Samsung ATIV Book 9 Plus (NP940X3G) im Test: Nicht so ultra wie ein Ultrabook sein sollte

Samsung ATIV Book 9 Plus (NP940X3G) im Test: Nicht so ultra wie ein Ultrabook sein sollte

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Oft fragen mich Menschen aus meinem Umfeld: „Hey, du machst doch Technik. Kannst du mir einen Laptop empfehlen?“. Jedes Mal zücke ich meinen imaginären Mjölnir und rufe einen Blitz auf diese Person herab. Leider passiert dies nur in meiner Fantasie und so helfe ich demjenigen/derjenigen dann doch, da ich nicht Angelo Merte heiße und gerne meinen Freunden helfe. Aber was labere ich eigentlich? Ich will hier nicht über Notebooks/Laptops im Allgemeinen philosophieren, sondern über einen speziellen Kandidaten berichten. Die Rede ist hier von einem Ultrabook: Das Samsung ATIV Book 9 Plus (NP940X3G).

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Ich durfte das ATIV Book 9 Plus netterweise während der CeBIT (und danach noch für drei Wochen) ausführlich testen. Leider treffen meine Erfahrungen nicht auf meine allgemeinen Nutzungsgewohnheiten zu, da 90% der Software, die ich auf meinem eigentlichen Rechner benutze, nicht auf dem ATIV Book aufgespielt war. So versuche ich euch einfach wiederzugeben, was das Gerät für einen äußerlichen Eindruck auf mich machte, wie gut die Ausdauer und Performance sind und was es für Sonderfeatures hat. Über Windows 8 werde ich nicht viel erzählen, da sich jeder selbst ein Bild darüber machen sollte und das Betriebssystem kein Kaufgrund für das Gerät darstellt. Schauen wir uns also zu Beginn die technischen Daten an.

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Technische Daten des Samsung ATIV Book 9 Plus (NP900X3G):

  • Maße: 320 x 14 x 223 mm und 1,3 kg schwer
  • Display: 13,3 Zoll QHD+ LED mit einer maximalen Auflösung von 3200 x 1800 Pixel mit Multitouch (hat nur die Plus-Version des ATIV Book 9)
  • Prozessor: Intel Core i5 4200U (Zwei Kerne: 1,6 – 2,3 GHz)
  • Grafikarte: Intel HD Graphics 4400
  • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
  • Festplatte: 128 GB M.2-SSD (MZNTD128HAGM)
  • Akku: 7.300 mAh, 4 Zellen, Li-Polymer
  • Konnektivität: W-LAN, Bluetooth 4.0, Micro-HDMI-Anschluss, SD-Slot, 2x USB 3.0, 3,5mm Klinkenbuchse, Ethernet-MicroSlot, Micro-VGA-Slot
  • Betriebssystem: Windows 8.1 Pro 64 Bit
  • Sonstiges: Beleuchtete Tastatur, 1,3-MP-Webcam, Diverse Apps (Samsung SideSync, S Player+, S PhotoStudio, S Camera+, Evernote, Microsoft Office Trial, Settings, Support Center, SW Update, Recovery, Norton Internet Security Trial), Stereo-Lautsprecher

Lieferumfang: Ey Mann, wo sind die Adapter

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Wenn ich Berater von Samsung wäre, dann würde ich denen jeden Tag ein Schild auf deren dicke BMW kleben, auf dem Folgendes steht: „Legt bitte mehr Zeugs in den scheiß Lieferumfang.“. Ich finde es ja schön und gut, dass Samsung sich einen grünen Stern auf die Brust kleben möchte mit ihren neuen Öko-Verpackungen bei Smartphones, aber ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn ein Gerät 38 Anschlüsse besitzt und der Hersteller nur einen verfluchten Adapter dazu legt. Und so geht Samsung nicht nur bei Smartphones vor, sondern scheinbar auch bei dem ATIV Book 9 Plus.

