ZTE Grand X Pro im Test: Ruckeliger Dauerläufer im iPhone-Look

ZTE Grand X Pro im Test: Ruckeliger Dauerläufer im iPhone-Look

titelbild-zte-grand-x-pro

Dass die Chinesen gute Smartphones bauen können, haben wir schon bei Huaweis Ascend Y300 und G615 feststellen dürfen. Doch kann der direkte Konkurrent ZTE da mithalten? Wir haben versucht auf die Frage eine Antwort zu finden und das ZTE Grand X Pro über mehrere Wochen begrabbelt. Kostentechnisch liegt das Grand X Pro nicht schwer auf der Brieftasche (rund 175 Euro) und spielt damit in der gleichen Liga wie das Moto G. Das Moto-Handy ist momentan der Platzhirsch in der Liga der außergewöhnlichen Einsteiger-Smartphones. Ob das ZTE-Smartphone an Huawei und Motorola vorbei ziehen kann, erfahrt ihr natürlich nur bei uns.

lieferumfang-zte-grand-x-pro

Technische Details des ZTE Grand X Pro:

  • 133 x 66,1 x 9,4 mm und 146 Gramm schwer
  • 4,5 Zoll TFT-Display mit 1.280 x 720 Pixel (326 dpi)
  • MediaTek Cortex-A9-Dualcore-CPU MT6577T (jeder Kern auf 1,2 GHz getaktet)
  • Akku mit 2.000 mAh Kapazität
  • Android 4.0.4 (Kein Jelly-Bean-Update)
  • 1 GB RAM Arbeitsspeicher
  • 4 GB interner Speicher (effektiv 2,5 GB) (über microSD-Slot erweiterbar)
  • 8-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz und 0,3-MP-Frontkamera
  • WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0, GPS, SIM, HSPA

 Handling: Handschmeichelnder Klotzkopf

backside-zte-grand-x-pro

Eines muss man den Chinesen lassen, die Verarbeitungsqualität des ZTE Grand X Pro stimmt. Da knarzt nichts und es fühlt sich extrem wertig an. Lediglich der kleine Rand um das Display herum, fühlt sich leicht störend an. Man hat immer wieder das Gefühl von Rasierklingen umkreist zu sein, die gleich in die Fingerspitze schneiden. Nichtsdestotrotz fühlt sich das Gerät sehr gut an in der Hand, auch wenn es mit der Zeit etwas schwer wird.

kante-zte-grand-x-pro

Rasierklingen-Rand

Das Display macht einen guten Eindruck und die Auflösung passt mit einer Pixeldichte von 326dpi ebenfalls in das Schema: „Sieht ja mal ganz schick aus“. Was dann allerdings stört, ist die Bedienung. Die Vibration bei Touch – insbesondere beim Schreiben – ist sehr, sehr unangenehm. Es sind kurze, stoßhafte Vibrationen, die sich wie Elektroschocks anfühlen. Das ließe sich zwar abschalten, aber ich schreibe gerne mit haptischem Feedback, damit ich weiß, dass ich die Tasten getroffen habe.

Die Software ist mit Android 4.0.4 schon etwas veraltet und ruckelt in Zusammenspiel mit der CPU sehr – später dazu mehr. Wenn ich den App-Drawer starte sehe ich in Zeitlupe wie alle Apps auf mich zugeflogen kommen. Wenn ich eine App starte, gibt es starke Verzögerungen. Das fühlt sich im Alltag mit der Zeit immer unangenehmer an und ein anderer Launcher (Holo Launcher) half leider nicht viel.

sim-slot-zte-grand-x-pro

Auf der Rückseite befinden sich Akku, SIM-Slot und microSD-Einschub. Der Deckel der Rückseite lässt sich easy entfernen. Darunter kommt die Überraschung: Der Akku ist fest verbaut. Das ist leider nicht geil.

Ausdauer: Stand-By-Akku-Monster

akku-zte-grand-x-pro

Wenn ich das ZTE Grand X Pro im Alltag nutze, kommt es locker über den Tag. Sogar zwei Tage und mehr waren machbar, da ich mit der Zeit einfach keine Lust mehr auf das Gerät hatte und es einfach nur selten nutzen wollte. So waren es hauptsächlich WhatsApp-Nachrichten dich ich versendet habe und Video-Hangouts über Hangout. Ab und zu musste ich natürlich ein Foto von meinem Essen machen, um es meiner Liebsten per Whatsapp zu senden. Doch die Kamera-App versaute mir dieses Erlebnis mit der Zeit immer stärker. Nicht weil die Bilder schlecht wären – die waren sogar besser als die des Moto G, wie man weiter unten sehen kann – sondern weil die App dermaßen langsam und träge ist, dass es einfach nervte.

Andererseits ist die Akku-Stand-By-Zeit krass, wenn man das Teil einfach nur in der Ecke rumliegen lässt und bei Bedarf das Display aktiviert. Da schafft das ZTE Grand X Pro sagenhafte 12 Tage (288 Stunden) und das sogar mit WLAN auf immer an und erreichbar.

