Augen auf beim Smartphone-Verkauf: So werden gelöschte Daten wieder sichtbar

Augen auf beim Smartphone-Verkauf: So werden gelöschte Daten wieder sichtbar

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Wer denkt, sein gewipetes Android-Smartphone sei sicher vor dreisten Daten-Dieben, der irrt. Es ist möglich den internen Speicher bei jedem Android-Smartphone auszulesen und gelöschte Daten gegebenenfalls wieder herzustellen. Wie der Vorgang vonstatten geht und wie ihr euren Speicher richtig säubert, zeigen wir euch in diesem Artikel.

Gelöschtes wiederherstellen? Kein Problem.

Es gibt viele Situationen im Leben, in denen man sich wünscht, man könnte verloren gegangene Daten auf dem Smartphone wiederherstellen. Im Gegenzug gibt es auch Situationen im Leben, wo man eigentlich sicher ist, dass alle Daten gelöscht sind, wie etwa beim Verkauf von gebrauchten Smartphones auf eBay oder reBuy. Doch auch diese Daten können locker wiederhergestellt werden, wenn diese nicht richtig entfernt wurden. Insbesondere bei Android-Smartphones, die nur über einen internen Speicher verfügen. Leider wissen nur wenige, dass das möglich ist. Wie es funktioniert und wie ihr euch davor schützen könnt, erfahrt ihr bei uns.

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Im Folgenden gehe ich davon aus, dass ihr wichtige Daten aus Versehen gelöscht habt und diese retten wollt und unterstelle keine kriminelle Energien. Für mehrere Testverläufe habe ich mein altes Motorola Defy benutzt, welches bereits gerooted war und mir extra auf eBay ein gebrauchtes HTC Ones S ersteigert. Die privaten Daten des Vorbesitzers habe ich natürlich gelöscht.

Daten-Rettung: Vorbereitung ist alles

Ich brauch Root-Rechte auf dem Gerät, falls noch nicht vorhanden. Wer seinen Bootloader dafür aufmachen muss, sollte davor ALLE Daten sichern, die noch vorhanden sind. Denn der Vorgang löscht beispielsweise bei HTC-Phones alle Daten. Sind Root-Rechte erfolgreich installiert, noch fix Busybox installieren und das Smartphone ist bereit.

Jetzt erstmal alle Software installieren, die für den weiteren Verlauf notwendig ist: ADB (über Android-SDK),  Cygwin, Netcat, VDH-Tool, Piriform Recuva und natürlich alle Treiber für das Gerät. Downloads findet ihr bei XDA.

Jetzt wird es tricky

Über die ADB auf das Handy zugegriffen, geschaut ob alle Sync-Programme der Herstellern  beendet sind und es geht los. Als Erstes schauen wir einmal, wie der Hersteller unsere Partitionen aufgeteilt hat. Das macht jeder etwas anders, so dass es wichtig ist zu wissen, wo die ganzen Daten vom System gespeichert werden, damit wir diese Partition später kopieren. Dafür starten wir die ADB über die Eingabeaufforderung (cmd) und schauen uns kurz um. Den Code seht ihr auf den Bildern.

Haben wir die userdata-Partition ausgemacht, wird’s Zeit diese zu kopieren. In diesem Fall (Motorola Defy) ist es die Partition „mmcblk1p25“. Wieder ein paar Zeilen Code und die Partition ist als .raw Datei kopiert. Jetzt wird’s tricky. Mit Hilfe des VHD-Tools die .raw-Datei umwandeln, über den Geräte-Manager als virtuelle CD einbinden. Jetzt noch kurz als FAT32 formatieren und Piriform Recuva starten und mit Hilfe des Tiefenscans alle gelöschten Daten suchen. Bei mehreren Testläufen bei zwei verschiedenen Smartphones, konnte ich immer einen Großteil der Bilder, Videos, ZIP-Dateien und anderer Dokumente wiederherstellen. Beim Defy habe ich nach zweifachem Wipen noch 726 von 730 Daten wiederherstellen können. Je öfter ich das Gerät gewiped habe, desto mehr Daten waren bei den nächsten Durchgängen zerstört.

Die genaue Anleitung von Wartickler findet ihr bei XDA.

So schnell sind also die Daten eines gelöschten Handy-Flashspeichers wieder da. Wie also lösche ich diese richtig?

Daten löschen – Wenn, dann richtig!

Die Daten auf dem Smartphone werden als Nullen und Einsen gespeichert. Werden diese Daten „gelöscht“, gehen sie nicht verloren, sie werden lediglich verschoben und als freier Platz markiert, bis sie überschrieben sind. Um diese Daten zu überschreiben, helfen Drittanbieter-Apps, die diese Daten überschreiben. Jedoch geht das, wie bei Flash-Speichern üblich, nur auf Kosten der Lebensdauer des Speichers. Zu häufiges Überschreiben müllt den Speicher voll, wodurch dieser mit der Zeit langsamer wird. Wie viele Schreibzyklen so ein Smartphone-Speicher letztendlich aushält, geben die Hersteller leider nicht an. Ich hab ein paar Apps getestet und nur diese hat ohne Probleme alle Daten gelöscht. Alle Angaben gelten ohne Gewähr.Camera 360

Also nicht sofort verzweifeln, wenn das Gerät versehentlich gelöscht wurde. Und beim nächsten Smartphone-Verkauf schön den internen Speicher mehrfach überschreiben und auf Werkszustand zurücksetzen, dann sollte der neue Käufer kein Problem mehr mit dem Gerät haben.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.