Es gibt drei Nicht-Standard-Anschlüsse: Micro-VGA-/ Micro-HDMI-/ und einen Micro-LAN-Anschluss. Hier zieht Samsung die Sparhosen hoch, denn es liegt genau einen Adapter dabei – der LAN-Adapter. Es ist ja kaum so, als hätte man auf auf diesem Planeten kein WLAN zur Verfügung, sondern in jedem Raum nur ein LAN-Kabel verlegt, so dass genau dieser Adapter benötigt wird. Wozu gibt es gottverdammtnocheins WLAN-Router? Wenn ich aber einen zweiten Monitor an das Samsung ATIV Book 9 Plus anschließen möchte oder muss, werde ich dazu genötigt ein passendes Kabel oder einen Adapter zu kaufen.

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Und das war es im Grunde mit dem Lieferumfang. Lediglich das Gerät selbst und ein Stromkabel/Adapter sind noch mit dabei. Ahja – und eine Anleitung für die speziellen Samsung-Apps liegt natürlich noch dabei.

Handling & Aussehen: Sexy trotz Fettflecken

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Das Samsung ATIV Book 9 Plus (ab jetzt nur noch SAB9P) hat wirklich nette Kurven zu bieten. Vor mir liegt die Version in „Irgend-ein-cooler-Name-plus-Blau“. Das Gehäuse besteht aus Alu und die Rückseite lässt sich sehr einfach durch das Entfernen von zehn Schrauben öffnen. Schon hat man Zugriff auf alle Bauteile – finde ich sehr edel umgesetzt. Meist ist es ein Akt der Verzweiflung und Zerstörung, wenn man den Lüfter bei einem normalen Notebook säubern möchte.

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Die Tastatur hat einen sehr geringen Anschlag, was anfangs etwas ungewohnt ist, doch mit der Zeit war die Benutzung sehr angenehm. Das Touchpad reagiert schnell und treffsicher, was man von dem Touchscreen jedoch nicht behaupten kann. Wegen der kleinen Menüstrukturen von Windows trifft man sehr oft den falschen Punkt mit dem Finger.

Nicht nur das Äußere SIEHT sexy aus, es FÜHLT sich auch sehr sehr erregend gut an. Das kühle Alu-Chassi schmeichelt der Hand und liegt geil in der Hand. Traurigerweise wird dieses Gefühl bei der alltäglichen Nutzung von zwei Faktoren getrübt.

1. Das Gehäuse und der Touchscreen sind sehr stark anfällig für Fettflecken. Das kann man leider nicht verhindern und so sollte immer ein Microfaser-Tuch zur Hand haben. Sehr schade, dass Samsung kein Tuch mitliefert.

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2. Auf der Rückseite befindet sich der Samsung-Schriftzug und ist durch die Riffelung ein idealer Schmutz-/ und Dreckfänger. Da der Schliff hauchfein ist, bekommt man den fiesen Dreck nicht wieder so schnell raus. Ich vermute das Logo wird nach ungefähr sechs Monaten Nutzung den Farbzustand von Silber zu Grün-Braun ändern und die ersten Pilzkulturen wären erkennbar.

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Kommen wir zu dem QHD+ Display mit einer Auflösung von 3200×1800 Pixel in der Spitze. Das liest sich auf dem Papier erstmal gut, doch es ist alles so WINZIG, wenn man den Desktop und den Browser betrachtet. Um das Problem zu lösen kann man in die Anzeige-Einstellungen gehen und die Größe aller Elemente auf 250% hochskalieren. Passt man diesen Wert an, lässt sich die krasse Auflösung insbesondere bei Filmen und Bilder bestaunen. Leider gibt es kaum 4k-Videomaterial.

