Ein Kommentar über den Sinn und Nutzen von Smartwatches

Ein Kommentar über den Sinn und Nutzen von Smartwatches

„Für was braucht man eigentlich eine Smartwatch?“ Diese Frage stellte ich mir etwa als Google das neue Smartwatch-OS Android Wear auf den Markt brachte. Allerdings muss ich hier dazu sagen, dass ich noch nie ein großer Fan von Uhren war und bisher nur eine übertrieben bonzige Fake-Uhr besitze, die ich während eines Schulausflugs in Strasbourg bei einem französischen Straßenhändler für 2 Euro erfeilscht habe. Diese war erstaunlicherweise sehr stabil und bekam erst nach etwa 8 Jahren einen Riss, als ich versuchte die Kellerfliesen auf Armbanduhren-Sturz-Tauglichkeit zu überprüfen. Seit diesem Tage kam keine neue Uhr mehr ins Haus, bis eben vor ein paar Monaten. Denn da bekam ich die Sony Smartwatch 2 geschenkt (als Postbank-Kunde über eine Aktion auf mydealz).

Da ich der Smartwatch und damit der ganzen Uhrenbranche eine neue Chance geben wollte, behielt ich die Uhr, anstatt sie für gutes Geld auf eBay zu verticken. Schließlich bin ich Blogger und muss ja alles einmal in der Hand gehabt haben, um darüber urteilen zu können. Doch mit der Zeit kamen mir immer mehr Bedenken bezüglich der Sinnhaftigkeit und dem Nutzen von Smartwatches im Allgemeinen. Daher möchte ich im Folgenden ein bisschen auf die Vorteile und Nachteile eingehen und diese aus meiner Sicht heraus erörtern.

Grundsätzlich muss aber erst einmal genau definiert werden was eine Smartwatch aus meiner Sicht heraus ist, da dies auch nur wieder ein Modebegriff wie Smartphone ist. So ist eine Smartwatch ein Gerät, das zumeist am Handgelenk getragen wird und mit einem Smartphone kommunizieren kann. So fallen „Uhren“ wie Pebble, Samsung Galaxy Gear, Sony Smartwatch, Moto 360, Apple Watch oder LG G Watch alle in einen Topf, obwohl sie mit unterschiedlichen Betriebssystemen arbeiten. Denn ich bewerte hier subjektiv den Sinn und Nutzen einer Smartwatch, völlig unabhängig von ihrem Betriebssystem.

Vorteile einer Smartwatch

1. Schneller Zugriff auf Informationen

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Der Hauptnutzen von einer Smartwatch soll der sein, dass man Informationen schnell und übersichtlich auf dem Handgelenk ablesen kann, ohne dafür das Smartphone aus der Handtasche oder Hosentasche kramen zu müssen. Es werden einkommende Anrufe, Nachrichten oder Termine in sekundenschnelle angezeigt und spart sich so die Zeit erst einmal das Smartphone rauszuholen, das Display zu aktivieren und zu schauen wer da nun was geschrieben hat. Die Smartwatch zeigt dies nämlich direkt schon auf einen Blick an. So wird man viel weniger dazu verleitet noch irgendetwas anderes auf dem Smartphone zu machen, da man es ja sowieso schon aus der Tasche geholt hat.

Zudem bietet dies den Vorteil, dass man nicht ständig eine Unterhaltung unterbrechen muss, wenn man ständig nur auf sein McDonalds-Tablet aka. Smartphone schaut.

2. Uhrzeit

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„What time is it?“ IT’S ADVENTURE TIME!!!!!!

Dank einer Smartwatch weiß man immer und überall wie spät es ist. Es sei denn sie stellt sich spontan um, schiebt dich in eine andere Zeitzone oder hat gerade keinen Akku mehr. Letzteres gehört dann in die Kategorie Nachteile.

3. Pizza-Timer

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Das unfassbar wichtigste Feature einer Smartwatch ist der Timer – von mir auch Pizza-Timer genannt. Dies ist die einzige Funktion die mir wirklich als sehr praktisch erwies. Man schiebt sich seine Doppelkäse-Pizza mit extra viel Käse im Rand in den Ofen und stellt direkt auf der Smartwatch den Timer auf 15 Minuten, so dass man noch rechtzeitig von Ober-/Unterhitze auf Umluft umschalten kann, damit die Pizza von allen Seiten gleichmäßig braun und knusprig gebacken ist. Gut, das ginge auch prima mit dem Smartphone und der App Timely, aber die Uhr hat man ja schließlich immer bei sich am Handgelenk und das Smartphone verliert man gerne auf oder im Klo.