Multimedia: Wenig Rauch um Nichts

ladegeraet-zte-grand-x-pro

ZTE verspricht mit dem Grand X Pro keine Wunder und das merkt man insbesondere am Lieferumfang. Billige Kopfhörer und ein unschöner Ladeadapter mit 1000 mA Output. Damit dauert die Aufladung leider länger als mit meinem Samsung-Ladebolzen, der immerhin 1200 mA durchballert. Aus diesem Grund lag das unschöne ZTE-Ladegerät direkt wieder in der Verpackung.

kamera-zte-grand-x-pro

Bei der Kamera kann man ZTE keine Vorwürfe machen. Die knipst gerade noch akzeptable Bilder, für ein Smartphone in der Preisklasse unter 200 Euro. Der Blitz meint zwar manchmal sein eigenes Süppchen kochen zu müssen, doch im Endeffekt sind die Bilder des Grand X Pros für den Alltaggebrauch eines Smartphones verwertbar. Leider ruckelt, wie gesagt, die App ein wenig, so dass es einfach keinen Spaß bereitet, damit Bilder zu knipsen. Es gibt zudem einen witzigen 3D-Modus, in dem die Kamera, im Winkel von etwa 10 Grad, Bilder knipst und diese zusammenfügt. Danach kann man mit dem Finger darüber wischen und der Raum wird gemorpht angezeigt, was einen 3D-Feeling vermitteln soll. Einziger Nachteil an diesem Gimmick: Die Bildqualität ist ranzig schlecht. Den Panorama-Modus kann man ebenfalls vergessen, da alles wie zusammengewürfelt aussieht.

Im Vergleich zur rückseitigen Kamera, macht die Frontkamera aber richtig schlechte Bilder. Alles ist komplett verrauscht – so macht Videotelefonie keinen Spaß.

Über die Sprachqualität kann ich mich nicht beschweren. Der Sound klingt gut und im Gespräch gibt es keine gravierenden Verständnisprobleme – weder bei mir, noch bei anderen. Unglücklicherweise sind die mitgelieferten Kopfhörer scheiße und wirken nur billig.

kopfhörer-zte-grand-x-pro

Leider verfügt das ZTE Grand X Pro über keine nennenswerten USP-Features. Zwar gibt es die eine oder andere ZTE-eigene App (Lockscreen, Launcher), doch die lassen sich leicht durch bessere Apps aus dem Playstore ersetzen. Mir ist aber eine App aufgefallen, die mein Aufsehen erregte: schwarzes Loch. Ich habe keinen Plan was der Name zu bedeuten hat, aber ich feiere den Namen der App.

schwarzes-loch

Leistung: Agathe NoPower

lockscreen-zte-grand-x-pro

Mit dem ZTE Grand X Pro lassen sich problemlos FullHD-Videos anschauen und auch die meisten Spiele gehen locker von der Hand. Dennoch fängt es ab einem gewissen Leistungsanspruch an zu ruckeln. Bei Rennspielen und Reaktionsspielen fordern diese Ruckler ihren Tribut und man wird schnell aggressiv wie nach einer Runde Flappy Bird. Diese Kraftlosigkeit ist vermutlich dem lahmen Dualcore-Prozessor und dem geringen Arbeitsspeicher geschuldet. Auf Spiele kann man natürlich verzichten, wenn man das Smartphone nur für Telefonie und Nachrichten benötigt. Doch leider ruckelt jeder Launcher auf dem ZTE Grand X Pro. Die Frage, ob ein Update diese Ruckler beseitigen würde, kann nicht beantwortet werden, denn es wird keines geben.

Der Speicher des ZTE Grand X Pro ist im Grunde nicht vorhanden. Will man sich sehr viele Apps installieren stoßen die internen 2 GB Restspeicher schnell an die Grenzen des Machbaren. Zudem bedeuten viele Apps ein noch langsameres System – yeay.

Fazit: ZT(OHJ)E

Wer in den mobilen Smartphone-Markt einsteigen möchte, dem rate ich von dem ZTE Grand X Pro ab. Denn das ruckelige System nervt einfach nur. Da können die Bilder noch so gut sein für den Preis und der Akku hundert Jahre halten. Wenn die Bedienung allerdings so hart nervt und man 38 Jahre benötigt um den Wecker einzustellen, dann ist das für mich ein klares No-Go. Zudem ist Android 4.0 ICS ausgelutscht und einfach nicht up-to-date – ein neueres Update soll es nicht geben. Mit einem Preis von durchschnittlich 175 Euro kann das ZTE Grand X Pro ebenfalls nicht punkten, denn es gibt deutlich bessere Smartphones zu einem günstigeren Preis (Moto G, Xperia L). Wer allerdings ein Smartphone sucht, das günstig ist und einen ausdauernden Akku besitzt, der wird sicher auch mit dem ZTE Grand X Pro glücklich – mich hat es allerdings enttäuscht.

The following two tabs change content below.

Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.