CeBIT 2014 im Test: Die dunkle Seite der Messe

CeBIT 2014 im Test: Die dunkle Seite der Messe

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Langsam brechen die letzten Stunden unseren diesjährigen CeBIT-Besuches an und ich lasse in der Intel Bloghütte das Erlebte Revue passieren. Wird sie mir positiv in Erinnerung bleiben, oder werde ich nächstes Jahr die Zeit nutzen, um zum 12. mal Final Fantasy VII durchzuspielen? Da kam mir die Idee, einfach einen Testbericht über die Messe in Hannover zu verfassen, denn vielleicht plant ihr nächstes Jahr selbst auf die CeBIT zu fahren, habt aber eben keine Ahnung, ob das so das Richtige für euch ist. Außerdem bin ich ein narzisstischer Selbstdarsteller, der froh ist, dass er ein Medium hat, auf dem er seine Meinung ausbreiten kann.

Catering

Fangen wir mal mit meinem persönlichen Tiefpunkt der Messe an: Die Verpflegung. Hier in der Intel Bloghütte ( Wir bekommen kein Geld von Intel. Leider. ) gibt es nichts zu beanstanden. Sandwiches, kostenloses Wi-Fi, Kaffee, Getränke und überall springen irgendwelche Blogger_innen rum, die mal mehr und mal weniger wie Fogell aus Super Bad aussehen. Leider bin ich ein körnerfressender Ökospinner, ernähre mich vegan und Vogelfutter ist in der Bloghütte Mangelware, da alles irgendwie Butter oder Hack enthält. Sogar das Brot. Besonders das Brot! Finde ich nicht schlimm, da Intel dies als kostenlosen Service für Blogger_innen anbietet und ich da auch nicht an jeden Spinner denken würde. Zwingt sie ja keiner dazu Spinner zu sein. Jedoch muss ich mir wohl oder übel eine Alternative suchen, da die zwei weiteren Optionen ( verhungern oder Messebesucher_innen essen ) leider keine wirklichen Optionen sind.

Sobald man die Bloghütte verlässt und nicht gerade von einem Hersteller zum hauseigenen Catering eingeladen wird ( Danke nochmal an Samsung, ohne eure Wasabi-Nüsse wäre ich gestorben ), dann sieht es echt mager aus. Es gibt diverse Restaurants, die alle die gleiche Speisekarte haben auf denen exakt ein Gericht vegan ist ( Der kleine Salat für 3,50 € ) und insgesamt zwei Gerichte die ohne Fleisch auskommen ( Wieder der kleiner Salat und Käse Tortellini ). Betrachtet man das ganze von der nicht-veganen Seite, so gibt es zwar eine kleine Auswahl an Speisen, die sehen zubereitet aber eher wie besseres Freibad-Essen aus. Currywurst ist das Stichwort. Dazu liegen die Preise irgendwo bei 6 € aufwärts. Teuer und beschissen ist eher eine semi-coole Kombination.

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Ich habe mich schlussendlich damit angefreundet zum Mittag  Brezeln mit Obstsalat und zum Abend besagte Wasabi-Nüsse zu verzehren. Zwischendrin kann man dann je nach Bedarf kleine Heißhungerattacken in Red Bull ertränken. Mein Tipp: Nehmt das ohne Kalorien ( Hat trotzdem Kalorien, aber „Red Bull Zero Calories“ klingt halt besser als „Red Bull 1,8 Calories “ ), denn das schmeckt wie das Gift, was es in Wahrheit ist. So einen ehrlichen Geschmack finde ich gut.

Dass Lebensmittel auf Messen teuer sind, ist mir bewusst und auch, dass man keine Gourmet-Küche erwarten kann. Wenn jedoch eine Messe von „Weltformat“ seinen Besucher_innen Essen anbieten, was man so auch locker im Freibad Wanne-Eickel bekommt, dann finde ich das schon schwach.

Besucher_innen

Was für Menschen trifft man auf der CeBIT 2014 an? Natürlich sehr unterschiedliche und vielfältige Charaktere, dennoch lassen sich einige Hauptgruppen bilden, von denen ich ein paar auflisten möchte:

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Kommen wir zu den Besucher_innen. Anfangs fühlt man sich von den vielen Anzügen regelrecht überrannt. Quasi „The Walking Dead“ nur mit Business-Kaspern statt Zombies. Da wären mir Zombies lieber, die kann man wenigstens ungestraft erschießen und sie sind auch allgemein die angenehmeren Zeitgenossen.