4. Cooler Look

Das Display einer Smartwatche ist bei fast allen Herstellern manuell konfigurierbar. So kann man selbst entscheiden was man darauf sehen möchte. Hierfür gibt es oft unzählige Tools und Vorlagen (je nach Uhr und Hersteller-SDK), so dass man jeden Tag ein anderes Design nutzen kann. Wer sich gerne die Uhrzeit von Zeigern in Pimmelform anzeigen lassen möchte oder lieber ein Bild seiner Hauskatze als Hintergrund haben will, der wird mit der Smartwatch sicherlich viel Spaß haben. Außerdem ist die Uhr damit auf jeder Party ein guter Publikumsmagnet, da man oft gesagt bekommt: „Bist du eigentlich dumm, warum kaufst du dir so einen Scheißdreck? Das Ding ist doch komplett nutzlos! Aber hey, cooles Hintergrundbild!“

Nachteile einer Smartwatch

1. Teuer

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Unter 100 Euro gibt es fast keine Smartwatches, die auch nur ein bisschen etwas taugen. Diese Müll-Uhren der Firma, deren Name sich auf „My Name is EARL“ reimt, mal ausgenommen. Und die hohen Preise der Smartwatches übertrumpfen sogar die Kosten für ein neues Smartphone oder einer richtigen Uhr. Uncool (Außer man bekommt eine geschenkt, dann fällt der Punkt irgendwie weg.), denn ein Smartphone kann immerhin eigenständig funktionieren.

2. Kein wirklicher Mehrwert erkennbar

Eine Smartwatch bietet keine wirklich neuen Fähigkeiten, die einem im Alltag das Leben unfassbar erleichtern könnten. Sie kann weder Pfeile verschießen, oder Laserstrahlen ballern oder mit ihrer nicht vorhandenen Frontkamera telefonieren. Es fehlt so ein wenig der Punkt wo man sagen würde, dass genau dieses Feature mein Leben unfassbar erleichtert und ich deswegen diese moderne Uhr brauche.

3. Akku-Laufzeit

Während der Akku/die Batterie einer gescheiten Businesskasper-Uhr sogar mehrere Jahre oder Jahrzehnte überdauert, so muss eine Smartwatch mindestens alle 2-7 Tage die Steckdose aufsuchen – eine Apple Watch vermutlich jeden Tag. Hinzu kommt noch eine Aufladedauer von mindestens einer Stunde, was ab und an sehr stressig sein kann.

4. Taschenlampe

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Warum verbauen Hersteller keine LEDs in der Smartwatch? Sony bietet zwar eine Taschenlampen-App an, diese bewirkt jedoch nur, dass ein weißes Bild auf dem Display angezeigt wird, was so lachhaft ist wie ein Werbespot von Microsoft, in dem sie sich über andere Hersteller lustig machen wollen. Eine strahlend weiße LED würde einer Smartwatch einen ziemlichen Mehrwert bieten – zumindest in meinen Augen. Kein LED, keine Competition!

5. Wozu einen Pulsmesser

Ein Pulsmesser in einer Smartwatch ist so sinnvoll wie ein Stützrad an einem Luftballon. Ob ich jetzt auf die Rückseite meines Smartphones einen Finger lege oder ob ich zwei Knöpfe auf meiner Smartwatch auswähle, ich sehe keinen Nutzen in dieser Funktion. Hier halte ich Geräte wie die Pulsense von Epson oder die Galaxy Gear Fit oder andere Fitness-Armbänder viel sinnvoller. Denn diese können den Puls über längere Zeit messen und sind für sportliche Aktivitäten gedacht. Den verschwendeten Platz in der Smartwatch könnte man daher besser nutzen – mit mehr Akku beispielsweise.

Fazit

Smartwatches sind ein wenig viel sinnlos. Mehr brauche ich eigentlich nicht sagen. So sehe ich das, Punkt. Sie sind so nützlich wie Sand in der Wüste, wie ein Tropfen Wasser auf dem heißen Stein, wie die GEZ, wie eine schusssichere Weste im Boxkampf oder wie ein Tofu-Schnitzel auf einer Metzger-Tagung. Mehr Sinn und Nutzen sehe ich aber in Fitness-Armbändern, da diese einen tatsächlichen Sinn haben und Funktionen bieten, die ein Smartphone etwa nicht hat.

Nach ein paar Tagen voller Neugierde und Spaß liegt meine Smartwatch 2 nun ausgeschalten auf meinem Schreibtisch und verstaubt dort. Und ab und an, wenn ich gerade auf dicke Hose machen möchte, wird sie wieder ausgepackt und ans Handgelenk gesteckt.

Könnt ihr mir vielleicht sagen für was man eine Smartwatch brauchen könnte?

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.