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Vollbild für volle Pixel-Struktur

Möchte man jedoch durch das Web surfen, offenbart sich ein dickes Problemchen, das sich nicht mit einem Becherchen lösen lässt. Windows möchte gerne alle Bilder hoch skalieren und dadurch ergeben sich unscharfe Grafiken und Schriften. Aus diesem nervigen Grund habe ich das SAB9P immer mit der Auflösung 2048×1152 Pixel und einer Vergrößerung um 150% benutzt. Da kann man die Menüpunkte erkennen und auch der Browser eskaliert nicht bei der Darstellung.

Multimedia: Windows-8-Apps eben

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Samsung Apps

Über den Windows Store bekommt man zahlreiche Apps für das SAB9P. Leider quält Samsung den Käufer des Gerätes bereits mit zahlreichen vorinstallierten Apps wie: Zalando, Plants vs. Zombies, Süddeutsche Zeitung, Internet Explorer, Samsung Music Hub, Photoshop Elements 11, Bitcasa, S Photostudio, S Player+, Norton Security (60 Tage Trial) und einer Netzwelt-App. In meinen Augen ist nur eine App davon nützlich: Photoshop.

Zudem gibt es etliche Bing-Apps vorinstalliert: News, Reisen, Kochen, Karten, Fitness, Sport, etc. Und ich benutze sie alle nicht, weil sie unübersichtlich und wenig intuitiv zu bedienen sind. Das liegt vermutlich an der dreisten Design-Guideline von Microsoft, da kann Samsung aber nichts dafür. Aus diesem Grund bleibt diese Kritik außen vor.

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Langhaariger Affe im Bild

Was wiederum stört: Die Webcam und ihre dreist schlechte Software. Die Aufnahme-Qualität ist unter aller Kanone und nur verrauscht. Man hat ungefähr keine Möglichkeiten etwas zu verändern. Lediglich der Helligkeitsregler und ein Timer stehen zur Verfügung. Das ist meiner Meinung nach etwas wenig. Da hat sogar die Frontkamera meines Note 2 mehr zu bieten.

Ausdauer: Da geht was

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Satte 9 Stunden schafft das SAB9P bei meiner normaler Nutzung mit Surfen, YouTube, Chatten, Bloggen und anderem Krimskams. Allerdings hängt die Leistung natürlich von der eingestellten Helligkeit des Displays ab. Dreht man die Helligkeit voll auf, so hält der Akku natürlich nicht so lange wie mit dauerhaft abgedunkeltem Bildschirm. Ich hatte den Balken ungefähr immer auf Halbmast.

Würde man das SAB9P mit anspruchsvoller Software wie After Effects belasten, so hielte der Akku mit Sicherheit sehr viel kürzer. Für derartige Ansprüche wurde das ATIV Book jedoch nicht gebaut, sondern vielmehr um alltägliche Dinge zu erledigen: Surfen, Chatten, Bilder bearbeiten, Videos anschauen, mit Textdokumenten und Präsentationen zu arbeiten. Für diese Bizznizz-Aufgaben reicht der Akku allemal! Kein Grund zu Meckern.

Speicher: Wegen Überfüllung geschlossen

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Effektiv hat man zu Beginn nur rund 67 GB Speicher. Das liegt daran, dass nur eine 128 GB große SSD-Platte verbaut ist. Wegen Byte-zu-Bit-Umrechnung und der enormen Größe von Windows 8 + Apps hat man im Grunde nur die Hälfte des Speichers zur freien Verfügung. Jetzt könnte man meinen, dass es doch kein Problem ist, wenn man die Platte kurzerhand austauscht. Falsch gedacht. Samsung verbaut in dem Sinne keine normale 2,5″-Festplatte, sondern eine sogenannte M.2-SSD. Diese sind wesentlich kleiner und sehen nicht mehr aus wie normale Festplatten, sondern eher wie Arbeitsspeicher-Riegel. Die haben den Vorteil, dass sehr viel Platz gewonnen ist und eben den Nachteil, dass sie noch sehr neu auf dem Markt und nicht ganz günstig sind.

