das kuratierte 24/7 Radio-Programm? Nun gut, es kann tatsächlich sein, dass es einen solchen globalen Sender bisher nicht gab. Aber wozu sollte ich das brauchen? Kann man nicht auch schon jetzt dank Tune-In etc. 24/7/365 Musik hören? Wo bitte ist hier also die Revolution zu finden? Muss ich jetzt immer und immer bis an mein Lebensende diesen Sender rund um die Uhr hören, damit sich der Sinn dahinter ergründet? Weiter geht es damit, dass Künstler ihre Musik und andere Inhalte mit ihren Fans teilen können. Bombe. Ich dachte, dazu nutzt man Facebook, Twitter, Bandcamp etc.

Klingt irgendwie bekannt

Ansonsten, klingt Apple Music für mich schwer nach Spotify, außer, dass es für Familien etwas günstiger ist, dafür nach einer dreimonatigen Testphase aber immer Geld kostet und das Streaming auf 256 kbit/s übertragen wird. Wenn euch die Musik so verdammt wichtig ist, wieso um Himmels Willen gibt es dann kein Lossless-Streaming oder wenigstens 320 kbit/s?

Sicherlich: Apple Music wird einiges richtig machen, was die Konkurrenz vielleicht nicht richtig macht, und verdammt nochmal, ich soll in Grund und Boden verschwinden, wenn Apple mit dem Dienst nicht auch wieder unglaublich viel Kohle scheffelt. Sich aber als die Revolution in der Musik hinzustellen und so zu tun, als sei man der heilsame Messias, der selbstlos nur an das Gute im Menschen und die Liebe zur Musik denkt, kotzt mich an. Aber wenn Trent Reznor schon sagt, wie toll das ist, dann kann das ja nur stimmen, oder?

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Kamal

Chaosforscher/Alltagspedant
Menschenfreund und Misanthrop, Technik gehört zu seinen größten Freuden und Leiden. Mobile Telefone kamen erst relativ spät in sein Leben, davor ging es auch irgendwie. Die letzten Jahre fanden vor allem im Internet statt, die Welt draußen war nur noch ein Platz zur Nahrungsaufnahme. Heute ist alles anders.