Neben den vielen Meschen, die geschäftlich unterwegs sind, hat man noch die deutschen Berufsschüler_innen, welche von der Schule aus auf die Messe fahren, um sich über Zukunftsperspektiven zu informieren. Diese erkennt man daran, dass sie viel kostenlosen Scheiß ( Schlüsselbänder sind wie Pokémon, wer kann sie alle fangen? ) mit sich rumschleppen, Jogginghosen tragen und immer mal die Messehallen verlassen, um heimlich zu trinken. „Fick doch den Lehrer. Yolo!“

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Nächste Gruppe sind Osteuropäer_innen. Diese spalten sich nochmal in zwei doch sehr gegensätzliche Gruppen. Die einen sehen todschick und extrem gepflegt aus, die anderen tragen Jogginghose mit Flecken und sind mittel bis stark übergewichtig. Beide Gruppen reden unnatürlich laut und verstärken ihre Stimme noch, wenn sie beginnen zu telefonieren. Das Gute an ihnen ist, dass sie in der Regel unfassbar attraktive Frauen am Start haben.

Kommen wir zu der letzten Gruppe. Menschen, die andere Menschen vor Autos fotografieren. Herkunftsland: Deutschland. Style: Jack Wolfskin. Motto: Ist ja schön und gut, aber das ist mir zu teuer. Mehr muss ich dazu glaube ich nicht sagen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die durchschnittliche CeBIT 2014-Besucher_in nervt wie Hölle und eh nur im Weg rumsteht.

Aussteller_innen und Hostessen

Kommen wir zum zweiten Herzstück: Die Ausstellern_innen ( und natürlich dem Herzstück der Herzen: Den Hostessen! ).

Aussteller_innen auf der CeBIT 2014 gibt es wie Sand am Meer. Meistens weniger spannend, doch ab und zu auch mal richtig langweilig. Da haben wir auf der einen Seite die völlig übertriebenen Stände von SAP oder der Deutschen Telekom, auf denen mehr Mitarbeiter_innen arbeiten, als manche brandenburgische Dörfer Einwohner_innen haben. Auf der anderen Seite gibt es auch Stände die 2 m² groß sind und die nur dazu da waren, um Flyer auszustellen. Die Hostessen bei SAP tragen alle die gleichen Turnschuhe ( blaue Sneaker von Adidas ) und auch einige Mitarbeiter_innen haben identische Sneaker an. Eigentlich eine ziemlich coole Idee, auch wenn ich normalerweise allergisch reagiere, falls jemand Anzug mit Sneakern kombiniert. Das erinnert mich ein wenig an Abiball.

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Der Stand von Samsung ist einer der spannendsten der Messe, obwohl auch er übertrieben langweilig ist. Ein Widerspruch in sich? Keineswegs! Samsung stellt nur over the top Hostessen ein, die zu 80% blond sind, die alle das gleiche Kleidchen tragen und von denen keine einzige fett oder hässlich ist. Dort gibt es nur schön, sehr schön und „Mir egal wie du heißt, lass uns heiraten.“ Da kann man gerne mal darüber hinwegsehen, dass auf dem Stand hauptsächlich Drucker und Monitore rumstehen, für die sich kein Mensch interessiert.

Auch wenn ich nicht daran glaube, dass wir weibliche Leser_innen haben, möchte ich trotzdem was klar stellen: Ich finde die Idee “ Hübsche Frauen in kurzen Kleidchen, damit Männer an den Stand kommen“ ziemlich sexistisch und teilweise auch echt abstoßend. Gerade im Reseller-Bereich ( dem Darknet der CeBIT ) waren einige Frauen so knapp bekleidet oder so nuttig dargestellt, dass der Unterschied zwischen Messe und Striplokal nicht immer eindeutig erkennbar war. Man merkte regelrecht, dass die Kleidung der Messe-Damen, welche verkaufen sollten, wesentlich freizügiger ausfiel, als die Kleidung der Frauen, die lediglich informieren sollten. Deshalb ziehe ich wirklich meinen Hut vor IBM, welcher als einer der wenigen Aussteller_innen völlig auf Hostessen verzichtet hat. Kann jedoch auch einfach daran liegen, dass sie direkt neben Samsung waren und somit quasi als Trittbrettfahrer_in die Anziehungskraft der Samsung-Hostessen genutzt haben.

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Eine weitere große Gruppe von Aussteller_innen sind Asiaten. Immer gestresst wie Sau und  so zerknirscht, als ob sie gezwungen wurden in ihren winzigen Messeständen zu übernachten. In Wahrheit schlafen sie natürlich in einem LKW draußen auf dem Messegelände, in den Löcher zum Atmen gebohrt wurden. Dabei wurden ihnen die Pässe abgenommen, welche sie erst wieder erhalten, falls sie eine gewisse Anzahl an Abschlüssen geschafft haben.

