Die Geschichte von Phonebloks a.k.a. Project Ara

Die Geschichte von Phonebloks a.k.a. Project Ara

Google, der damalige nur-Suchmaschinenriese ist mittlerweile bekanntermaßen ein krasser Player in so ziemlich jeder Sparte geworden. Von dem damaligen Flair ist wenig übrig geblieben, mittlerweile hat man nämlich Sachen wie Android und selbstfahrende Autos im Portfolio. Und wenn einem Manager mal langweilig ist, überbietet er einfach mal den Sprung von Felix Baumgartner und steigt dafür auf eine Höhe von 41 Kilometer – mit Schutzanzug aber ohne Kuppel wie der ehemalige Rekordhalter.

Der Anfang

Aber trotzdem hat man das Gefühl, dass Google noch nah am Geek arbeitet. Android wird mit, zumindest fühlt es sich so an, Liebe entwickelt – genau so wie das Project Ara. Den Namen kennt ihr bestimmt schon, es ist das „Smartphone der Zukunft“ das aus vielen einzelnen Modulen besteht. Quasi die konkretisierte Vision eines Niederländers der mit „Phonebloks“ eine einfache, aber doch verspielte Theorie für die Zukunft des Smartphonemarktes in Videoform der Welt vorstellte – am 10.09.2013.

Das erste Problem stellte aber der Server dar. Die Homepage der Idee „Phoneblok“ war nur auf relativ kleine Besucherzahlen ausgelegt – bei 1.000 gleichzeitigen Besuchern geriet diese schon an’s Limit. Das Problem: Der Erfolg des Videos trieb bis zu 100.000 Leute gleichzeitig auf die Webseite. Das Ergebnis: die Server verweigerten 10 Minuten nach Veröffentlichung des Videos den Dienst.

Ein Hilferuf auf Twitter sorgte für baldige Hilfe. @Gawin, mittlerweile CTO von Phonebloks, damals wohl in einer hohen Position bei Cyso, hat seine kostenfreie Hilfe angeboten – man sei froh ihm helfen zu können. 30 Minuten später war die Homepage von Phonebloks wieder online.

Der Werdegang

Die damalige Intention bestand darin, dass der Elektromüll, einer der am schnellst wachsenden Müllsorten, durch diese Idee reduziert werden könnte. Außerdem sollte so jeder Mensch seinen eigenen Geschmack mit seinem Smartphone verbinden können. Kurz nach der Veröffentlichung des Videos wurden viele Firmen auf das Projekt aufmerksam und der Erfinder, Dave Hakkens, führte Gespräche mit verschiedenen Unternehmen.

Am Ende blieb Motorola als interessierter Partner übrig, die Interesse des Konzerns war aber nicht unbegründet. Motorola arbeitete bereits seit gut einem Jahr hinter verschlossenen Türen an einem Gerät, dass der Idee „Phonebloks“ sehr stark ähnelte – Project Ara. Der große Unterschied zu Phonebloks war aber, dass das Gerät von Motorola mehr als nur ein gerendertes Bild bzw. ein selbst gebastelter Klops war, der ein Smartphone darstellen sollte.

Phoneblok <=> Project Ara

Folglich hat man eine Art Partnerschaft geschlossen und freute sich auf die Zusammenarbeit mit dem jeweils anderen – Phonebloks möchte aber stehts unabhängig bleiben und rief im zweiten Video zu spenden auf, sofern man das Projekt denn wirklich unterstützen möchte. Aber wieso redet man heutzutage von „Googles“ Projekt? Ganz einfach: 2011, also noch vor Phonebloks, kaufte Google die Mobilfunksparte von Motorola. Anfang 2014 verkaufte man diesen Teil der Firma dann weiter an Lenovo, das Projekt blieb aber im eigenen Haus.

Wir sind jetzt also auf dem Stand, dass Google bereits an einem Gerät arbeitete – im April diesen Jahres sah man dann den ersten Prototypen, zumindest teilweise. Das Gerät in dem folgenden Video hat eigentlich noch nicht viel mit einem Smartphone zu tun, allerdings zeigt es ziemlich gut welche Idee hinter dem Projekt steht und was die Ziele sind.