Performance: Flüssig und flott

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Grafikkarte: Die Intel HD 4400 Grafikeinheit leistet keine Wunder und macht eben das normale Zeugs. Call of Duty wird damit wohl nur auf Stufe Low spielbar sein. Leider ist mir eine leicht verfälschte Farbdarstellung beim Candy Crush zocken aufgefallen. Da wirkte alles sehr dunkel und farblos. Zudem ist mir aufgefallen, dass das ATIV Book nach einer Stunde Video-Hangout-Chat extrem heiß wird und der Lüfter ohne Ende durchdreht.

CPU: Das SAB9P startet sehr schnell (6-8 Sekunden), was wohl insbesondere Windows 8.1 und der verbauten SSD zu verdanken ist. Die Intel i5-CPU sorgt dafür, dass alle Programme fix laufen und es zu keinen Rucklern kommt. Einzig bei grafiklastigen Spielen wird es kritisch, da die Grafikkarte nicht so leistungsfähig ist.

Fazit: Nein, ich möchte diesen Fettich nicht kaufen

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Zu dem Marktstart des ATIV Book 9 Plus wurde von Samsung ein Preis von 1.499 Euro ausgerufen – aktuell kostet das SAB9P noch rund 1.200 Euro auf dem freien Markt. Für mich ist das noch immer zu viel Geld für die gebotene Ware. Das Samsung-Ultrabook sieht zwar schick aus und liegt gut in der Hand, doch der äußerst mickrige Speicher, schönes Display ohne großen Mehrwert dank Windows, ein paar Macken zu Lasten der Handhabung und fehlendes Zubehör, lassen mich zu dem Entschluss kommen, dass ich mir für das Geld doch lieber ein anderes Gerät kaufen würde. Natürlich gibt es auch Varianten mit mehr Speicher, die liegt dann aber gleich mal bei 1.649 Euro für eine 256 GB SSD.

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Wenn ich nur ein teures, ausdauerndes Ultrabook mit Touch und genügend Speicher suche, dann käme das Lenovo IdeaPad Yoga 2 Pro für mich in Frage. Dieses kostet zwar rund 1580 Euro, besitzt dafür 8 GB RAM, gleich 512 GB Speicher, eine bessere Webcam und man kann das Display komplett umdrehen und als Tablet benutzen. Würde ich stattdessen das ATIV Book 9 Plus mit 256 GB kaufen wollen, das ebenfalls auf 8 GB RAM aufgestockt wurde, so müsste ich rund 1650 Euro dafür blechen. Im Endeffekt hätte ich mit dem Yoga 2 Pro mehr Speicher, die bessere Technik und einen niedrigeren Preis als bei dem Samsung.

Wenn ich aber nur ein schickes Gerät mit langer Ausdauer und genügend Speicher, zu eben solch einem Preis suchen würde, dann wäre ein Macbook meine erste Wahl. Allerdings sah ich selbst noch nie und sehe heute auch noch keinen Sinn in so dünnen, arschteuren Dauerläufern. Für mich ist das nur Marketing-Blabla, denn ich brauche keinen Schlepptop, auf dem ich nur Textdokumente, Bilder und Videos anschaue und dafür ein dünnes, geiles Design in der Hand halte. Ich möchte damit noch zocken, richtig arbeiten und 500 GB Pornos zwischenspeichern können. Und dafür reicht mir ein stinknormales Notebook mit 4 Stunden Akku-Laufzeit, Quadcore-CPU und einer richtigen Grafikkarte aus.

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Florian Fritz

Essperimentalphysiker
Philanthrop und Handyfetischist der ersten Stunde. Alles begann mit dem Sagem MC-939. Später folgten das Siemens MT50, Sony Ericsson K300, BenQ Siemens S88, Motorola Defy, Samsung Galaxy Note 2 und das neue, dicke Ding in seiner Hose ist das OnePlus One. In seiner Freizeit identifiziert er liebend gerne Smartphones in freier Wildbahn und ruft deren technische Daten aus dem Gedächtnis ab. Über Twitter findet ihr noch mehr geilen Shizzle von mir.

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