Die Aussteller_innen aus China bieten teilweise den größten Schrott an, den man mit Geld kaufen kann. Tausende Kopfhörer, die alle in „Beats by Dre“-Manier daherkommen, Handyhüllen und – mein persönliches Highlight – eine portable Karaoke-Maschine. Irgendwie habe ich mich dort bisschen wie auf dem Flohmarkt gefühlt, wo eBay-Powerseller_innen die Stände mit ihrem Bling-Bling-Schrott dominieren. Weiterhin ist auch einfach viel nachgeahmte Ware dabei, wie z.B. eine Konsole im Design der Nintendo Wii, welche alte SNES-Spiele abgespielt hat. Auch wenn mich die kurze Session Street Fighter II echt angefixt hat, so finde ich solches Zeug auf einer Technikmesse deplatziert.

Insgesamt gab es wenig Interessantes und wirklich vom Hocker gerissen hat mich kein(e) Aussteller_in. Das ist auch der Grund, dass ich nur wirklich ein großen Rundgang über die CeBIT 2014 gemacht habe und die meiste Zeit in der Bloghütte war, um zu schreiben.

Klima

Wo liegt das Problem? Eine Technikmesse sollte eigentlich mehr als spannend sein, da wir in einer unfassbar innovativen und schnelllebigen Zeit leben. Warum also kommt die CeBIT 2014 so langweilig daher? Das Problem liegt einfach im Fokus der Messe. Seit Jahren kämpft die CeBIT mit rückläufigen Besucherzahlen und langsam aber sicher konzentrieren sich die Betreiber_innen darauf, B2B ( Business 2 Business ) in den Vordergrund zu rücken. Somit stehen Geschäftsabschlüsse und Umsatz im Mittelpunkt der CeBIT, was es für „normale“ Besucher_innen richtig langweilig werden lässt. Außer natürlich ihr wollt 5.000 Serverkabel kaufen und für euer Heimnetzwerk eine SAP-Lösung für 78.000 € basteln lassen. Schade ist auch, dass es überall abgesperrte Bereiche gibt, wo nur Firmenkunden Zutritt haben, denn dort geht die Action ab, welche eine Messe erst richtig interessant werden lässt. Koks, Ballerspiele und Dubstep.

Neben der Langeweile herrscht ein Klima der Angst auf der CeBIT. Obwohl Angst? Nein, Terror ist das treffendere Wort! Genauer gesagt herrscht die nackte Panik davor jeden Moment von einem herannahenden VW up! zerfetzt zu werden. Kurze Erklärung: VW ist auch auf der CeBIT vertreten und da die Zukunft der Mobilität vermutlich in Elektroautos liegen könnte, wegen Umweltdingsbumserwärmung, bietet Volkswagen die Möglichkeit an, in so einem VW up! mit Strommotor über das Gelände der CeBIT chauffiert zu werden. Da ich als Mitglied der Presse ( Fuck yeah! ) wichtig wie Sau bin, laufe ich natürlich wo es mir gerade beliebt und das ist oftmals mitten auf der Straße ( Wie sollen ich mich sonst von den Anderen abheben? ).

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Jetzt ist der große Nachteil an Elektroautos, dass sie keine Motorengeräusche von sich geben und sich somit wie kleine Ninjas von hinten anschleichen und man sie erst spürt, wenn sie dir schon in der Kniekehle sitzen. Da die Fahrer_innen auch nicht bereit sind, die fehlenden Motorengeräusche durch ihren Stimme zu ersetzen, in dem sie z.B „Vrooom, Vrooom ! “ rufen,  erschrickt man sich jedes mal zu Tode, wenn dann so ein up! quasi aus dem Nichts hinter einem auftaucht.

Ich prophezeie, dass die Anzahl der überfahrenen Menschen definitiv ansteigen wird, falls sich das mit den Elektroautos durchsetzt….

Fazit

Viele Fußsoldat_innen der Wirtschaft, die sich selbst und ihre Anzüge viel zu Ernst nehmen, kaum spannende Innovationen, wenig zum Anfassen ( Keine Anspielung auf die Hostessen ) und Eintrittspreise um die 50 € pro Tag: CeBIT in a nutshell. Ich empfehle euch lieber auf die IFA in Berlin zu gehen, da habt ihr vermutlich mehr davon. Heißere Messe-Babes, mehr konsumerorientierte Technik, mehr Laser, weniger Lauchs, mehr Weltraum. Außerdem könnt ihr den IFA-Besuch gleich mit einer Tour durch Berlin verbinden und ich als guter Hipster finde, dass Berlin die großartigste Stadt der Welt und ganz Deutschlands ist. Beweis: Hier, hier, hier, hier, hier.

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Marcel

Der Reißverschluss, das Internet und Ketchup waren meine Ideen. Bist du cool, dann folgst du mir bei Twitter.