Der erste Prototyp

In der Mitte des Jahres, Juni 2014, gab es dann die erste Ara Entwicklerkonferenz. Gehalten wurde diese am Computer History Museum in Kalifornien – man möchte am Ort der Vergangenheit die Zukunft zeigen. Doch noch immer gab es keinen konkreten Prototypen – dieser folgte aber recht schnell dann im Laufe der Google I/O die noch im selben Monat stattfand.

Und das Gerät ist ja wohl mal Prototype-as-fuck. Kabel hängen raus und nur die Hälfte des (gebrochenen) Displays bootet in das eigentliche System. Trotzdem sieht die Welt, dass es funktioniert – und Geeks freuen sich ’nen Ast ab (ich zähle mich gerne dazu).

Stand der Dinge

Gestern gab es dann endlich einen ordentlichen Prototypen zu sehen! Das Gerät sieht deutlich mehr nach einem fertigen Gerät aus als all die anderen Prototypen die man bisher gesehen hat. Das Gerät ist zwar trotz der nackten Android Oberfläche am ruckeln, für mich ist das aber ein kleiner Sympathiepunkt – einfach nur weil man die Welt am Werdegang des Projektes teilhaben lässt.

Doch an dieser Stelle wird dann irgendwie was wichtiges klar: Dave Hakkens hat anscheinend nichts mit der Entwicklung zu tun. In den Videos sieht man immer nur wie er sich neue Prototypen ansieht und sich irgendwelche Funktionsweisen anhört – ein konstruktiver Dialog sieht meiner Meinung nach aber anders aus. Dave scheint eher zu einem PR-Objekt zu werden. Er ist der Mann mit Herz der hinter diesem Projekt steht – das klingt nach außen hin allemal besser als jede trockene Pressemitteilung die Google für jeden Fortschritt versenden würde.

Pro & Con

Bevor ich zum Schluss komme möchte ich noch mal ein paar Pros und Cons des ganzen Projektes von Phonebloks und Google aufzählen.

Pro:

  • Weniger Schrott dank austauschbarer Einzelteile
  • Es ist einfach der Traum eines jeden Geeks
  • Man kann endlich auch das Äußere des Smartphones selbst gestalten
  • Sollte eine Einheit kaputt gehen, kann man sie „günstig“ ersetzen
  • Man kann die Leistung der einzelnen Teile quasi selbst bestimmen

Contra:

  • Händler müssen Komponenten wohl jeweils in verschiedenen Designs anbieten
  • Der Geist von Dave Hakkens scheint verloren zu gehen
  • Durch die Einzelteile greift man wohl öfter zu neuen Erweiterungen
  • Die Ara-Geräte an sich sind vom Prinzip her größer als andere
  • Die Hersteller der Teile werden ordentliche Margen erwirtschaften wollen
  • Wer baut die Hauptplatine? / Absolute Abhängigkeit von Google?
  • Wird es nur eine Platine geben? / Werden alle Komponenten auf allen Platinen funktionieren?
  • Die Einschübe bieten nur sehr kleinen Akkus Platz
  • Die Geräte sind anfälliger für Wasser und Staub

Fazit

Ihr seht schon, bisher gibt es zumindest aus meiner Sicht mehr negative Punkte wenn man das Projekt wirklich nüchtern betrachtet. Aber wer möchte das Projekt schon nüchtern betrachten? Scheiße, das ist ein Gerät das ich maximal personalisieren kann – das ist MEIN Gerät. Und MEIN Gerät kommt sogar aus der Zukunft, denn ich kann einbauen was ich möchte. Vielleicht können findige Entwickler auch für manche Hardwarekonfigurationen Tools anbieten, mit denen ihr anstatt Android auch alternative OS einrichten könnt.

Vielleicht werden die Hersteller auch alle Treiber freigeben sodass es vielleicht auch irgendwann ein Programm gibt, dass das gewählt OS auf meine Hardwarekonfiguration anpasst. Ich habe keine Ahnung ob das funktionieren kann – aber ich möchte, dass es funktioniert. Ich bin ein Fan des Projekts und freue mich über jedes neue Video – leider ist das Projekt aber wohl komplett beim Datenmonster Google gelandet.

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Dustin

Star-Blogger, Multimillionär, Samsung Fanboy und beliebt - zumindest am Gegenteiltag. An den normalen Tagen lasse ich mich dann auf die Jungs von TechNews und AllAboutSamsung ein - ein Wandel zwischen Himmel und Hölle.